Pressemitteilungen


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Johanna Köhler
Leitung Kommunikation und Marketing
documenta und Museum Fridericianum gGmbH
presse@documenta.de
+49 561 70727-4030

26. September 2022

documenta fifteen schließt mit sehr guten Besuchszahlen

Insgesamt über 738.000 Besucher*innen – Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit als zentrale Anliegen Mehr

Insgesamt über 738.000 Besucher*innen – Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit als zentrale Anliegen


Nach 100 Ausstellungstagen, einem dritten Meydan-Wochenende und etlichen Aktivierungen durch die Künstler*innen ist die documenta fifteen am gestrigen Sonntag erfolgreich zu Ende gegangen. Die Besucher*innenzahlen von 738.000 übertrafen die Erwartungen der Veranstalter. Den aktuellen Entwicklungen im Tourismus- und Veranstaltungswesen folgend, blieb der Bereich der Gruppenbuchungen etwas hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück, dafür konnte ein leichtes Plus bei Dauerkarteninhaber*innen generiert werden.


Auf insgesamt mehr als 25.000 qm Ausstellungsfläche luden über 1.500 Künstler*innen an 32 Ausstellungsorten ein, in die lumbung-Praxis einzutauchen. Veranstaltungen und Aktivierungen waren fester Bestandteil der documenta fifteen. So fanden während der Laufzeit über 1.700 Veranstaltungen der beteiligten Künstler*innen und ihrer eingeladenen Akteur*innen statt. Das Eröffnungswochenende sowie das besonders dichte, auf drei Wochenenden konzentrierte Meydanprogramm wurde insgesamt von rund 38.000 Menschen besucht.


Der lumbung-Praxis folgend gehörten zwei drängende aktuelle Themen zum Selbstverständnis der documenta fifteen:


Nachhaltigkeit wurde mit Blick auf sozioökonomische und ökologische Belange ernst genommen: Über den sogenannten „Nachhaltigkeitseuro“, der im Ticket inkludiert war, konnten 375.000 Euro Spenden zur Aufforstung des Reinhardswaldes im Landkreis Kassel und zur ökologischen Anreicherung auf Sumatra in Indonesien generiert werden. Recycelte Materialen dominierten die Infrastruktur und Ausstellungsgestaltung. Bei Merchandise und Printprodukten wurde auf nachhaltige und regionale Produkte gesetzt. Die Nutzung des Nahverkehrs war erstmalig im Ticket inkludiert. Im laufenden Prozess wurden Standards eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Ressourcen konsequent betrachtet.


Auch Barrierefreiheit und Zugänglichkeit waren zentrale Anliegen. Angelehnt an lumbung-Werte wie Großzügigkeit und Solidarität bot die documenta fifteen das sogenannte Soli-Ticket an, das möglichst vielen Menschen Zugang zur Ausstellung ermöglichen sollte: Indem Besucher*innen es zum regulären Ticketpreis erwarben, verschafften sie einer weiteren Person kostenlosen Zugang zur Ausstellung. Dieses auf erhöhe Zugänglichkeit angelegte Ticket-Format wurde gut angenommen, das Soli-Ticket wurde insgesamt über 3.500 Mal gekauft und ebenso oft eingelöst. Barrierefreiheit hat die documenta fifteen als stetigen Optimierungsprozess ernsthaft verfolgt. Über die Website, Walks & Stories und das Ausstellungsbegleitheft in leichter Sprache wurden zusätzliche Barrieren reduziert und Standards gesetzt.


Für die Künstlerische Leitung ruangrupa ist die Ausstellung der documenta fifteen in Kassel eine Etappe auf der lumbung-Reise: „Im Sinne eines nachhaltigen Prozesses des von- und miteinander Lernens haben wir alle eingeladenen Akteur*innen der documenta fifteen aufgefordert, ihre lokale Praxis fortzusetzen und eine Übersetzung davon nach Kassel zu finden. Die Ergebnisse dieses Prozesses bildeten die documenta fifteen Ausstellung. lumbung #1 – wie wir die Ausstellung intern auch nennen – ist nun zwar abgeschlossen, aber die lumbung-Praxis wird nach den 100 Ausstellungstagen weiterleben. Mit unabhängigen selbstorganisierten Plattformen wie zum Beispiel der Website lumbung.space, der lumbung Gallery und lumbung Kios haben wir Strukturen geschaffen, die dem lumbung-Netzwerk auch weiterhin zur Verfügung stehen. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns bei allen Beteiligten ganz herzlich zu bedanken: bei den Künstler*innen und Kollektiven, dem Kasseler Ekosistem, dem Team der documenta fifteen und der documenta gGmbH sowie den sobat-sobat und Aufsichten und allen anderen, die sich für das Projekt documenta fifteen mit Herzblut eingesetzt haben.“


Geschäftsführer Alexander Farenholtz sieht die Besucher*innenzahlen als Erfolg: „Diese documenta hatte es angesichts der sie begleitenden Antisemitismusdebatte nicht leicht, ihre eigentlichen Künstlerischen Anliegen zu platzieren. Ich wünschte mir, dass die Ausstellung in der Retrospektive auch als das gesehen werden kann, was sie in der Wahrnehmung vieler Besucher*innen war: nämlich ein künstlerisches Unterfangen, das wichtige Fragen unserer Zeit adressiert. Besucher*innen in einer Anzahl erreicht zu haben, die nur etwa 17 Prozent unter den Zahlen der documenta 14 aus dem Jahr 2017 liegt, ist in meinen Augen angesichts der Planung und Durchführung in Pandemiezeiten und der damit einhergehenden Rückgänge im Bereich Fern- und Gruppenreisen als Erfolg zu werten.“


Auch digital war die documenta fifteen stark frequentiert. Die Website besuchten insgesamt fast 700.000 eindeutige Besucher*innen aus 115 Ländern. Der reichweitenstärkste Social-Media-Kanal, Instagram, erreichte rund 65.000 Follower und der Newsletter verzeichnete zuletzt rund 29.500 Abonnent*innen.


Wer in der Ausstellungsrückschau noch mal in Eindrücke des lumbung-Prozesses eintauchen möchte, kann gut 30 eigens produzierte Videos zu zentralen Themen der documenta fifteen und künstlerischen Beiträgen sowie die archivierten Livestream-Veranstaltungen auch weiterhin in der documenta fifteen-Mediathek verfolgen.


Weitere Zahlen im Detail und demographische Daten


Es wurden über 15.150 Dauerkarten (d 14 = 14.500) verkauft. Insgesamt wurden rund 5.250 Walks & Stories angeboten, die von rund 78.700 Teilnehmer*innen besucht wurden. 33.000 Schüler*innen im Klassenverband besuchten die documenta fifteen und rund 4.600 Pressevertreter*innen wurden akkreditiert.


Rund ein Drittel (31,7 Prozent) des Publikums stammte aus dem Ausland und kam aus 86 Ländern der Welt. Über 40 Prozent der Besucher*innen war zwischen 15 und 40 Jahre alt. Am stärksten vertreten war die Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahre.


Nach ersten Umfrageergebnissen bewerteten die Besucher*innen ihren documenta fifteen-Besuch überwiegend mit gut bis sehr gut. So vergaben 57,4 Prozent der Befragten für die Gesamtwertung der documenta fifteen eine 1 oder 2 (bei einer Skala von 1 – sehr gut bis 5 – sehr schlecht). Weitere 30,1 Prozent vergaben eine 3. Die im Herbst zu erwartende repräsentative Besucher*innenbefragung wird Aufschluss über weitere demographische Daten und Besucher*innenzufriedenheit geben.


Die besucherstärksten Tage waren weiterhin Samstag, gefolgt von Freitag, Dienstag und Sonntag, die beliebteste Ausstellungsorte waren Fridericianum und documenta Halle, gefolgt von Hallenbad Ost, Hübner-Areal, Grimmwelt und der Kirche St. Kunigundis.


Die gemeinsam mit Hatje Cantz entwickelten Publikationen, darunter das 320 Seiten umfassende Handbuch sowie der Familienguide Gehen, finden, teilen, werden zukünftig auch nach dem vollständigen Abverkauf als e-books erhältlich bleiben.



Am gestrigen Sonntag, den 25. September 2022 wurde traditionsgemäß die Laufzeit der documenta 16 vom Aufsichtsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Christian Geselle, verkündet. Die documenta 16 wird vom 12. Juni bis zum 19. September 2027 stattfinden.



Pressemitteilung zum Download

16. September 2022

Gemeinsame Erklärung des Aufsichtsrates und der Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, das Land Hessen und die Stadt Kassel, danken der Fachwissenschaftlichen Begleitung, die die Gesellschafter der documenta zur Aufarbeitung antisemitischer Vorkommnisse auf der documenta fifteen eingesetzt haben, für ihre erste Analyse und die bis hierhin geleistete Arbeit. Die Gesellschafter schließen sich dem Votum der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, wonach die Tokyo Reels des Kollektivs Subversive Films nicht mehr gezeigt werden sollen, mindestens bis eine angemessene Kontextualisierung vorgenommen wurde. Die aktuelle Kommentierung der Filme ist dazu nicht geeignet, da sie die teils antisemitischen und terroristische Gewalt verherrlichenden Propagandafilme gerade nicht historisch einordnet.Mehr

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, das Land Hessen und die Stadt Kassel, danken der Fachwissenschaftlichen Begleitung, die die Gesellschafter der documenta zur Aufarbeitung antisemitischer Vorkommnisse auf der documenta fifteen eingesetzt haben, für ihre erste Analyse und die bis hierhin geleistete Arbeit. Die Gesellschafter schließen sich dem Votum der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, wonach die Tokyo Reels des Kollektivs Subversive Films nicht mehr gezeigt werden sollen, mindestens bis eine angemessene Kontextualisierung vorgenommen wurde. Die aktuelle Kommentierung der Filme ist dazu nicht geeignet, da sie die teils antisemitischen und terroristische Gewalt verherrlichenden Propagandafilme gerade nicht historisch einordnet.


Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut und die exklusive künstlerische Verantwortung der documenta fifteen liegt bei ruangrupa. Die Kuratorinnen und Kuratoren weigern sich jedoch, die damit verbundene Verantwortung wahrzunehmen oder in eine selbstkritische Reflexion der Ereignisse zu gehen. Sie werfen im Gegenteil dem wissenschaftlich breit aufgestellten und renommierten Fachwissenschaftlichen Gremium mit seiner interdisziplinären Expertise Rassismus und Unwissenschaftlichkeit vor. Diese Vorwürfe weisen wir auf das Schärfste zurück.


Wir bedauern und kritisieren, dass die Künstlerische Leitung entgegen der Beratung durch die Fachwissenschaftliche Begleitung und dringliche Empfehlung durch die Gesellschafter auf die Fortsetzung der Vorführung der Tokyo Reels des Kollektivs Subversive Films besteht, ohne dass eine kritische Einordnung der antisemitischen und gewaltverherrlichenden Inhalte erfolgt. Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter betrachten es als notwendig, dass den Besucherinnen und Besuchern der documenta eine solche Einordnung zur Verfügung gestellt wird. Wir bitten deshalb die Künstlerische Leitung, die einhellige Einschätzung der Fachwissenschaftlichen Begleitung in der Ausstellung ergänzend zur eigenen Kontextualisierung sichtbar zu machen. Alternativ behalten sich die Gesellschafter vor, diese Informationen außerhalb der Ausstellungsräume im Öffentlichen Raum am Zugang zu den Vorführungsorten für die Besucherinnen und Besucher zur Verfügung zu stellen.

15. September 2022

Statement der Findungskommission

Die Findungskommission für die Künstlerische Leitung der documenta fifteen drückt ihre Unterstützung für die jüngste Stellungnahme von ruangrupa, der lumbung member und der teilnehmenden Künstler*innen aus. Der von Medien und Politiker*innen auf das gesamte Team der documenta fifteen ausgeübte Druck ist unerträglich geworden. Mit dieser Stellungnahme wollen wir ihre harte Arbeit und außerordentliches Engagement verteidigen.Mehr

Die Findungskommission für die Künstlerische Leitung der documenta fifteen drückt ihre Unterstützung für die jüngste Stellungnahme von ruangrupa, der lumbung member und der teilnehmenden Künstler*innen aus. Der von Medien und Politiker*innen auf das gesamte Team der documenta fifteen ausgeübte Druck ist unerträglich geworden. Mit dieser Stellungnahme wollen wir ihre harte Arbeit und außerordentliches Engagement verteidigen.


Wir lehnen Antisemitismus ebenso ab wie dessen derzeitige Instrumentalisierung, die der Abwehr von Kritik am Staat Israel und seiner derzeitigen Besetzungspolitik palästinensischer Gebiete dient. Gleichzeitig begrüßen wir den Pluralismus der documenta fifteen und die Möglichkeit, erstmals eine solche Vielfalt künstlerischer Stimmen aus der gesamten Welt zu hören. Wir verteidigen das Recht der Künstler*innen, politische Formeln und festgefahrene Denkmuster zu untersuchen, bloßzulegen und zu kritisieren. Dieses Recht sollte auch von jenen wertgeschätzt werden, die Ausstellungen wie die documenta fifteen ermöglichen.


Wie auch schon während der gesamten Phase der Entwicklung und Realisierung der Ausstellung stehen wir ungebrochen hinter unserer Entscheidung, ruangrupa für die Künstlerische Leitung der documenta fifteen ausgewählt zu haben. Wir respektieren und schätzen die hunderttausende an Besucher*innen, die die Ausstellung gesehen haben. Auch ihre Stimmen sollten gehört werden. Wir möchten den teilnehmenden Künstler*innen unsere Anerkennung dafür aussprechen, dass sie trotz Angriffen auf ihre Integrität den lumbung-Prinzipien treu geblieben sind. Wir fordern daher den Aufsichtsrat dazu auf, sicherzustellen, dass die documenta fifteen bis zum geplanten Ende der Ausstellung vollumfänglich geöffnet bleiben kann. Dies nicht zu tun und sich damit politischer Einflussnahme zu beugen, wäre ein historisches Versäumnis.


Die Findungskommission:


Amar Kanwar, Charles Esche, Elvira Dyangani Ose, Frances Morris, Gabi Ngcobo, Jochen Volz, Philippe Pirotte, Ute Meta Bauer

13. September 2022

Stellungnahme der Gesellschafter der documenta gGmbH

Die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, das Land Hessen und die Stadt Kassel, danken der Fachwissenschaftlichen Begleitung, die die Gesellschafter der documenta zur Aufarbeitung antisemitischer Vorkommnisse auf der documenta fifteen eingesetzt haben, für ihre erste Analyse und die bis hierhin geleistete Arbeit.Mehr

Die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, das Land Hessen und die Stadt Kassel, danken der Fachwissenschaftlichen Begleitung, die die Gesellschafter der documenta zur Aufarbeitung antisemitischer Vorkommnisse auf der documenta fifteen eingesetzt haben, für ihre erste Analyse und die bis hierhin geleistete Arbeit.


Die Gesellschafter schließen sich dem Votum der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, wonach die Tokyo Reels des Kollektivs Subversive Film nicht mehr gezeigt werden sollen, mindestens bis eine angemessene Kontextualisierung vorgenommen wurde. Die aktuelle Kommentierung der Filme ist dazu nicht geeignet, da sie die teils antisemitischen und terroristische Gewalt verherrlichenden Propagandafilme gerade nicht historisch einordnet.

10. September 2022

Presseerklärung des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta fifteen

Die Gesellschafter der documenta gGmbH haben uns als Gremium zur fachwissenschaftlichen Begleitung eingesetzt, um als antisemitisch identifizierte bzw. diskutierte Werke zu analysieren, den Umgang der documenta fifteen mit antisemitischen Vorfällen zu untersuchen und Vorschläge zu entwickeln, wie ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern sind. Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen zu einzelnen Exponaten besteht noch während der laufenden Ausstellung eine besondere Dringlichkeit für die Beratung zum Umgang mit konkreten problematisierten Werken. Daher haben wir den Gesellschaftern bereits jetzt eine erste Einschätzung des Gremiums zu dieser Frage vorgelegt. Diese bezieht sich auf ein Werk, bezüglich dessen innerhalb des Gremiums ein Konsens herrscht, dass sofortiger Handlungsbedarf besteht. Vertiefende Analysen zu den Organisationsstrukturen der documenta, zur kuratorischen Verantwortung der künstlerischen Leitung und zu weiteren Werken erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.Mehr

Die Gesellschafter der documenta gGmbH haben uns als Gremium zur fachwissenschaftlichen Begleitung eingesetzt, um als antisemitisch identifizierte bzw. diskutierte Werke zu analysieren, den Umgang der documenta fifteen mit antisemitischen Vorfällen zu untersuchen und Vorschläge zu entwickeln, wie ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern sind. Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen zu einzelnen Exponaten besteht noch während der laufenden Ausstellung eine besondere Dringlichkeit für die Beratung zum Umgang mit konkreten problematisierten Werken. Daher haben wir den Gesellschaftern bereits jetzt eine erste Einschätzung des Gremiums zu dieser Frage vorgelegt. Diese bezieht sich auf ein Werk, bezüglich dessen innerhalb des Gremiums ein Konsens herrscht, dass sofortiger Handlungsbedarf besteht. Vertiefende Analysen zu den Organisationsstrukturen der documenta, zur kuratorischen Verantwortung der künstlerischen Leitung und zu weiteren Werken erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.


Auf der Ebene der ausgestellten Werke ist es aus Sicht des Gremiums die dringlichste Aufgabe, die Vorführung der unter dem Namen „Tokyo Reels Film Festival“ gezeigten Kompilation von pro-palästinensischen Propagandafilmen aus den 1960er-1980er des Kollektivs „Subversive Film“ zu stoppen. Hoch problematisch an diesem Werk sind nicht nur die mit antisemitischen und antizionistischen Versatzstücken versehenen Filmdokumente, sondern die zwischen den Filmen eingefügten Kommentare der Künstler:innen, in denen sie den Israelhass und die Glorifizierung von Terrorismus des Quellmaterials durch ihre unkritische Diskussion legitimieren. Das historische Propagandamaterial wird nicht – wie es ohne Zweifel geboten wäre – kritisch reflektiert, sondern als vermeintlich objektiver Tatsachenbericht affirmiert. Dadurch stellen die Filme in ihrer potentiell aufhetzenden Wirkung eine größere Gefahr dar als das bereits entfernte Werk „People’s Justice“. Viele der Filme präsentieren Israel und seine Streitkräfte ausschließlich als Täter:innen, die gezielt Zivilist:innen, insbesondere Frauen und Kinder, angreifen. Im Kontrast dazu wird die palästinensische Seite als unschuldig und wehrlos dargestellt. Die wiederholten Terroranschläge gegen israelische Zivilist:innen werden hier – wie in der gesamten Ausstellung – ebenso wenig erwähnt wie die Tatsache, dass Israel regelmäßig von den Armeen Syriens, Jordaniens und Ägyptens angegriffen worden ist. Darüber hinaus schlägt die einseitig negative Darstellung Israels mehrfach in offenen Antisemitismus um. Um nur ein Beispiel zu nennen: Israel wird ein „faschistischer“ Charakter vorgeworfen und unterstellt, einen „Genozid“ an den Palästinensern zu betreiben – es wird dadurch mit dem nationalsozialistischen Deutschland gleichgesetzt. Eine solche Gleichsetzung der israelischen Politik mit der der Nationalsozialisten ist etwa nach der Definition der International Holocaust Remembrance Alliance, die von vielen Nationen, darunter auch einigen Ländern des Globalen Südens, übernommen wurde, als antisemitisch zu bewerten. Ebenfalls problematisch ist die Entstehungsgeschichte des Werks. Laut documenta-Website spielte Masao Adachi eine Rolle dabei, Subversive Film die Filmrollen anzuvertrauen. Adachi war Mitglied der japanischen Roten Armee und kollaborierte mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas, zwei Gruppen, die Terroranschläge gegen israelische und andere Zivilist:innen verübten, darunter das Massaker am Flughafen Lod 1972, bei dem 26 Menschen ermordet wurden. Eine eventuelle Wiederaufnahme der Vorführungen der Filme wäre nur denkbar, wenn diese in einer Form kontextualisiert würden, die ihren Propagandacharakter verdeutlicht, ihre antisemitischen Elemente klar benennt und historische Fehldarstellungen korrigiert.


Dem Gremium ist bewusst, dass die documenta fifteen eine Vielzahl hervorragender und inspirierender Kunstwerke ausstellt, die es in seiner Arbeit nicht in den Blick nehmen kann. Seine Aufgabe besteht darin, eine Auswahl der Werke auf ihren antisemitischen Gehalt zu untersuchen und zu klären, warum sie auf der documenta fifteen ausgestellt werden oder wurden.

10. September 2022

Presseerklärung der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta fifteen

Die Gesellschafter der documenta gGmbH haben uns als Gremium zur fachwissenschaftlichen Begleitung eingesetzt, um als antisemitisch identifizierte bzw. diskutierte Werke zu analysieren, den Umgang der documenta fifteen mit antisemitischen Vorfällen zu untersuchen und Vorschläge zu entwickeln, wie ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern sind. Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen zu einzelnen Exponaten und der documenta fifteen als Ganzer besteht eine besondere Dringlichkeit für die Beratung zu diesen Fragen. Wir haben daher den Gesellschaftern eine erste Einschätzung der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums vorgelegt, die in einigen Punkten umfassender ist als die Stellungnahme des gesamten Gremiums. Mehr

Die Gesellschafter der documenta gGmbH haben uns als Gremium zur fachwissenschaftlichen Begleitung eingesetzt, um als antisemitisch identifizierte bzw. diskutierte Werke zu analysieren, den Umgang der documenta fifteen mit antisemitischen Vorfällen zu untersuchen und Vorschläge zu entwickeln, wie ähnliche Vorgänge künftig zu verhindern sind. Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen zu einzelnen Exponaten und der documenta fifteen als Ganzer besteht eine besondere Dringlichkeit für die Beratung zu diesen Fragen. Wir haben daher den Gesellschaftern eine erste Einschätzung der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums vorgelegt, die in einigen Punkten umfassender ist als die Stellungnahme des gesamten Gremiums.


1. Die Ebene der ausgestellten Werke, Film- und Archivmaterialien
Auf der Ebene der ausgestellten Werke ist es aus Sicht des Gremiums die dringlichste Aufgabe, die Vorführung der unter dem Namen „Tokyo Reels Film Festival“ gezeigten Kompilation von pro-palästinensischen Propagandafilmen aus den 1960er-1980er des Kollektivs „Subversive Film“ zu stoppen. Hoch problematisch an diesem Werk sind nicht nur die mit antisemitischen und antizionistischen Versatzstücken versehenen Filmdokumente, sondern die zwischen den Filmen eingefügten Kommentare der Künstler:innen, in denen sie den Israelhass und die Glorifizierung von Terrorismus des Quellmaterials durch ihre unkritische Diskussion legitimieren. Das historische Propagandamaterial wird nicht – wie es ohne Zweifel geboten wäre – kritisch reflektiert, sondern als vermeintlich objektiver Tatsachenbericht affirmiert. Dadurch stellen die Filme in ihrer potentiell aufhetzenden Wirkung eine größere Gefahr dar als das bereits entfernte Werk „People’s Justice“.


Viele der Filme präsentieren Israel und seine Streitkräfte ausschließlich als Täter:innen, die gezielt Zivilist:innen, insbesondere Frauen und Kinder, angreifen. Im Kontrast dazu wird die palästinensische Seite als unschuldig und wehrlos dargestellt. Die wiederholten Terroranschläge gegen israelische Zivilist:innen werden hier – wie in der gesamten Ausstellung – ebenso wenig erwähnt wie die Tatsache, dass Israel regelmäßig von den Armeen Syriens, Jordaniens und Ägyptens angegriffen worden ist. Darüber hinaus schlägt die einseitig negative Darstellung Israels mehrfach in offenen Antisemitismus um. Um nur ein Beispiel zu nennen: Israel wird ein „faschistischer“ Charakter vorgeworfen und unterstellt, einen „Genozid“ an den Palästinensern zu betreiben – es wird dadurch mit dem nationalsozialistischen Deutschland gleichgesetzt. Eine solche Gleichsetzung der israelischen Politik mit der der Nationalsozialisten ist etwa nach der Definition der International Holocaust Remembrance Alliance, die von vielen Nationen, darunter auch einigen Ländern des Globalen Südens, übernommen wurde, als antisemitisch zu bewerten. Ebenfalls problematisch ist die Entstehungsgeschichte des Werks. Laut documenta-Website spielte Masao Adachi eine Rolle dabei, Subversive Film die Filmrollen anzuvertrauen. Adachi war Mitglied der japanischen Roten Armee und kollaborierte mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas, zwei Gruppen, die Terroranschläge gegen israelische und andere Zivilist:innen verübten, darunter das Massaker am Flughafen Lod 1972, bei dem 26 Menschen ermordet wurden. Eine eventuelle Wiederaufnahme der Vorführungen der Filme wäre nur denkbar, wenn sie in einer Form kontextualisiert würden, die den Propagandacharakter der Filme verdeutlicht, ihre antisemitischen Elemente klar benennt und historische Fehldarstellungen korrigiert.


Nach Auffassung der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums ist das „Tokyo Reels Film Festival“ das eklatanteste Beispiel für eine Einseitigkeit der documenta fifteen in Hinblick auf den arabisch-israelischen Konflikt, mit dem sich vergleichsweise viele Werke beschäftigen. Nahezu in allen diesen Werken werden einseitig kritische bis hin zu dezidiert israelfeindliche Haltungen zum Ausdruck gebracht. Diese schlagen sich in bildlichen Darstellungen und Aussagen nieder, die nach gängigen Kriterien als antisemitisch bewertet werden können. Besonders deutlich wird es dann, wenn die Existenz Israels in den Werken infrage gestellt bzw. bestritten wird. Unter diesen Gesichtspunkten halten die unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums die Auseinandersetzung mit der Werkreihe „Guernica Gaza“ und mit Dokumenten aus den Archives des luttes des femmes en Algérie für geboten. Die Analyse dieser und weiterer Werke – u.a. von Taring Padi – dauert noch an. Detailliertere Stellungnahmen werden den Gesellschaftern zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt.


2. Die Ebene der künstlerischen Leitung
Die beschriebene Einseitigkeit der präsentierten Positionen zum arabisch-israelischen Konflikt ist aus Sicht der unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums nicht den einzelnen Künstler:innen zuzurechnen, sondern Folge eines kuratorischen Konzepts der künstlerischen Leitung, das bewusst auf Kontrolle über die Zusammenstellung und Präsentation der Ausstellung verzichtet hat. Dieser im Prinzip begrüßenswerte dialogische und kooperative Ansatz ändert jedoch nichts an der kuratorischen Gesamtverantwortung von ruangrupa. Allein die künstlerische Leitung hatte die Möglichkeit, aus einer Gesamtperspektive auf die Ausstellung zu blicken. Auch wenn sie bewusst auf einen solchen Überblick verzichtet haben sollte, bleibt sie für die gesamte Ausstellung verantwortlich. Im Ergebnis hat die künstlerischen Leitung eine documenta zu verantworten, in der antisemitische Werke ausgestellt wurden und Israel und Israelis ausschließlich als Täter:innen und Aggressor:innen in Erscheinung treten. Der Eindruck einer kuratorischen Unausgewogenheit wird dadurch verstärkt, dass in der Ausstellung weder Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und der Shoah und ihren Folgen noch jüdischen Perspektiven auf den Nahostkonflikt Raum gegeben wird und die künstlerische Leitung mit der Kuratierung immer auch ein eigenes politisches Projekt verbunden hat. Ebenfalls problematisch erscheint uns die fehlende Auseinandersetzung der künstlerischen Leitung mit den antisemitischen Vorfällen, deren Kritik als „Zensur“ diskreditiert wird.


3. Die Ebene der Organisation der documenta
Auch auf der Ebene der Organisation der documenta sind die unterzeichnenden Mitglieder des Gremiums der Auffassung, dass die Verfahrensabläufe und Kommunikation in Reaktion auf die Diskussionen unzureichend bis kontraproduktiv gestaltet sind. Für den Umgang mit problematischen Werken scheint die documenta kein Verfahren vorzuhalten, das über die Prüfung der Strafbarkeit eines Exponats hinausgeht. Die Organisation der documenta scheint nicht darauf eingestellt zu sein, im Falle interner oder öffentlicher Kritik an dem Projekt oder der künstlerischen Leitung zu vermitteln. Als besonders bedauerlich empfinden es die Unterzeichnenden, dass die Geschäftsführung der documenta nach Beginn der Ereignisse nicht in einen nachhaltigen Dialog mit Vertreter:innen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eingetreten ist. Nimmt man diese drei Ebenen zusammen, wird deutlich, dass die gravierenden Probleme der documenta fifteen nicht nur in der Präsentation vereinzelter Werke mit antisemitischer Bildsprache und antisemitischen Aussagen bestehen, sondern auch in einem kuratorischen und organisationsstrukturellen Umfeld, das eine antizionistische, antisemitische und israelfeindliche Stimmung zugelassen hat.


Unterzeichnende:
Nicole Deitelhoff (Vorsitzende)
Julia Bernstein
Marina Chernivsky
Peter Jelavich
Christoph Möllers

8. August 2022

documenta fifteen zur Hablbzeit mit sehr guten Besuchszahlen - Plus bei Schüler*innen und Dauerkarteninhaber*innen, Rückgang bei Gruppenbuchungen

Am Samstag, den 6. August 2022 hat die documenta fifteen die Hälfte ihrer 100 Tage Laufzeit erreicht. Bis zum 50. Tag haben über 410.000 Besucher*innen die documenta fifteen an 32 Ausstellungsorten besucht und Werke von mehr als 1.500 Künstler*innen erlebt. Damit verzeichnet die documenta fifteen in der Zwischenbilanz trotz Corona-Pandemie annähernd die Zahlen der bisher besucher*innenstärksten Ausgabe: Die documenta 14 besuchten während der ersten Hälfte der Laufzeit in Kassel 445.000 Menschen.Mehr

Am Samstag, den 6. August 2022 hat die documenta fifteen die Hälfte ihrer 100 Tage Laufzeit erreicht. Bis zum 50. Tag haben über 410.000 Besucher*innen die documenta fifteen an 32 Ausstellungsorten besucht und Werke von mehr als 1.500 Künstler*innen erlebt. Damit verzeichnet die documenta fifteen in der Zwischenbilanz trotz Corona-Pandemie annähernd die Zahlen der bisher besucher*innenstärksten Ausgabe: Die documenta 14 besuchten während der ersten Hälfte der Laufzeit in Kassel 445.000 Menschen.


Bei sogenannten School Walks und School Workshops konnten bei der documenta fifteen bereits mehr als 25.000 Schüler*innen im Klassenverband angesprochen werden (zur Halbzeit waren es bei der documenta 14 20.000 Schüler*innen).


Besonders intensiv begleiteten zudem über 14.600 Inhaber*innen der Dauerkarte die Aktivitäten der documenta fifteen.


Angelehnt an lumbung-Werte wie Großzügigkeit und Solidarität bietet die documenta fifteen erstmals in der documenta Geschichte das Soli-Ticket an, das möglichst vielen Menschen Zugang zur Ausstellung ermöglichen soll: Indem man es zum regulären Ticketpreis erwirbt, verschafft man einer weiteren Person kostenlosen Zugang zur Ausstellung. Das Soli-Ticket wurde bereits über 3.000 Mal gekauft und sehr gut angenommen.


An Angeboten aus der Sparte Walks and Stories – wie die geführten Rundgänge der Kunstvermittler*innen sobat-sobat genannt werden – nahmen bisher rund 36.000 Besucher*innen teil. Das sind fast 20.000 weniger als bei der documenta 14, bei der es zur Halbzeit bereits 54.000 waren. Aus Sicht der documenta und Museum Fridericianum gGmbH ist dieser Rückgang vermutlich hauptsächlich auf die coronabedingten Auswirkungen auf den Geschäfts- und Gruppenreisemarkt zurückzuführen.


Das Verhältnis der Besuche aus Deutschland zu denen aus dem Ausland scheint nach ersten Zwischenergebnissen der Besucher*innenbefragung mit circa 70 zu 30 ungefähr dem Ergebnis der documenta 14 mit 65 zu 35 zu entsprechen.


Die besucher*innenstärksten Tage der documenta fifteen waren die Samstage, gefolgt von Freitagen. Auch Dienstage waren besser besucht als andere Wochentage. Die am meisten frequentierten Ausstellungsorte waren das Fridericianum, die documenta Halle, das Hallenbad Ost und das Hübner-Areal.


Veranstaltungen und Aktivierungen sind fester Bestandteil der documenta fifteen. Im Rahmen des lumbung und ruruHaus-Programms fanden während der Laufzeit bereits über 830 Veranstaltungen der beteiligten Künstler*innen und ihrer Kooperationspartner*innen statt. Das besonders dichte, auf drei Wochenenden der Laufzeit konzentrierte Meydan-Programm fand seinen erfolgreichen Auftakt vom 8. bis 10. Juli 2022 im Kasseler Stadtzentrum. Meydan #2 findet am kommenden Wochenende vom 12. bis 14. August 2022 in Kooperation mit dem Kulturzentrum Schlachthof statt und präsentiert neben einer Reihe von Konzerten und Veranstaltungen auch das Filmprogramm GDR International im Gloria-Kino.


Die Künstlerische Leitung ruangrupa sowie das Künstlerische Team freuen sich, dass sie mit der gemeinschaftsorientierten documenta fifteen bereits so viele Menschen involvieren konnten: Sie verstehen Kassel und die documenta fifteen als eine wichtige Station aller Beteiligten auf deren gemeinsamer lumbung-Reise: „Die lumbung-Community hat bereits vor der Eröffnung begonnen, sich im ruruHaus mit Kassels Stadtgesellschaft und deren Vielzahl unterschiedlicher Gemeinschaften, aber auch mit den Ekosistemen der Künstler*innen an anderen Orten zu verbinden. Wir wünschen uns, dass die documenta fifteen bis zum 25. September ihren Lauf nehmen kann und all die Aktivitäten, die wir – ruangrupa, das Künstlerische Team, Künstler*innen und Kooperationspartner*innen – mit den involvierten Ekosistemen dafür geplant haben. Wir möchten gemeinsam Impulse geben, die nachhaltige Veränderungen im Denken und Handeln für alle Gäste und Beteiligte auch über die 100 Tage hinaus schaffen können. Daran arbeiten auch die Arbeitsgruppen, wie zum Beispiel lumbung Gallery, lumbung Kios, lumbung.space und lumbung Radio intensiv. Wir möchten schon jetzt allen Besucher*innen, Künstler*innen, dem Team, den Unterstützer*innen und Partner*innen unsere größte Wertschätzung und Dankbarkeit aussprechen.“


Um die documenta fifteen als Ort des gegenseitigen Lernens und Verstehens zu stärken, fügt die Künstlerische Leitung mehreren Arbeiten in der Ausstellung derzeit Kontextualisierungen in verschiedenen Formaten bei. Dieser Prozess ist bereits initiiert und wird sukzessive fortgeführt.


Zudem wird die angestrebte Zweisprachigkeit (Englisch / Deutsch) in der Ausstellung verstärkt weiterverfolgt, indem weitere Label- und Wandtexte auf Deutsch ergänzt werden, um die Zugänglichkeit der Beiträge zu erhöhen.


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1. August 2022

Gesellschafter der documenta stellen fachwissenschaftliche Begleitung vor

Sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit herausragender wissenschaftlicher Expertise in den Bereichen Antisemitismus, Perspektiven aus globalen Kontexten und Postkolonialismus, Kunst sowie Verfassungsrecht werden die documenta in den kommenden Monaten fachwissenschaftlich begleiten. Den Vorsitz des Gremiums wird Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts „Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ (HSFK) und geschäftsführende Sprecherin des „Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ (FGZ), übernehmen. Das haben die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH bekannt gegeben. Angesichts der antisemitischen Vorfälle hat der Aufsichtsrat am 15. Juli 2022 einige Maßnahmen zur Aufarbeitung beschlossen, darunter die Einsetzung dieser fachwissenschaftlichen Begleitung. Ziel ist, auch in Zukunft der documenta ihren weltweit einzigartigen Rang als Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Kassel zu sichern.Mehr

Sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit herausragender wissenschaftlicher Expertise in den Bereichen Antisemitismus, Perspektiven aus globalen Kontexten und Postkolonialismus, Kunst sowie Verfassungsrecht werden die documenta in den kommenden Monaten fachwissenschaftlich begleiten. Den Vorsitz des Gremiums wird Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts „Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ (HSFK) und geschäftsführende Sprecherin des „Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ (FGZ), übernehmen. Das haben die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH bekannt gegeben. Angesichts der antisemitischen Vorfälle hat der Aufsichtsrat am 15. Juli 2022 einige Maßnahmen zur Aufarbeitung beschlossen, darunter die Einsetzung dieser fachwissenschaftlichen Begleitung. Ziel ist, auch in Zukunft der documenta ihren weltweit einzigartigen Rang als Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Kassel zu sichern.


Der Vorschlag für die Besetzung der fachwissenschaftlichen Begleitung wurde von Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, und Dr. Susanne Völker, Kulturdezernentin der Stadt Kassel, im Auftrag der Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH erarbeitet. Der Aufsichtsrat hat diesem Vorschlag zugestimmt und der Gesellschafterversammlung empfohlen, die ihn ebenfalls bestätigt hat.


„Wir danken den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herzlich für ihre Bereitschaft, so kurzfristig ihre wissenschaftliche Expertise zur Verfügung zu stellen – das ist bei so hochkarätigen Forscherinnen und Forschern angesichts zahlreicher anderer Verpflichtungen keineswegs selbstverständlich“, erklären Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, Staatsministerin Angela Dorn sowie Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker.


Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind zuständig für die erste Bestandsaufnahme der Abläufe, Strukturen und Rezeptionen rund um die documenta fifteen, sollen Empfehlungen für die Aufarbeitung geben und erörtern, welche Aspekte einer vertieften wissenschaftlichen Analyse bedürfen. Außerdem werden sie bei der Analyse möglicher weiterer antisemitischer Bildsprache und Sprache sowie bereits als antisemitisch identifizierten Werken beraten. Die Beratungsergebnisse und Positionen werden dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern vorgelegt, die diese der documenta und Museum Fridericianum gGmbH und den Kuratorinnen und Kuratoren zur Verfügung stellen und in einen Dialog dazu eintreten. Die künstlerische Freiheit ist gewahrt, die kuratorische Verantwortung ist und bleibt explizite Aufgabe der künstlerischen Leitung ruangrupa. „Wir haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ganz unterschiedlichen Sichtweisen und aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengebracht, damit sie in einen konstruktiven Austausch treten und eine unabhängige Aufarbeitung voranbringen, die uns wichtige Impulse für die Zukunft geben wird. Es wird vermutlich auch Aspekte der Aufarbeitung und Kunstwerke geben, wo es am Ende keine einheitliche Einschätzung geben wird. Entscheidend ist, dass die Sichtweisen transparent sind und miteinander in Dialog treten“, so Geselle und Dorn.


„Mit der ausgesprochenen Empfehlung für eine fachwissenschaftliche Begleitung hat der Aufsichtsrat sich klar positioniert, Antisemitismus und gruppenbezogene Formen von Menschenfeindlichkeit auch in Kunst und Kultur wirksam zu bekämpfen. Wir erwarten, dass unter Berücksichtigung der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit, Hinweisen auf mögliche antisemitische Bildsprache und Beförderung von israel-bezogenem Antisemitismus nachgegangen wird“, bekräftigte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle als Vorsitzender die Entscheidung und Haltung des documenta-Aufsichtsrats.


„Die auf der documenta fifteen mehrfach gesichteten antisemitischen Motive zeugen von ungebrochener Aktualität und Reproduktion von Antisemitismus. Es ist daher essentiell, dass die antisemitischen Vorfälle und die damit zusammenhängenden Rezeptionen und Vorgänge mit Unterstützung eines fachwissenschaftlichen Gremiums rekonstruiert und aufgearbeitet werden. Die fachwissenschaftliche Analyse weiterer Werke im Hinblick auf antisemitische Motive wird schon in den kommenden Wochen für uns Gesellschafter wichtig sein. Auf dieser Grundlage können nachhaltige Impulse für den Umgang mit antisemitischen Vorgängen im Kultur- und Kunstkontext gezogen werden und so über die documenta hinauswirken. Die Aufarbeitung des Geschehenen und ein Lernen für die Zukunft soll auch das in den vergangenen Wochen verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen“, so Angela Dorn.


„Die Vertrauensverluste rund um die Vorkommnisse antisemitischer Bildsprache haben diese documenta seither überschattet und unter veränderte Vorzeichen gestellt. Ziel muss es nun sein, den fachlichen und sachlichen Diskurs und den gemeinsamen Dialog zu führen, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Künstlerinnen und Künstler aus vielen Teilen der Welt stellen in ihren Projekten wesentliche Fragen unserer Zeit. Eine differenzierte Aufarbeitung der antisemitischen Vorfälle und ihrer Kontexte ist notwendig und gleichzeitig eine Chance, um den Blick auch dafür erneut öffnen zu können.“ erläutert Dr. Susanne Völker.


„Unsere fachwissenschaftliche Begleitung hat ein zentrales Ziel: Aufzuarbeiten, wie es zu den antisemitischen Vorfällen auf der documenta fifteen kommen konnte und Empfehlungen zu entwickeln, wie im Rahmen der laufenden Ausstellung und über sie hinaus zukünftig damit umgegangen werden kann, damit sich das nicht wiederholt“, so die Vorsitzende des Gremiums, Prof. Dr. Deitelhoff. Das Gremium wird inhaltlich und organisatorisch unterstützt durch Dr. Cord Schmelzle, Koordinator des Teilinstituts Frankfurt des FGZ.


Die Hauptarbeit des Gremiums wird über den Ausstellungszeitraum der documenta fifteen hinausreichen, da auch vertiefende wissenschaftliche Studien initiiert werden können. Die wissenschaftliche Analyse der Kunstwerke auf der documenta fifteen, mit Hinweisen auf mögliche antisemitische (Bild-)Sprache, soll noch während der laufenden Ausstellung geschehen. „Die Tatsache, dass mit dem Faksimile der Broschüre „Presence des Femmes“ und den darin enthaltenen Zeichnungen des Künstlers Burhan Karkoutly ein weiterer Gegenstand mit antisemitischer Bildsprache bekannt geworden ist, zeigt wie dringend notwendig diese Analyse ist. Es gibt zu Recht ein großes öffentliches Interesse an den Erkenntnissen und Empfehlungen der fachwissenschaftlichen Begleitung, dessen sind wir uns bewusst. Zugleich erfordert wissenschaftliches Arbeiten ein Mindestmaß an Gründlichkeit und Ruhe, das wir ermöglichen wollen. Wir bitten um Verständnis, dass Pressearbeit gezielt ablaufen wird und Mitglieder sich nicht einzeln öffentlich äußern wollen und werden.“, so Geselle und Dorn abschließend.


In der fachwissenschaftlichen Begleitung wirken mit:
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Vorsitz), Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik an der Goethe-Universität Frankfurt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts „Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ (HSFK) und Sprecherin des „Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ (FGZ). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich soziale und politische Konflikte und Konfliktregulierung sowie der Institutionen- und Demokratietheorien.


Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; Kunsthistorikerin, Germanistin und Kuratorin. Wissenschaftlicher Schwerpunkt: Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.


Prof. Dr. Julia Bernstein, Professorin für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich der Antisemitismusforschung und zielt auf deren Transfer besonders in die Bildungsarbeit. 2017 hat sie den qualitativen Teil der Studie „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland“ geleitet, die im Auftrag des zweiten unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus durchgeführt wurde, und 2021 hat sie an der Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus an Schulen vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten und der Kultusministerkonferenz mitgewirkt.


Marina Chernivsky, Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt OFEK e.V. sowie Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment in Trägerschaft der ZWST. Sie forscht (u.a.) zu Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus und Antisemitismus und ist Co-Leiterin der Bundesländerstudienreihe „Antisemitismus im Kontext Schule“ in Kooperation mit der FH Potsdam. Bis 2017 war sie Mitglied im Zweiten Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus und Mitherausgeberin des zweiten Antisemitismusberichts des Deutschen Bundestages. Seit 2019 ist sie Mitglied im Beratungsgremium des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus.


Prof. Peter Jelavich, PhD, Professor of History, Johns Hopkins University; Kultur- und Geistesgeschichte Europas seit der Aufklärung, mit Betonung auf Deutschland. Forschungsschwerpunkte: Zensur der Künste in Deutschland seit 1890; und deutsch-jüdische Kulturgeschichte, insb. Populärkultur.


Prof. Dr. Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Univers ität zu Berlin und Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg für Fragen des Verfassungsrechts.


Prof. Dr. Facil Tesfaye, Juniorprofessor an der School of Modern Languages and Cultures, Universität Hong Kong & visiting fellow an der EHESS (Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales) Paris. Er wurde an der McGill University (Montréal/Canada) promoviert und hat zuvor einen Masterabschluss in Political Science an der Université du Quebec à Montréal erworben. Sein Grundstudium hat er in African Studies und Political Science an der Humboldt-Universität zu Berlin absolviert. Experte für Deutsche Koloniale Medizingeschichte & globale Kontexte.


Es können außerdem weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise als Sachverständige hinzugezogen werden. Darunter als Berater zur Konstituierung: Prof. Dr. Meron Mendel, Professor für Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Publizist, Historiker, Pädagoge.

18. Juli 2022

Alexander Farenholtz übernimmt die Interims-Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH

Alexander Farenholtz wurde heute einstimmig durch den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zum Interims-Geschäftsführer der documenta bestellt. Das erklärten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, am Montag.Mehr

Alexander Farenholtz wurde heute einstimmig durch den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zum Interims-Geschäftsführer der documenta bestellt. Das erklärten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, am Montag.


Die Gesellschafter der documenta sind froh und dankbar, in einer für die documenta herausfordernden Situation einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager für die bedeutende Weltkunstausstellung in Kassel gewonnen zu haben. Alexander Farenholtz übernimmt diese Aufgabe bereits am Dienstag, 19. Juli. Das Engagement ist zunächst bis zum 30. September 2022 befristet. Es ist der Wunsch von Herrn Farenholtz, nach der Abstimmung mit den Gesellschaftern nun zunächst mit der künstlerischen Leitung und dann selbstverständlich auch mit dem Team der documenta gGmbH Gespräche aufzunehmen.


Kassel und die documenta sind Farenholtz seit Jahren gut vertraut: Nach dem Studium (Verwaltungswissenschaft in Konstanz) und ersten beruflichen Stationen war er 1989 unter anderem für die Realisierung der documenta 9 unter der künstlerischen Leitung von Jan Hoet zum Geschäftsführer der documenta GmbH berufen worden.


1993 wechselte er als Leiter des Ministerbüros ins Baden-Württembergische Kunstministerium und übernahm 1996 zusammen mit Tom Stromberg die Leitung des Kulturprogramms der Weltausstellung EXPO2000 in Hannover.


Mit Beginn des Jahres 2002 wurde er zum Gründungsvorstand und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes bestellt. Dieses Amt übte er an der Seite von Hortensia Völckers als Künstlerischer Leiterin bis zum Erreichen der Altersgrenze im Januar 2020 aus.


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Portraitfoto von Alexander Farenholtz zum Download
Das Foto darf unter dem Copyright „KSB; Fotograf: Falk Wenzel“ verwendet werden.

16. Juli 2022

Erklärung des Aufsichtsrates der documenta gGmbH


Bei der Sitzung des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH am Freitag, 15. Juli 2022, sind vor dem Hintergrund der Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta fifteen und mit Blick auf die Zukunft der documenta einstimmige Entscheidungen des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung getroffen worden. Dazu erklärten für beide Gremien Aufsichtsratsvorsitzender Oberbürgermeister Christian Geselle und die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende:Mehr


Bei der Sitzung des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH am Freitag, 15. Juli 2022, sind vor dem Hintergrund der Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta fifteen und mit Blick auf die Zukunft der documenta einstimmige Entscheidungen des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung getroffen worden. Dazu erklärten für beide Gremien Aufsichtsratsvorsitzender Oberbürgermeister Christian Geselle und die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende:


1. Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann verständigten sich einvernehmlich darauf, ihren Geschäftsführerdienstvertrag kurzfristig aufzulösen. Zunächst wird eine Interimsnachfolge angestrebt.


2. Der Aufsichtsrat äußert seine tiefe Betroffenheit, dass am Eröffnungswochenende der documenta fifteen eindeutig antisemitische Motive zu sehen waren. Die Präsentation des Banners „People‘s Justice“ des Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache war eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt. Es ist nach Auffassung des Aufsichtsrates essenziell, diesen Vorfall zeitnah aufzuklären, Schlussfolgerungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Umgang mit antisemitischen Vorgängen im Kultur und Kunstkontext zu ziehen und weiteren Schaden für die documenta abzuwenden. Durch die Aufhängung des Banners und auch im Zuge der Krisenbewältigung in den vergangenen Wochen ist leider viel Vertrauen verloren gegangen. Der Aufsichtsrat betrachtet es als essenziell, dass alles darangesetzt wird, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.


3. Der Aufsichtsrat betrachtet es als wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Antisemitismus und gruppenbezogene Formen von Menschenfeindlichkeit auch in Kunst und Kultur wirksam zu bekämpfen. Außerdem bekräftigt er seine Erwartungshaltung, dass Hinweisen auf mögliche antisemitische Bildsprache und Beförderung von israel-bezogenem Antisemitismus unter Berücksichtigung der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit nachgegangen werden soll. Der Aufsichtsrat empfiehlt der Gesellschafterversammlung eine fachwissenschaftliche Begleitung einzusetzen, die sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Gegenwartsantisemitismus, deutschen sowie globalen Kontext und Postkolonialismus sowie der Kunst zusammensetzt. Sie sind zuständig für die erste Bestandaufnahme der Abläufe, Strukturen und Rezeptionen rund um die documenta fifteen, sollen Empfehlungen für die Aufarbeitung geben und erörtern, welche Aspekte einer vertieften (wissenschaftlichen) Analyse bedürfen. Außerdem würden sie bei der Analyse möglicher weiterer antisemitischer (Bild-)Sprache beraten. Eine Kooperation der fachwissenschaftlichen Begleitung mit der künstlerischen Leitung betrachtet der Aufsichtsrat als zielführend und soll im gemeinsamen Prozess gestaltet werden. Der Aufsichtsrat regt an, dass die Findungskommission, die eine Beratungsfunktion gegenüber der documenta fifteen innehat, in der fachwissenschaftlichen Begleitung mitwirkt. Die Gesellschafterversammlung hat dem entsprochen.


4. Der Aufsichtsrat empfiehlt der Gesellschafterversammlung, eine Organisationsuntersuchung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH durchzuführen, die sowohl die Strukturen inklusive Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten als auch die Abläufe einer Überprüfung unterzieht. Dies im Benchmark mit anderen bedeutenden Kunstausstellungen und unter Hinzuziehung externer Expertinnen und Experten, um auf dieser Basis Vorschläge für die Weiterentwicklung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH schnellstmöglich nach der documenta fifteen zu erarbeiten. Auch dies hat die Gesellschafterversammlung beschlossen.


5. Die Stadt Kassel und das Land Hessen eint das gemeinsame Ziel, die Verfehlungen beim Thema Antisemitismus und strukturellen Defizite aufzuarbeiten und alles daran zu setzen, der documenta auch in Zukunft ihren weltweit einzigartigen Rang als Ausstellung für zeitgenössische Kunst zu sichern. Der Aufsichtsrat wirbt dafür, die documenta fifteen, als erstmalige documenta kuratiert aus dem Blick des sogenannten „globalen Südens“ mit über 1.500 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, auch in ihrer Gesamtheit und Einzigartigkeit zu bewerten. Gerade weil die documenta alle fünf Jahre zu einem Dreh- und Angelpunkt von Künstlerinnen und Künstlern sowie Kulturinteressierten aus aller Welt wird und gerade weil sie immer ein Ort der Begegnung und des kritischen Diskurses war und ist, arbeitet der Aufsichtsrat gemeinsam mit allen Beteiligten daran, die documenta in Kassel zu schützen.


Erklärung des Aufsichtsrates zum Download

28. Juni 2022

Veranstaltung zu Antisemitismus in der Kunst

Antisemitismus in der Kunst
Mittwoch, 29. Juni 2022, 18.30–20 Uhr
Vor Ort in Kassel und als LivestreamMehr

Antisemitismus in der Kunst
Mittwoch, 29. Juni 2022, 18.30–20 Uhr
Vor Ort in Kassel und als Livestream


Eine Veranstaltung der Bildungsstätte Anne Frank und der documenta und Museum Fridericianum gGmbH


Inhalt
Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches, in Deutschland und global verbreitetes Problem. Das zeigt sich nun in Kassel: Antisemitische Bildsprache auf der globalen documenta fifteen. Wie konnte es dazu kommen? Was braucht es jetzt, damit die polarisierte Situation nicht noch weiter eskaliert? Wie denken wir das Vermeiden von Zensur und das Vermeiden antisemitischer Kunst zusammen? Das Podium versucht eine erste Problemdiagnose zum Verhältnis von Kunst und Antisemitismus, auch in Bezug auf den Staat Israel – und auf der documenta fifteen.


Sprecher*innen
Prof. Dr. Nikita Dhawan, Professorin für politische Theorie und Ideengeschichte, TU Dresden


Prof. Dr. Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland


Prof. Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank


Adam Szymczyk, freier Kurator und Autor, Zürich. Er war Künstlerischer Leiter der documenta 14 in Athen und Kassel (2017) und ist Curator at Large am Stedelijk Museum in Amsterdam


Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin und Vorstandsmitglied der Kulturstiftung des Bundes


Moderation
Stefan Koldehoff, Deutschlandfunk Kultur


Grußwort
Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst


Die Veranstaltung findet in deutscher und englischer Sprache mit englischer und deutscher Simultanübersetzung sowie Übersetzung in deutsche Gebärdensprache statt.


Ort
UK 14 – Untere Karlsstraße 14, 34117 Kassel sowie als Livestream


Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ist das Platzangebot vor Ort stark eingeschränkt, bitte nutzen Sie die Möglichkeit des Livestreams.


YouTube Kanal der documenta: https://bit.ly/3OmaeYu
YouTube Kanal der Bildungsstätte Anne Frank: https://www.youtube.com/c/Bildungsst%C3%A4tteAnneFrank


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4. Mai 2022

Gesprächsreihe "We need to talk! Art – Freedom – Solidarity" ausgesetzt

Die documenta hat, auch nach Rücksprache mit verschiedenen Teilnehmer*innen, entschieden, die für den 8., 15. und 22. Mai 2022 geplante Veranstaltungsreihe We need to talk! Art – Freedom – Solidarity auszusetzen.Mehr

Die documenta hat, auch nach Rücksprache mit verschiedenen Teilnehmer*innen, entschieden, die für den 8., 15. und 22. Mai 2022 geplante Veranstaltungsreihe We need to talk! Art – Freedom – Solidarity auszusetzen.


Die documenta wird zunächst die Ausstellung beginnen und für sich sprechen lassen, um die Diskussion dann auf dieser Basis sachgerecht fortzusetzen. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint das Ziel, das die documenta mit der Gesprächsreihe erreichen wollte, nämlich im Vorfeld der documenta fifteen einen multiperspektivischen Dialog jenseits institutioneller Rahmen zu eröffnen, nur schwer umsetzbar. Der documenta ist es wichtig, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Die bisherigen Ansätze sollen als verändertes Format vor Ort in Kassel während der documenta fifteen weiterentwickelt werden. Das gibt auch Gelegenheit, auf Bedenken eingehen zu können, die in den vergangenen Tagen öffentlich wurden.


Der Dank der documenta gilt den Podiumsteilnehmer*innen für ihre Bereitschaft, an der geplanten Veranstaltungsreihe We need to talk! Art – Freedom – Solidarity mitzuwirken.

25. April 2022

Vier documenta fifteen-Publikationen mit Hatje Cantz als offiziellem Verlagspartner

Gemeinsam mit Hatje Cantz als Verlagspartner veröffentlicht die documenta fifteen im Juni 2022 vier Publikationen in deutscher und englischer Sprache: Ein Handbuch, einen Familienguide, ein Magazin sowie eine Anthologie literarischer Texte.Mehr

Gemeinsam mit Hatje Cantz als Verlagspartner veröffentlicht die documenta fifteen im Juni 2022 vier Publikationen in deutscher und englischer Sprache: Ein Handbuch, einen Familienguide, ein Magazin sowie eine Anthologie literarischer Texte.


Das Handbuch ist Begleitbuch durch die Ausstellung, Nachschlagewerk und innovativer Kunstführer. Es leitet in das Konzept der Ausstellung ein, beleuchtet zentrale Aspekte und stellt die Akteur*innen der documenta fifteen vor. Der Familienguide Gehen, finden, teilen lädt in fünf Wort- und Bild-Rundgängen zum Erleben der lumbung-Werte Humor, lokale Verankerung, Unabhängigkeit, Großzügigkeit und Transparenz ein. Die beiden Ausgaben Ernten und Teilen des Magazins majalah lumbung bilden in Kurzgeschichten und Reportagen indonesischer Autor*innen ein inhaltliches Fundament zur documenta fifteen. lumbung erzählen schließlich präsentiert sieben literarische Texte internationaler Romanautor*innen über kollektives Arbeiten und Formen von Gemeinschaft.


Die vier Publikationen orientieren sich nicht nur inhaltlich, sondern auch in ihrem Erstellungsprozess, dem Erscheinungsbild und der Distributionsweise an Grundsätzen der documenta fifteen wie Kollektivität, Nachhaltigkeit und geteilten Ressourcen. So wurden für das Handbuch internationale Autor*innen eingeladen, die mit der jeweiligen künstlerischen Praxis und dem kulturellen Kontext der von ihnen vorgestellten Beteiligten vertraut sind. Für lumbung erzählen haben sich sieben internationale Verlage zusammengeschlossen, um Ausgaben in weiteren Sprachen zu ermöglichen. Alle vier Titel werden nachhaltig nach den Richtlinien des Umweltzeichens „Blauer Engel“ produziert und auf 100 % Recyclingpapier mit zertifizierter Farbe gedruckt.


Die vier Publikationen sind ab 15. Juni 2022 im Buchhandel bei der documenta fifteen in Kassel erhältlich.


Mehr Informationen

11. April 2022

Online-Gesprächsreihe We need to talk! am 8., 15. und 22. Mai 2022

We need to talk!
Art – Freedom – Solidarity
Online-Gesprächsreihe
Sonntags, 8., 15. und 22. Mai 2022
Jeweils 14–17 Uhr (MESZ)
In deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung
Livestream über YouTube: https://bit.ly/WeNeedToTalk_ArtFreedomSolidarityMehr

We need to talk!
Art – Freedom – Solidarity
Online-Gesprächsreihe
Sonntags, 8., 15. und 22. Mai 2022
Jeweils 14–17 Uhr (MESZ)
In deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung
Livestream über YouTube: https://bit.ly/WeNeedToTalk_ArtFreedomSolidarity


Unter dem Titel We need to talk! Art – Freedom – Solidarity plant die documenta mit dem documenta archiv eine Gesprächsreihe, bei der im Vorfeld der documenta fifteen (18. Juni bis 25. September 2022) in drei Gesprächsforen die Rolle von Kunst und Kunstfreiheit angesichts von wachsendem Antisemitismus, Rassismus und zunehmender Islamophobie diskutiert werden soll.


Ziel ist es, den Auseinandersetzungen zu diesem komplexen Thema in Kunst und Kultur aus nationaler und internationaler Perspektive Raum zu geben. Dabei soll es um die besondere historische Verantwortung Deutschlands gehen, der Blick aber auch auf Formen der Ausblendung – blank spots – im Kontext der deutschen Antisemitismus- und Rassismus-Debatte gelenkt werden.


Die Veranstaltungsreihe versammelt Gesprächspartner*innen und Beitragende aus Kunst, Politik, Forschung und Wissenschaft.


Teilnehmende sind Schirin Amir-Moazami, Omri Boehm, Marina Chernivsky, Manuela Consonni, Nikita Dhawan, Diedrich Diederichsen, Sultan Doughan, Sarah El Bulbeisi, Anselm Franke, Raphael Gross, Teresa Koloma Beck, Meron Mendel, Ben Miller, Nicolas Siepen, Cihan Sinanoğlu, Hito Steyerl, Natan Sznaider, Hannah Tzuberi, Mezna Qato und Eyal Weizman.


Geplant ist die Reihe als digitale Veranstaltung in deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung. Sie findet jeweils sonntags am 8., 15. und 22. Mai 2022 von 14 bis 17 Uhr statt.


We need to talk!
Blank spots 1: Antisemitismus und Rassismus in Deutschland heute
Sonntag, 8. Mai 2022, 14–17 Uhr (MESZ)


Das Gespräch geht der Frage nach, inwiefern deutsches und internationales Antisemitismus- und Rassismus-Verständnis divergieren. In Deutschland hat sich im Bewusstsein seiner historischen Verantwortung eine besonders sensibilisierte diskursive Kultur entwickelt. In dieser wird die Kritik am Handeln des israelischen Staates anders wahrgenommen als beispielsweise in den Staaten des Globalen Südens. Auf welche Weise können internationale Kultureinrichtungen in Deutschland diese beiden Perspektiven zusammenbringen und mit Künstler*innen und Zivilgesellschaft einen produktiven Gesprächsprozess gestalten?


Zur Einführung: Eröffnungsrede „100 Tage – 100 Gäste“, Edward Said im Gespräch mit Catherine David (documenta 10, 1997)
Sprecher*innen: Diedrich Diederichsen und Hito Steyerl
Panel: Marina Chernivsky, Raphael Gross, Teresa Koloma Beck und Ben Miller
Host: Anselm Franke
Sprache: In deutscher Sprache mit Simultanübersetzung ins Englische und in Deutsche Gebärdensprache


We need to talk!
Blank spots 2: Zur Rolle von Antisemitismus und Anti-Antisemitismus im postkolonialen Diskurs
Sonntag, 15. Mai 2022, 14–17 Uhr (MESZ)


In diesem Gespräch werden Potenziale und Leerstellen von postkolonialen Ansätzen thematisiert. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob und in welcher Form die postkoloniale Perspektive die Spezifik der Shoah und des Antisemitismus ausblendet oder gar verkennt.


Sprecher: Meron Mendel und Eyal Weizman
Panel: Omri Boehm, Manuela Consonni, Nikita Dhawan und Natan Sznaider
Host: Hannah Tzuberi
Sprache: In englischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche und International Sign


We need to talk!
Blank spots 3: Was ist anti-muslimischer und anti-palästinensischer Rassismus?
Sonntag, 22. Mai 2022, 14–17 Uhr (MESZ)


In der Debatte im Vorfeld der documenta fifteen wurden auch pauschale Vorurteile gegenüber muslimischen bzw. palästinensischen Künstler*innen geäußert. Dieses Gespräch beleuchtet das Phänomen des anti-muslimischen und anti-palästinensischen Rassismus. Es wird gefragt, wie sich diese Diskriminierungsformen durch Strukturen, Bilder und Narrative manifestieren, wie sie thematisiert werden und wie ein Entgegenwirken möglich ist.


Sprecherinnen: Sultan Doughan und Mezna Qato
Panel: Sarah El Bulbeisi, Nicolas Siepen und Cihan Sinanoğlu
Host: Schirin Amir-Moazami
Sprache: In englischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche und International Sign


Informationen zu Teilnehmenden und Pressemitteilung zum Download

16. Februar 2022

Forms of Kinship – Liquid Dependencies

Organisiert vom documenta Institut in Zusammenarbeit mit Temporary Gallery. Centre for Contemporary ArtMehr

Organisiert vom documenta Institut in Zusammenarbeit mit Temporary Gallery. Centre for Contemporary Art


Samstag, 19. Februar 2022 um 18 Uhr


Live in der TRACES Forschungsstation, Lutherkirche, Kassel
und auf Zoom: https://zoom.us/j/98410599799?pwd=Vm01VTl3M2NTMmZzU3czTUhKYkEzQT09


Englische Fassung


Pressemitteilung zum Download

12. Januar 2022

Veranstaltung des Seminars „Aktuelle Forschung zu Kunst, Gesellschaft, Ökonomie und Wissen“ und des documenta Instituts

Am Donnerstag, 13. Januar 2022, von 12.15 bis 13.45 Uhr, spricht Prof. Dr. Pedro Erber (Waseda University Tokio) – via zoom – zu „Descent to the Everyday: The Politics of Abstraction and the Emergence of Contemporary Art in Postwar Japan“.Mehr

Am Donnerstag, 13. Januar 2022, von 12.15 bis 13.45 Uhr, spricht Prof. Dr. Pedro Erber (Waseda University Tokio) – via zoom – zu „Descent to the Everyday: The Politics of Abstraction and the Emergence of Contemporary Art in Postwar Japan“.


Pedro Erber ist Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der School of International Liberal Arts und der Graduate School of International Communication Studies der Waseda University in Tokio. Bevor er 2019 nach Tokio wechselte, war Erber Associate Professor of Romance Studies und Direktor des Ostasienprogramms an der Cornell University. Erbers Forschung und Lehre umfasst die Bereiche Translationswissenschaft, Literaturwissenschaft, Kritische Theorie, Politisches und Ökonomisches Denken, Brasilianistik und Japanologie sowie zeitgenössische Kunst. Er ist Autor von Breaching the Frame: The Rise of Contemporary Art in Brazil and Japan (UC Press, 2014), Politics and Truth: Martin Heidegger's Political Philosophy (auf Portugiesisch; Loyola/PUC-Rio, 2004) und zahlreicher Artikel, Katalogaufsätze, Sammelbände und Übersetzungen. 2016 kuratierte Pedro Erber die Ausstellung The Emergence of The Contemporary: Avant-Garde Art in Japan 1950–1970 im Paço Imperial in Rio de Janeiro.


Die Veranstaltung ist Teil des Seminars „Aktuelle Forschung zu Kunst, Gesellschaft, Ökonomie und Wissen“ (Prof. Dr. Liliana Gómez, Prof. Dr. Felix Vogel, Prof. Dr. Mi You) und des documenta Instituts.


Einwahldaten
Dem Zoom-Meeting beitreten:
https://conf-uni-kassel.zoom.us/j/99222107651?pwd=WEp3NC9HdXMrdHgwVHA0Ymgyem4xdz09


Meeting-ID: 992 2210 7651
Kenncode: 362630


Kontakt
office@documenta-institut.de

9. Dezember 2021

Verlängerung des Vertrags von Moritz Wesseler als Direktor des Fridericianum

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH freut sich bekanntgeben zu können, dass der Vertrag von Moritz Wesseler als Direktor für das Fridericianum von ihrem Aufsichtsrat bis 2027 verlängert wurde.Mehr

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH freut sich bekanntgeben zu können, dass der Vertrag von Moritz Wesseler als Direktor für das Fridericianum von ihrem Aufsichtsrat bis 2027 verlängert wurde.


Seit 2019 präsentiert Wesseler in Kassel vielbeachtete Einzelausstellungen von Künstler*innen, denen in Deutschland im institutionellen Kontext bislang noch keine breite Plattform geboten wurde – wie Ron Nagle, Rachel Rose oder Tarek Atoui. Mit diesem spezifischen Fokus festigt und verfeinert er den Status der nordhessischen Metropole als Ort der künstlerisch-kreativen Innovation und des Experiments.


Ein weiterer Schwerpunkt seiner Aktivitäten liegt auf der Erarbeitung und Umsetzung von retrospektiv angelegten Ausstellungen zu historischen Positionen. So wurde mit der bis dato umfassendsten Schau zum Schaffen des „visionären Malers“ Forrest Bess eine Position präsentiert, die für zahlreiche Kunstschaffende wie auch für die drängenden gesellschaftspolitischen Diskurse der Gegenwart von großer Relevanz ist.


Begleitet werden die verschiedenen Ausstellungsprojekte von facettenreichen, auf verschiedene Alters- und Interessensgruppen abgestimmten Vermittlungs- und Veranstaltungsprogrammen. Diese finden sowohl in Form von Führungen, Vorträgen oder Workshops im Fridericianum statt, als auch über Podcasts und Interview- oder Dokumentationsfilme im digitalen Raum. Die Aktivitäten der Institution werden so auf internationaler Ebene noch deutlicher sichtbar gemacht und nachhaltig im Bewusstsein verankert. Ein eindrückliches Beispiel hierfür bot die Illumination des Fridericianum am US-Wahltag 2020 durch die Filmemacherin und Malerin Trisha Baga, die weit über Deutschland hinaus Aufmerksamkeit erfuhr.


Aktuell präsentiert die Kunsthalle Einzelausstellungen der Künstlerinnen Toba Khedoori und Martine Syms. Für die Zeit nach der documenta fifteen plant Wesseler neben vielfältigen und internationalen Ausstellungen, das Haus wie auch den angrenzenden Friedrichsplatz noch umfassender durch ortspezifische Interventionen wie die sogenannte „grüne Greta“ von Alexandra Bircken zu aktivieren.


Pressemitteilung und Bildmaterial zum Download

2. Juli 2021

Gremien der documenta beschließen: documenta fifteen findet planmäßig 2022 statt

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben während ihrer heutigen Sitzungen entschieden, dass die documenta fifteen wie geplant vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel stattfinden soll. Die Gremien berieten umfassend über die Machbarkeit der Ausstellung angesichts der Entwicklungen der COVID-19-Pandemie sowie über infrastrukturelle Voraussetzungen und Einflussgrößen auf die Verwirklichung des kuratorischen Konzepts.Mehr

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben während ihrer heutigen Sitzungen entschieden, dass die documenta fifteen wie geplant vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel stattfinden soll. Die Gremien berieten umfassend über die Machbarkeit der Ausstellung angesichts der Entwicklungen der COVID-19-Pandemie sowie über infrastrukturelle Voraussetzungen und Einflussgrößen auf die Verwirklichung des kuratorischen Konzepts.


Seit dem Frühjahr 2020 begleitet die Pandemie die Planungen der documenta fifteen und hat bereits zahlreiche Anpassungen erfordert. So haben beispielsweise die weltweiten Atelierbesuche sowie Arbeitstreffen mit der Künstlerischen Leitung ruangrupa und internationalen Künstler*innen und Gruppierungen fast eineinhalb Jahre lang ausschließlich im digitalen Raum stattgefunden. Der für das Konzept von ruangrupa wichtige gegenseitige Austausch und die ortsspezifische Weiterentwicklung von Projekten wurden dadurch erschwert. Dennoch schreiten die Planungen voran, sowohl was die Auswahl einzelner Ausstellungsorte als auch die Vorbereitungen künstlerischer Positionen anbelangt. Sicherheits- und Hygienekonzepte werden dabei laufend mitbedacht – von der Wahl ausreichend großer Indoor- und Outdoor-Standorte bis zu digitalen Lösungen bei der Besucher*innenführung und zur Unterstützung des Besuchserlebnisses. Das kuratorische Konzept von ruangrupa, das auf einem umfassenden Nachhaltigkeitsverständnis basiert, kommt diesen Entwicklungen entgegen, so dass in vielfacher Hinsicht aus der Krise auch Neues entstehen kann.


Der Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Christian Geselle, sagte über den Beschluss: „Nach sorgfältiger Abwägung der Chancen und Risiken ist der Aufsichtsrat zu der Überzeugung gelangt, dass die Durchführung der documenta fifteen im Jahr 2022 auch unter möglicherweise fortdauernden Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wichtig ist, insbesondere in diesen nach wie vor unsicheren Zeiten. Gerade das kuratorische Konzept von ruangrupa bietet dabei Möglichkeiten, auf das jeweils aktuelle Geschehen zu reagieren und Gewohntes zu hinterfragen. Besucherinnen und Besucher aus Kassel und der Welt möchte ich wissen lassen, dass wir uns auf ihren Besuch freuen. Auf etwaige Entwicklungen in der Corona-Pandemie werden wir mit einem umfassenden Maßnahmenkatalog für einen sicheren Aufenthalt in Kassel reagieren. Die Gesellschafter, Stadt Kassel und Land Hessen, sind bereit, mögliche Mehrkosten oder Mindereinnahmen aufgrund von Corona-Auswirkungen auszugleichen. Wichtiger als neue Besuchsrekorde anzustreben, ist es, ein von der Kultur ausgehendes Zeichen der Hoffnung zu setzen.“


„Aufsichtsrat und Gesellschafter haben sich für den gemeinsamen Weg entschieden, dass die documenta fifteen im Jahr 2022 stattfinden wird und dass wir die damit verbundenen Herausforderungen gemeinsam angehen“, fügt Angela Dorn, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, hinzu. „Wir nehmen die Entwicklung der Pandemie sehr ernst und treffen Vorkehrungen, um die Weltkunstschau abzusichern. Unsicherheiten werden uns weiter begleiten. Hier sehe ich ein enormes Potenzial für die kommende documenta, einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit im umfassenden Sinn zu bewirken, in Ökonomie, Wissensproduktion und Kooperation – auch im Umgang mit der globalen Pandemie, denn wie jede documenta wird auch diese ein Abbild ihrer Zeit sein. ruangrupa hat das Konzept des lumbung zum Prinzip gemacht, die aus ländlichen Gebieten Indonesiens stammende Praxis, die Ernte in einer gemeinsamen Reisscheune zu lagern und für das Gemeinwohl zu nutzen. Ich bin zuversichtlich, dass wir alle, die vielen im documenta-Team beteiligten Menschen, Künstlerinnen und Künstler und auch die Besucherinnen und Besucher gemeinsam in diesem Sinne unsere Gesellschaft bereichern können.“


„Wir von ruangrupa haben immer den Glauben daran bewahrt, dass die documenta fifteen trotz aller Umstände 2022 stattfinden kann. Wir wollen einen Weg zeigen, eine zeitgenössische Kunstveranstaltung dieser Größenordnung so zu entwerfen, dass es der Zeit, in der wir leben, gerecht wird. Wie viele andere waren wir in den vergangenen eineinhalb Jahren gezwungen, hauptsächlich im digitalen Austausch zusammenzuarbeiten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Unsere Arbeitsweisen beruhen stark auf Beziehungen, die wir knüpfen, indem wir Zeit miteinander verbringen. Die derzeitigen Bedingungen wären früher also unvorstellbar für uns gewesen. Aber die Pandemie hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, lokal und miteinander verbunden zu denken. In einem ehrlichen und transparenten Umgang mit den globalen Bedingungen, unter denen die documenta fifteen vorbereitet wird, arbeiten wir mit diversen Modellen, Bestrebungen und Beispielen – und zeigen, dass die lumbung-Praxis aktueller ist denn je“, sagt Ade Darmawan, Mitglied von ruangrupa, der Künstlerischen Leitung.


„Die COVID-19-Pandemie, die seit ihrem Ausbruch (Infra-)Strukturen, Konventionen und Gewohnheiten zerbrechen ließ, ist Anlass für ein umfassendes Neudenken von Ausstellungen in einer Größenordnung wie jener der documenta. Wir können sehr viel erreichen, wenn wir mutig vorangehen und dieser documenta erlauben, sich in einer Situation anhaltender Unsicherheit zu verorten. Ich sehe hier die Chance für einen neuen Nachhaltigkeitsansatz im Kunst- und Kulturbereich und freue mich sehr, diesen mitgestalten zu können“, konstatiert Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.


Die Empfehlung des Aufsichtsrats, dass die fünfzehnte Ausgabe der documenta planmäßig 2022 stattfinden soll, wird auch von der Findungskommission der documenta fifteen (documenta Kommission) mitgetragen, die im Vorfeld zur heutigen Sitzung tagte. Die kuratorische Praxis von ruangrupa stelle eine adäquate Antwort auf die Dringlichkeiten unserer Zeit dar, sie sei im Leben verhaftet, prozessorientiert und habe daher die Kraft, sich Momenten der Ungewissheit anzunehmen, betonte die Findungskommission.


Die Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung soll noch durch eine Beschlussfassung des Magistrats der Stadt Kassel bestätigt werden.


Zum September 2021 startet der Ticketverkauf über Ticketmaster zur documenta fifteen. Weitere Ausstellungsorte sowie einzelne Schritte im Bereich der Nachhaltigkeit werden im Laufe der kommenden Monate kommuniziert.

Download der Pressemappe

1. Juli 2021

Martine Syms im Fridericianum

Martine Syms: Aphrodite’s Beasts
3. Juli 2021 – 9. Januar 2022
Eröffnung: Samstag, 3. Juli 2021, 11 – 19 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr

Martine Syms: Aphrodite’s Beasts
3. Juli 2021 – 9. Januar 2022
Eröffnung: Samstag, 3. Juli 2021, 11 – 19 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 1. Juli 2021, 11.30 Uhr
Es sprechen:
Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum


Martine Syms, die 1988 in Los Angeles geboren wurde, hat sich in den letzten Jahren zu einer der zentralen wie auch prägenden Positionen des jüngeren internationalen Kunst- und Kulturdiskurses entwickelt. In ihrer gattungsübergreifenden Praxis, die Film, Fotografie, Installation, Performance und Schriftstellerei umfasst, beschäftigt sich die Künstlerin mit vielfältigen, drängenden Fragestellungen, um neue Perspektiven für das gesellschaftliche Leben zu entwerfen. So befasst sich Syms im Zuge präziser Beobachtungen und fundierter Recherchen mit der Darstellung und Rezeption US-amerikanischer Identitäten und Kulturen, den Theorien und Realitäten des Feminismus, den Bedingungen der zwischenmenschlichen Kommunikation oder dem Einfluss digitaler Medien auf den Alltag. Ihre Arbeit, die sowohl von konzeptuellen als auch von poppigen Ansätzen geprägt ist, zeichnet sich durch einen ausgeprägten Humor aus, ohne jemals an Ernsthaftigkeit und Notwendigkeit einzubüßen.


In der speziell für Kassel entwickelten und Aphrodite’s Beasts betitelten Ausstellung wird die Praxis der Künstlerin erstmals in Deutschland umfassend vorgestellt. Dabei wird das Grundgerüst der Schau durch drei filmische Arbeiten gebildet, die bisweilen den Charakter von raumgreifenden Installationen aufweisen. Den Anfang markiert das 2020 entstandene Werk Ugly Plymouths. Auf drei großen, an Stangen montierten Flachbildschirmen wird anhand von lapidaren, bisweilen intimen Aufnahmen aus dem Alltag in Los Angeles eine Geschichte erzählt, die mit ihrem Titel eine Formulierung aus dem Gedicht „Hollywood“ des 1925 geborenen und 1986 verstorbenen Beat-Poeten Bob Kaufman aufgreift. Hot Dog, Doobie und Le Que Sabe sind die Protagonist*innen in Syms’ Stück, die mit ihren Stimmen einzeln oder im Dialog das filmische Material begleiten und von Verabredungen, Versprechen und Versuchungen zeugen. Die Wörter und Sätze verweisen auf Form und Inhalt der Text- und Sprachnachrichten des digitalen Zeitalters, sodass die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Kommunikation sowie der sozialen Interaktion offenbar werden. Nicht zuletzt durch die feine Abstimmung von Klang und Bewegtbild und deren Einbettung in einen von rotem Licht durchfluteten Raum weist Ugly Plymouths stark immersive Qualitäten auf.


Die 2017 realisierte Arbeit Lesson LXXV entfaltet demgegenüber eine ganz andere Wirkung. Der in einer Endlosschleife präsentierte tonlose Film zeigt die Künstlerin in einem Dreiviertelprofil vor einem schwarzen, neutralen Hintergrund. In der nur wenige Sekunden andauernden Sequenz ist zu sehen, wie Milch große Teile von Syms’ Gesicht, ihren Haaransatz, ihre dünnen Flechtzöpfe sowie ihren mit einem T-Shirt bekleideten Oberkörper bedeckt. Gelegentlich ist das Blinzeln ihrer zu Boden gerichteten Augen auszumachen, während an ihrem Kinn kleinere und größere Tropfen der Gravitation folgen oder sich dieser scheinbar widersetzen. Trotz der kaum merklichen Handlung verbindet sich mit dem Bild eine nicht unerhebliche stille Kraft, die die Anmutung von Heiligenbildern ins Gedächtnis ruft. Den Ausgangspunkt von Lesson LXXV bildet jedoch ein eher weltliches Thema. So nimmt die Künstlerin in der Arbeit auf jene Demonstrationen gegen rassistische Gewalt Bezug, die in den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch in anderen Teilen der Welt bis heute immer wieder stattfanden. Denn im Rahmen von Protesten gossen sich Beteiligte häufig Milch ins Gesicht, um ihre durch den Einsatz von Tränengas bedingten Schmerzen zu lindern. In dem Werk klingt somit ein hochpolitischer Impetus an, der aufgrund der spezifischen Ausformulierung das Potenzial hat, zu einem zeitlosen Appell an die Menschlichkeit zu avancieren. Gleichzeitig kontextualisiert Syms ihre Arbeit innerhalb der Kunstgeschichte, indem sie den Film auf einem Flachbildschirm präsentiert, der auf der Oberseite eines auf dem Boden platzierten, auf die Minimal Art verweisenden Quaders montiert ist. Dieser ist allerdings – wie die angrenzenden Fenster – in einem Violett gehalten, was nicht nur dem Kanon der prominenten Kunstbewegung der 1960er Jahre entgegenläuft, sondern ebenso auf die Frauenbewegung, auf Alice Walkers 1982 erschienenen Roman Die Farbe Lila sowie auf die vielfältigen Bedeutungen des Tons in der LGBTQIA-Community verweist.


Ganz ähnlich wie Syms in Lesson LXXV ins Zentrum des Werkes gerückt ist und als Mittlerin einer Botschaft agiert, nimmt sie auch in dem 2021 fertiggestellten Film DED die Rolle der Protagonistin ein. So tritt sie in der rund 16-minütigen als Leinwandprojektion präsentierten Arbeit in Form eines Avatars in Erscheinung, der auf Basis eines 3-D-Scans ihres Körpers erschaffen wurde: Vor dem Hintergrund eines unergründlich weiten, lediglich durch eine Horizontlinie strukturierten Raumes erlebt man, wie Syms einem stetigen Wechsel von Leben und Tod, von Auferstehung und Untergang ausgesetzt ist. Mal stirbt sie infolge einer schwallartigen Entleerung des Magen- oder Speiseröhreninhaltes, mal durch den Einsatz einer Schusswaffe oder eines Messers, mal durch einen Sturz aus großer Höhe oder eine innere Explosion. Immer wieder findet die animierte Figur zum Leben zurück, kommt zu Kräften, steht auf und geht weiter. Begleitet werden die teilweise drastischen Sequenzen von einer mitreißenden popmusikalischen Komposition, bei der Syms’ Gesang metaphernreich die verschiedenen Facetten des Lebens im 21. Jahrhunderts und – damit einhergehend – die elementaren Bedingungen und Fragestellungen der Menschheit umschreibt. Es ertönen die Zeilen MY BEATING HEART genauso wie I´VE BEEN WAITING FOR YOU HERE oder I WANT TO GIVE AND RECEIVE.


Irgendwo zwischen Leben und Tod, Hoffnung und Verzweiflung oder Macht und Ohnmacht evoziert DED ein groteskes, bisweilen surreales Bild, das sicherlich auch die globalen Krisen und Katastrophen der Gegenwart reflektiert. Mit seinen Feststellungen, Fragen, Forderungen und Fantasien markiert das Werk den Schlusspunkt der Ausstellung und bietet einen Anstoß für eine immerwährende Suche. FIND A WAY – liest man dementsprechend sowohl auf einem friesartigen, leuchtenden Banner an der Fassade des Fridericianum als auch auf den Gurtgeflechten der Stühle, die die filmischen Arbeiten von Syms neben einer Gruppe von sechs Fotografien flankieren. Letztere sind durch den ähnlich bewussten, empathischen, manchmal flüchtigen Blick geprägt, der auch das filmische Material des Werkes Ugly Plymouths bestimmt, das den Auftakt der Präsentation bildet.

9. Juni 2021

Opfer oder Täter? Thesen zur nationalsozialistischen Vergangenheit der Kuratoren der ersten documenta

Die digitale Tagung am 11. Juni 2021 widmet sich der Geschichte der ersten documenta (1955) und der Verbindung ihrer Kuratoren zum Nationalsozialismus. Die Tagung entsteht in Zusammenarbeit der Kunsthochschule Kassel/Universität Kassel mit dem documenta archiv und kann im Livestream über Youtube verfolgt werden. Mehr

Die digitale Tagung am 11. Juni 2021 widmet sich der Geschichte der ersten documenta (1955) und der Verbindung ihrer Kuratoren zum Nationalsozialismus. Die Tagung entsteht in Zusammenarbeit der Kunsthochschule Kassel/Universität Kassel mit dem documenta archiv und kann im Livestream über Youtube verfolgt werden.


Digitale Tagung
Freitag, 11. Juni 2021, 10–17 Uhr
Livestream über YouTube
Moderation: Dr. Birgitta Coers und Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken


Die Kunsthochschule Kassel (Studiengang Kunstwissenschaft) und das documenta archiv veranstalten am 11. Juni 2021 eine öffentliche digitale Tagung zur Verbindung der ersten documenta mit dem Nationalsozialismus. Im Zentrum stehen die damaligen Co-Kuratoren der Ausstellung Werner Haftmann und Kurt Martin, die nachweislich die NSDAP-Mitgliedschaft (Haftmann) innehatten oder während der NS-Diktatur als Kustos (Martin) angestellt waren. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, mit welcher Motivation Werke aus der Ausstellung „Entartete Kunst“ auf der ersten documenta gezeigt wurden.


Auf drei Panels diskutieren über die damit verbundenen Fragestellungen:
Ingo Arend, Wolfgang Benz, Tabea Brinkmann, Heinz Bude, Nanne Buurman, Nikola Doll, Christian Fuhrmeister, Dorothee Gerkens, Eckhard Gillen, Walter Grasskamp, Stefan Greif, Ayşe Güleç, Katja Häckel, Pia Jansen, Alexis Joachimides, Justus Lange, Stefan Koldehoff, Gerhard Panzer, Alexia Pooth, Volker Rattemeyer, Tessa Rosebrock, Thomas Rudert, Anna Rühl, Sabine Schormann, Sylvia Stöbe, Julia Voss, Lena Voss und Alexandra Winterhoff.


Programm


10–11.30 Uhr
NSDAP-Mitgliedschaft und Kuration/Kustodie während der NS-Herrschaft
Moderation: Dr. Birgitta Coers, Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken, Dr. Harald Kimpel
Teilnehmer*innen: Ingo Arend, Wolfgang Benz, Heinz Bude, Christian Fuhrmeister, Ayşe Güleç, Katja Häckel, Alexia Pooth, Tessa Rosebrock, Thomas Rudert und Sylvia Stöbe


11.30–12.30 Uhr
Pause


12.30–14 Uhr
Wie lässt sich das Verhältnis der betroffenen historischen Personen zur modernen Kunst und Ausstellungen zur modernen Kunst definieren? Welche Rolle spielte die Kunstkritik?
Moderation: Dr. Birgitta Coers, Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken, Dr. Harald Kimpel
Teilnehmer*innen: Dorothee Gerkens, Eckhard Gillen, Stefan Greif, Pia Jansen, Alexis Joachimides, Gerhard Panzer und Julia Voss


14–15 Uhr
Pause


15–16.30 Uhr
Kontinuitäten. Netzwerk im NS: Kunsthandel, Sammler, Kulturpolitik. Werke der modernen Kunst als Bestandteil des Konvoluts „Entartete Kunst“ und als Exponate der ersten documenta
Moderation: Dr. Birgitta Coers, Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken, Dr. Harald Kimpel
Teilnehmer*innen: Tabea Brinkmann, Nanne Buurman, Nikola Doll, Walter Grasskamp, Stefan Koldehoff, Justus Lange, Tessa Rosebrock, Anna Rühl, Lena Voss und Alexandra Winterhoff


16.30–17 Uhr
Abschlusspanel: Fragen! Antworten? Fragen!… Welche Schlussfolgerungen lassen sich ausgehend von den Diskussionen und dem bisherigen Kenntnisstand ziehen?
Moderation: Dr. Birgitta Coers, Prof. Dr. Kai-Uwe Hemken, Dr. Harald Kimpel
Teilnehmer*innen: Heinz Bude, Nikola Doll, Eckhard Gillen, Katja Häckel, Pia Jansen, Alexis Joachimides, Stefan Koldehoff, Volker Rattemeyer, Sabine Schormann und Julia Voss


Eine Zusammenarbeit der Kunsthochschule Kassel/Universität Kassel und des documenta archivs, Kassel.


Die Tagung wird von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.


Pressemitteilung zum Download


Weitere Informationen:
www.documenta-archiv.de
www.kunsthochschulekassel.de

28. Mai 2021

Vincent Fecteau im Fridericianum

Wiederöffnung des Fridericianum und Beginn der Ausstellung Vincent Fecteau
Eröffnung: Donnerstag, 3. Juni 2021, 11 – 20 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr

Wiederöffnung des Fridericianum und Beginn der Ausstellung Vincent Fecteau
Eröffnung: Donnerstag, 3. Juni 2021, 11 – 20 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Pressegespräch:
Wir freuen uns sehr, dass das Fridericianum am Donnerstag, den 3. Juni 2021 mit der neuen Ausstellung Vincent Fecteau wieder für den Publikumsverkehr öffnen kann. In diesem Zusammenhang laden wir Sie zu einem individuellen Presserundgang durch die retrospektiv angelegte Schau des international gefeierten Künstlers ein. Als Gesprächspartner steht Moritz Wesseler, Direktor des Fridericianum, zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Fecteau im Rahmen eines digitalen Dialoges Fragen zu stellen. Für beide Formate erfolgt die Terminvergabe auf Anfrage unter press@fridericianum.org.


Aus einfachen, teilweise alltäglichen Materialien wie Zeitungsschnipseln, Pappmaschee, Schaumstoff, Korken, Eisstielen oder Muscheln fertigt Vincent Fecteau seit den frühen 1990er Jahren Skulpturen und Collagen, die sich durch mannigfaltige Erscheinungsformen auszeichnen. Manche seiner Arbeiten sind kleinteilig, geradlinig, monochrom oder abstrakt, andere wiederum ausladend, verschlungen, farbenfroh oder erzählerisch. Sie sind das Resultat eines längeren, intensiven Schaffensprozesses, an dessen Anfang die Auswahl und Zusammenführung von Materialien stehen. Ihnen folgt die kontinuierliche und behutsame Bearbeitung der Werkstoffe, bis sich der facettenreiche Charakter des jeweiligen Objektes artikuliert. Häufig sind hier die Beschaffenheit der gewählten Medien und die manuelle Herstellung sichtbar. Im Zuge der Fertigung unterwirft sich Fecteau keinem konzeptuellen Rahmen. Sein Handeln wird von intuitiven Reaktionen auf die verschiedenen Arbeitsmittel geleitet. Die Ergebnisse dieser Vorgehensweise sind oftmals nur schwer mit Worten zu beschreiben. Was auf den ersten Blick klar fassbar erscheint, widersetzt sich bei näherer Betrachtung einer Zuordnung. Dieser Umstand hat Anteil an der Rätselhaftigkeit der Formulierungen und verleitet dazu, sich auf die vielfältigen Assoziationen einzulassen, die die Skulpturen und Collagen des Künstlers mit sich bringen. Die Objekte rufen Bilder von modellartigen Architekturen, Bühnen und Schaukästen, aber auch von Körpern, Gliedmaßen und Organen ins Bewusstsein. Jedoch sind diese gedanklichen Verknüpfungen und Vorstellungen sehr schemenhaft und lösen sich zumeist nach kurzer Zeit in Abstraktionen auf. Trotz der Uneindeutigkeiten lassen die Arbeiten immer wieder Bezugnahmen auf die Formensprachen und Ansätze historischer Strömungen erkennen. So sind Verweise auf die Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts genauso auszumachen wie auf die Nachkriegskunst oder die Postmoderne. Zu keinem Zeitpunkt drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass Fecteau in Erinnerungen schwelgt. Ganz im Gegenteil. Die Werke lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie Teil ihrer Zeit sind. Dies kann sowohl an ihren formalen Eigenschaften als auch an der sich in ihnen oftmals manifestierenden Auseinandersetzung mit queeren Identitäts-, Lebens- und Kulturformen nachvollzogen werden. Dabei ist Fecteaus Beschäftigung mit Werten, Vorstellungen und Sichtweisen, die jenseits heteronormativer Weltanschauungen zu verorten sind, von den persönlichen Erfahrungen der AIDS-Krise der 1980er und 1990er Jahre sowie dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel geprägt. Die Bedeutung seiner Werke für den gegenwärtigen Kunstdiskurs resultiert somit nicht allein aus ihrer kompositorischen Raffinesse, der feinen Poesie und dem ausgeprägten Eigensinn, sondern ebenso aus ihrem gesellschaftspolitischen Anspruch und ihrer empathischen Grundhaltung.


Vincent Fecteau wurde 1969 in Islip, New York, geboren und lebt heute in San Francisco. Von 1987 bis 1992 studierte er an Wesleyan University in Middletown, Connecticut. Bereits 1993 beteiligte er sich an Gruppenausstellungen, an die sich 1994 seine erste Einzelpräsentation in der Kiki Gallery in San Francisco anschloss. Die Schau The Scene of a Crime im Hammer Museum in Los Angeles markierte 1997 den Auftakt für die Rezeption seines Schaffens in einem musealen Kontext. Für erste internationale Aufmerksamkeit sorgte im Folgenden seine Teilnahme an der Whitney Biennial 2002, auf die fokussierte Präsentationen im Van Abbemuseum in Eindhoven 2004, im Art Institute of Chicago 2008, im Inverleith House in Edinburgh 2010, in der Kunsthalle Basel 2015, in der Wiener Secession 2016 sowie im CAA Wattis Institute for Contemporary Arts in San Francisco 2019 folgten. In Deutschland stand eine institutionelle Würdigung von Fecteaus künstlerischem Schaffen bislang aus. Die Ausstellung im Fridericianum soll genau dies nachholen. Anhand von mehr als sechzig ausgewählten, zwischen 1993 und 2020 entstandenen Arbeiten wird die Schau einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk von Fecteau vermitteln.


Die Pressevorbesichtigung findet unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen statt.

27. April 2021

documenta archiv eröffnet am 29. April 2021 die virtuelle Platform6 zu Ehren von Okwui Enwezor. Das dynamisch wachsende Online-Projekt soll ein Ort der lebendigen Debatte über die Documenta11 und die Aktualität ihrer Diskurse sein.

Ab dem 29. April ist unter www.documenta-platform6.de die virtuelle Platform6 der Documenta11 freigeschaltet. Als offenes, wachsendes Projekt geht die Web-Plattform der 2002 von Okwui Enwezor kuratierten Ausstellung und der aktuellen Relevanz damaliger Fragestellungen nach. Im Fokus stehen Wahrheitsdiskurse, Globalisierungsfragen, Formen von Kollektivität und Solidarität. Platform6 versteht sich als Hommage an den am 15. März 2019 in München verstorbenen Okwui Enwezor, seine theoretischen Ansätze und sein kuratorisches Vermächtnis. Mehr

Ab dem 29. April ist unter www.documenta-platform6.de die virtuelle Platform6 der Documenta11 freigeschaltet. Als offenes, wachsendes Projekt geht die Web-Plattform der 2002 von Okwui Enwezor kuratierten Ausstellung und der aktuellen Relevanz damaliger Fragestellungen nach. Im Fokus stehen Wahrheitsdiskurse, Globalisierungsfragen, Formen von Kollektivität und Solidarität. Platform6 versteht sich als Hommage an den am 15. März 2019 in München verstorbenen Okwui Enwezor, seine theoretischen Ansätze und sein kuratorisches Vermächtnis.


Die Plattform versammelt historische Materialien aus dem documenta archiv: Katalogbeiträge, Texte, Videos und Fotos. Hinzu kommen neue Beiträge von Kurator*innen, Künstler*innen und Wegbegleiter*innen Enwezors, etwa Thomas Hirschhorn, Alfredo Jaar, Isaac Julien, Geeta Kapur, Wilfried Kuehn, Sarat Maharaj, Mark Nash, Monica Narula, Annie Paul, Yinka Shonibare, Terry Smith, Stephanie von Spreter und Vivan Sundaram. Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen und ehemalige Kolleg*innen Okwui Enwezors sowie die breite Öffentlichkeit sind dazu eingeladen, Materialien zur Veröffentlichung auf der Website einzureichen. Mit dem freien Zugang zu den Plattformtexten aus den Jahren 2001/02 stellt sich das documenta archiv darüber hinaus erstmals den Anforderungen einer zeitgemäßen Open Access Policy.


Die virtuelle Platform6 greift die Idee der anlässlich der Documenta11 von Okwui Enwezor und seinem kuratorischen Team initiierten internationalen Diskussions-plattformen auf. Vier hatten sie im Vorfeld der Ausstellung an verschiedenen Orten zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Themen organisiert: Demokratie als unvollendeter Prozess in Wien im März/April 2001; Experiment mit der Wahrheit: Rechtssysteme im Wandel und die Prozesse der Wahrheitsfindung und Versöhnung in Neu-Delhi im Mai 2001; Creolité und Kreolisierung in St. Lucia im Januar 2002; Unter Belagerung: Vier afrikanische Städte. Freetown, Johannesburg, Kinshasa, Lagos in Lagos im Mai 2002. Die Documenta11 in Kassel von Juni bis September 2002 fungierte schließlich als fünfte Plattform. Sie öffnete sich in besonderer Weise für globale Themen und gilt als erste derartige Ausstellung, die dezidiert außereuropäische und postkoloniale Perspektiven in den Blick nahm. Okwui Enwezor kann als Initiator und Botschafter dieser Internationalisierung angesehen werden.


Bereits 2011 nahmen Enwezors Ko-Kurator*innen Ute Meta Bauer und Mark Nash sowie Projektmanagerin Angelika Nollert eine mögliche 6. Plattform als einen Ort der Selbstreflexion, Analyse und Rückblick auf die Ausstellung in den Blick. Okwui Enwezor selbst kam vor seinem frühen Tod mit diesem Gedanken nach Kassel zurück. „Wir haben – zusammen mit ruangrupa, der Künstlerischen Leitung der für 2022 geplanten documenta fifteen, – seine Idee begeistert aufgenommen. Mit der Platform6 möchten wir nicht nur sein Wirken posthum ehren, sondern ein lebendiges Forum des Austauschs zu seinen Ansätzen schaffen. Gerade im Hinblick auf die documenta fifteen ergeben sich interessante Anknüpfungspunkte, aber auch Unterschiede in Bezug auf Themen wie Globalität, Kollektivität und Partizipation“, so Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.


„Das Motto der 6. Plattform sollte ein ‚reculer pour mieux sauter‘ sein, zurückblicken, um nach vorne zu schauen. Wir nutzen das Ereignis dazu, die für unsere Praxis dringendsten Fragen neu zu formulieren, so wie die Documenta11 es uns ermöglicht hatte, unser politisches, kulturelles und ästhetisches Engagement neu zu überdenken“, so Mark Nash, Ko-Kurator Enwezors bei der Documenta11 und Mit-Initiator der Platform6.


„Die Grundlage der virtuellen Plattform bilden die Bestände des documenta archivs zur Documenta11 mit ihren fünf Plattformen. Diese aufzubereiten, im Web zugänglich zu machen und um Beiträge in unterschiedlichsten Formaten zu ergänzen, war eine wunderbare Aufgabe für alle Beteiligten. Ab 29. April 2021 sind Interessierte aus aller Welt eingeladen, den laufenden Diskussionsprozess und die Ergebnisse virtuell zu verfolgen und daran teilzuhaben“, sagt Martin Groh, wissenschaftlicher Mitarbeiter des documenta archivs, Projektkoordinator der Platform6.


Dr. Birgitta Coers, Direktorin des documenta archivs: „Das Projekt hat internationale Akteur*innen zusammengeführt und darf als gelungenes Beispiel für die fruchtbare, intellektuell bereichernde Zusammenarbeit zwischen ehemaligen Kurator*innen, dem Artistic Team der documenta fifteen und dem documenta archiv gelten. Der diskursiven Offenheit von Enwezors Konzept antwortet das Archiv mit einer neuen Politik des Open Access, da neben den aktuellen Beiträgen auch die damaligen Plattformtexte frei zugänglich sind.


Okwui Enwezor (* 3. Oktober 1963 in Calabar, Nigeria; † 15. März 2019 in München) war Künstlerischer Leiter der Documenta11, Kurator, Autor, Kunstkritiker und Dozent. Ausgewählte kuratorische Tätigkeiten sind: 2. Johannesburg Biennale (1997); Documenta11, Kassel (2002); 2. Biennale Sevilla (2006); 7. Gwangju Biennale (2008); 56. Biennale von Venedig (2015); Leiter Haus der Kunst, München (2011–2018)



www.documenta-platform6.de


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Über das documenta archiv
Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode gegründet und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst. Einer der Schwerpunkte liegt auf den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen, den kuratorischen Praktiken und den dokumentarischen Strategien von Gegenwartskunst. Neben den documenta Unterlagen sind umfangreiche Pressesammlungen, Bild- und audiovisuelle Medien, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes. Trägerin des documenta archivs ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen. Das documenta archiv ist Mitglied im Arbeitskreis selbstständiger Kultur-Institute e.V. (AsKI) und initiiert wissenschaftliche Projekte entlang eigener Bestände, dies in Kooperation mit universitären und außeruniversitären Forschungs- und Kultureinrichtungen. Innerhalb der gGmbH verfolgt das Archiv darüber hinaus – auch in Zusammenarbeit mit den kuratorischen und technischen Abteilungen der documenta gGmbH – eine künstlerisch-archivarische Ausstellungs- und Vermittlungsagenda.

18. März 2021

Gesprächsreihe lumbung calling bildet Auftakt des Begleitprogramms der documenta fifteen

Am Samstag, den 3. April 2021 startet mit der siebenteiligen Gesprächsreihe lumbung calling das Begleitprogramm der documenta fifteen, genannt Meydan. Jede Ausgabe der Reihe widmet sich einem der nachstehenden lumbung-Werte: Lokale Verankerung, Humor, Großzügigkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Genügsamkeit und Regeneration. Das Format blickt auf den Hintergrund des künstlerischen Ansatzes der documenta fifteen und beleuchtet das Thema lumbung aus verschiedenen Perspektiven. In Gesprächen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gäste geht lumbung calling den zahlreichen Bedeutungen von lumbung über verschiedenartige Disziplinen, Standpunkte und Kontexte hinweg in einem künstlerischen Rahmen nach. Eingeladen werden Akademiker*innen, Aktivist*innen, unabhängige Forscher*innen, Biobäuer*innen, Fischer*innen sowie Organisator*innen von Festivals – allesamt Akteur*innen, die sich großen Herausforderungen stellten und durch ihr Handeln bedeutsame Veränderungen anstießen.Mehr

Am Samstag, den 3. April 2021 startet mit der siebenteiligen Gesprächsreihe lumbung calling das Begleitprogramm der documenta fifteen, genannt Meydan. Jede Ausgabe der Reihe widmet sich einem der nachstehenden lumbung-Werte: Lokale Verankerung, Humor, Großzügigkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Genügsamkeit und Regeneration. Das Format blickt auf den Hintergrund des künstlerischen Ansatzes der documenta fifteen und beleuchtet das Thema lumbung aus verschiedenen Perspektiven. In Gesprächen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gäste geht lumbung calling den zahlreichen Bedeutungen von lumbung über verschiedenartige Disziplinen, Standpunkte und Kontexte hinweg in einem künstlerischen Rahmen nach. Eingeladen werden Akademiker*innen, Aktivist*innen, unabhängige Forscher*innen, Biobäuer*innen, Fischer*innen sowie Organisator*innen von Festivals – allesamt Akteur*innen, die sich großen Herausforderungen stellten und durch ihr Handeln bedeutsame Veränderungen anstießen.


lumbung calling findet jeden ersten Samstag im Monat statt – in sieben Ausgaben von April bis Oktober wird die Gesprächsreihe digital über die Website und sozialen Kanäle (YouTube und Facebook) der documenta fifteen präsentiert. Sofern die Umstände in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie es zulassen, wird daraus ein hybrides Format und schließlich eine physische Veranstaltung vor Ort in Kassel.


lumbung als Wertesystem und Kosmologie
In Indonesien ist lumbung mit seinen verschiedenen Formen und Stilen ein markantes Gebäude, ähnlich einer Scheune. Das offizielle Wörterbuch der indonesischen Sprache, Kamus Besar Bahasa Indonesia, definiert lumbung als „Aufbewahrungsort für landwirtschaftliche Erzeugnisse, meist Reis, in Form eines Pfahlbaus, mit Wänden aus geflochtenem Holz oder Bambus“. Diese Definition bestimmt die Auffassung von lumbung: Zunächst kann lumbung als ein Erntespeicher verstanden werden, vor allem in landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften. Eine derlei enge Begriffsbestimmung bindet die Bedeutung des Wortes jedoch an eine bestimmte Architektur. Als Praxis reicht lumbung dagegen über die physische Erscheinung des Gebäudes hinaus und ist auf Räume jenseits der Landwirtschaft anwendbar. In den kulturellen Diskursen Indonesiens meint lumbung geteilte gemeinschaftliche Ressourcen. So verstanden erscheint die Begrifflichkeit nicht nur als Gebäude oder Objekt, sondern als Wertesystem und als Kosmologie, die eine gelebte gesellschaftliche Praxis beschreibt. lumbung legt so Zeugnis ab von einem Gemeinschaftsleben, das den Geist der Zusammenarbeit in sich trägt – Merkmale dieser Praxis finden sich bereits in vormodernen Gesellschaften. Die Entwicklungen zu den heute vorherrschenden kapitalistischen Produktionsweisen zwingen zu einer ständigen Neudefinition von Werten. lumbung calling geht der Frage nach, wie diese Werte in eine künstlerische Praxis übersetzt werden können, die neue diskursive Räume öffnet.


Erste Ausgabe von lumbung calling: Lokale Verankerung
Die erste Ausgabe von lumbung calling findet am 3. April 2021 statt und widmet sich dem Wert der lokalen Verankerung. Der Begriff der Verankerung betont die Bedeutung des Bodens und der Erdung in unserer globalisierten und doch gespaltenen Welt – ein Boden, der es ermöglicht, Wurzeln zu schlagen, und der Bäume über viele Kilometer hinweg miteinander verbindet. Ähnlich wie Bäume, die gegenseitige Signale zurückwerfen, können auch Ernte- und Anbaumethoden miteinander resonieren, gegenseitig von überlieferten Weisheiten profitieren und so neuartige Ressourcen erschließen. Die Gäste Melani Budianta und Armin Salassa zeigen auf, wie politische, soziale und ökonomische Modelle aus verschiedenen Blickwinkeln herausgefordert werden können – durch die Perspektive eines Samens ebenso wie durch die zärtlichen Stimmen besorgter Mütter. Die erste Ausgabe von lumbung calling wird von Jumana Emil Abboud und Mirwan Andan moderiert. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt und wird in Gebärdensprache (International Sign) übersetzt.


Melani Budianta ist Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaft an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universitas Indonesia und Mitglied der Inter-Asia Cultural Studies Society. Seit den späten 1980er Jahren forscht und schreibt Budianta zu den Themen Gender und kultureller Aktivismus. Ihre Artikel wurden in verschiedenen Medien veröffentlicht, von akademischen Fachzeitschriften bis hin zu Zeitungen und Magazinen. Während der asiatischen Finanzkrise 1997–1998 war sie in der Frauenbewegung des Landes aktiv. 2020 hielt Melani Budianta auf Einladung des Jakarta Art Council den Vortrag Lumbung Budaya Sepanjang Gang or Cultural Granaries Along the Alleys.


Armin Salassa ist ein indonesischer Bauer und Aktivist aus Bulukumba, Südsulawesi. Gemeinsam mit den Bauern des Dorfes, in dem er geboren wurde, initiierte Salassa 2011 die natürliche Landwirtschaft – eine Anbaumethode, die einen ökologischen Ansatz verfolgt und in vielen Gebieten des Archipels bereits lange praktiziert wird. In der Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit Weisheiten des Lebens sowie Geschichten und Praktiken, die von Vorfahr*innen geerbt wurden, wird auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln, Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden verzichtet. Seit 1993 ist Salassa zudem Gemeinschaftsorganisator an verschiedenen Orten in Indonesien und setzt sich für die verweigerten Rechte der Indigenen Bevölkerung in Palu, Zentralsulawesi, ein. Seit 2007 hat Armin Salassa in zahlreichen indonesischen Dörfern Hilfe bei der Gemeindeorganisation geleistet, darunter in Aceh, Sumatra, nach der Tsunami-Katastrophe in 2004.


Jumana Emil Abbouds kreatives Interesse gilt der Oral History sowie persönlichen und kollektiven Geschichten und Mythologien, insbesondere Volkserzählungen und Orte ihrer An- und Abwesenheit. In ihrer künstlerischen Praxis nutzt sie Storytelling, performative Elemente und Workshop-Methodologien, um das Verhältnis von Zeit und Ort, dem Menschlichen und Nichtmenschlichen zu untersuchen. Durch ihre Beschäftigung mit Erinnerung, Bindung und Enteignung begegnet Abboud dem Ringen um Kontinuität in politischen, ökologischen und kulturellen Kämpfen. Ihre Arbeiten waren unter anderem bei The Jerusalem Show, im BALTIC Centre for Contemporary Art, England sowie auf der Sharjah Biennale, Vereinigte Arabische Emirate, der Istanbul Biennale, Türkei und der Venedig Biennale, Italien zu sehen. Sie war Resident bei Sakiya – Art/Science/Agriculture, Palästina, der Delfina Foundation, England, der Arts Initiative Tokyo, Japan und im Guestatelier Krone in der Schweiz. Derzeit promoviert Jumana Emil Abboud an der Slade School of Fine Art des University College London.


Mirwan Andan ist Mitglied von ruangrupa, der künstlerischen Leitung der documenta fifteen.


Programmübersicht
lumbung calling: Lokale Verankerung
Samstag, 3. April 2021, 14.30 Uhr (CET), 19.30 Uhr (WIB), 20.30 Uhr (WITA)
Mit Melani Budianta and Armin Salassa, moderiert von Jumana Emil Abboud and Mirwan Andan
In englischer Sprache, übersetzt in Gebärdensprache (International Sign)
Livestream über Facebook und YouTube sowie das Fenster des ruruHaus


Weitere Termine
lumbung calling: Humor, Samstag, 1. Mai 2021
lumbung calling: Großzügigkeit, Samstag, 5. Juni 2021
lumbung calling: Unabhängigkeit, Samstag, 3. Juli 2021
lumbung calling: Transparenz, Samstag, 7. August 2021
lumbung calling: Genügsamkeit, Samstag, 4. September 2021
lumbung calling: Regeneration, Samstag, 2. Oktober 2021


Download der Pressemappe

17. Februar 2021

documenta fifteen heißt fünf neue lumbung member willkommen

Im Rahmen der documenta fifteen hat das Artistic Team Kollektive, Organisationen und Institutionen aus aller Welt dazu eingeladen, gemeinsam lumbung zu praktizieren. Bisher wurden neun lumbung member vorgestellt. Nach intensivem Austausch zwischen ihnen und dem Artistic Team sowie zahlreichen Gesprächen mit den teilnehmenden Organisationen stoßen nun fünf neue lumbung member dazu: Der Britto Arts Trust (Dhaka, Bangladesch), FAFSWAG (Auckland, Aotearoa), Instituto de Artivismo Hannah Arendt (INSTAR; Havanna, Kuba), Project Art Works (Hastings, UK) und Wajukuu Art Project (Nairobi, Kenia). Mehr

Im Rahmen der documenta fifteen hat das Artistic Team Kollektive, Organisationen und Institutionen aus aller Welt dazu eingeladen, gemeinsam lumbung zu praktizieren. Bisher wurden neun lumbung member vorgestellt. Nach intensivem Austausch zwischen ihnen und dem Artistic Team sowie zahlreichen Gesprächen mit den teilnehmenden Organisationen stoßen nun fünf neue lumbung member dazu: Der Britto Arts Trust (Dhaka, Bangladesch), FAFSWAG (Auckland, Aotearoa), Instituto de Artivismo Hannah Arendt (INSTAR; Havanna, Kuba), Project Art Works (Hastings, UK) und Wajukuu Art Project (Nairobi, Kenia).


Jedes der mittlerweile vierzehn lumbung-member wird verschiedene Ressourcen in die kollektive Reisscheune (lumbung) einbringen. Gemeinsam werden sie einen langfristigen Austausch entwickeln, der durch das Teilen von Zeit, Raum, Geld, Wissen, Fürsorge oder Kunst die jeweiligen lokalen Praxen und Communities ebenso stärkt wie das gesamte lumbung-Netzwerk – während der documenta fifteen und darüber hinaus. Das Arbeiten mit verschiedenen künstlerischen Herangehensweisen sowie das Lernen von anderen Modellen von Bildung, Ökologie oder Ökonomie und verwandten lumbung-Praktiken in verschiedenen Teilen der Welt spielen eine zentrale Rolle für das Verständnis von lumbung.


Britto Arts Trust (Dhaka, Bangladesch)
Britto Arts Trust (Britto) ist ein 2002 in Dhaka, Bangladesch, gegründetes gemeinnütziges Künstler*innenkollektiv, das von Dhaka aus an verschiedenen Orten im Land arbeitet und als Teil des Triangle-Netzwerks über eine globale Reichweite verfügt. Britto widmet sich in seiner künstlerischen Praxis dem sozio-politischen Umbruch in Bangladesch. Auf der Suche nach verlorener Geschichte, Kulturen und Gemeinschaften erforscht und sammelt das Kollektiv gemeinsam mit verschiedenen Partner*innen mannigfache Quellen. Durch die Akkumulation von Wissen und das Teilen eigener Gedanken und Ideen sowie der Produktion von Kunst im Austausch mit lokalen Communities versucht Britto fortwährend, Antworten auf den Wandel im eigenen Land zu finden.


Seit einigen Jahren konzentriert sich Britto auf langfristige, groß angelegte Projekte unter Einbeziehung von Communities und Teilnehmer*innen aus verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen. So befasst sich beispielsweise das im März 2020 – während der Pandemie gemeinsam mit einer Reihe von Künstler*innen und Kollektiven – initiierte Projekt ZERO WASTE-FoodArt mit sozialer Verantwortung an verschiedenen Orten in Bangladesch und darüber hinaus. Britto unterstützt zahlreiche interdisziplinäre Praktiker*innen, Gruppen und Netzwerke. Das Kollektiv bietet professionellen Kunstschaffenden ein lokales und internationales Forum für Treffen, Diskussionen, Experimente und die selbstbestimmte Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten. Als Antwort auf den Mangel an adäquaten Bildungseinrichtungen in Bangladesch wirkt Britto als alternative Bildungsplattform, die Künstler*innen ein experimentelleres Arbeiten ermöglicht. Ausgehend von der Beschäftigung mit Verwurzelung, Geschichte und Communities reicht Brittos Praxis bis hin zu internationalen Veranstaltungen wie der Organisation des ersten Bangladescher Pavillons bei der 54. Biennale di Venezia (2011).
https://brittoartstrust.org/


FAFSWAG (Auckland, Aotearoa)
FAFSWAG ist ein ozeanisches Moana-Künstler*innenkollektiv, das durch Kunst und Innovation sozialen Wandel anstoßen möchte. Dabei entwickelt es fortschrittliche, kultursensible und sozial relevante Methoden kultureller Aktivierung.


Ausgehend von ihrem Kontext als Queere, Indigene Kunstschaffende arbeiten die Künstler*innen von FAFSWAG über verschiedenste interdisziplinäre Kunstformen und Genres hinweg kollaborativ daran, öffentlichen und digitalen Raum zu aktivieren.
https://fafswagvogue.com


Instituto de Artivismo Hannah Arendt (Havanna, Kuba)
Das Instituto de Artivismo Hannah Arendt (INSTAR) gründete sich am 20. Mai 2015 als Institution für gesellschaftspolitische Alphabetisierung aus einer Intervention der kubanischen Artivistin Tania Bruguera heraus, deren Teilnehmer*innen 100 Stunden lang das Buch Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft von Hannah Arendt lasen und diskutierten.


INSTAR wurde als demokratischer, horizontaler, konsensorientierter Raum konzipiert. „Wir fordern soziale Gerechtigkeit und Rechte, an denen es in Kuba bisher mangelt, wie faire Löhne, Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf, Unterstützung unabhängiger Projekte und Künstler*innen, Achtung der Meinungsfreiheit, Erhalt des historischen Gedächtnisses von Kunst sowie eine unabhängige Zivilgesellschaft, und wollen ein Projekt aufbauen mit Menschen, die anders denken, aber ein Land für alle schaffen wollen“, so INSTAR über ihr Selbstverständnis und ihre Praxis. INSTAR ist ein Safe Space, der andere Organisationen, Aktivist*innen und Künstler*innen schützt und verbindet und funktioniert wie ein Organ, das atmet, fühlt, reagiert und erinnert. Die Arbeit und Mission von INSTAR kann in drei Schritte unterteilt werden, die es, ausgehend von verschiedenen künstlerischen Ausdrücken, erlauben, aus einer chaotischen Vision eine Begegnung mit einer unerwarteten Ordnung entstehen zu lassen – einer neuen Ordnung, aus der heraus eine neue Zukunft gedacht werden kann.


Schritt I: Workshops zur Stärkung der Fähigkeiten von Künstler*innen, Intellektuellen, Akademiker*innen, der Bürgerschaft, der Jugend und aktivistischen Gruppen.
Schritt II: Finanzielle Unterstützung von Gründer*innen, Zusammenschlüssen und unabhängigen Projekten durch Preise und Stipendien. Sichtbarkeit, bedingt durch das neuartige Coronavirus, in INSTARs sozialen Netzwerken. Position beziehen gegen die Erlässe 349, 373 und 370, mit denen der kubanische Staat Meinungsfreiheit und kreative Unabhängigkeit einschränkt.
Schritt III: Rekonstruktion von Geistes- und Kunstgeschichte und Geschichte des unabhängigen Aktivismus durch die Sicherung von Quellen, die der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden sollen.
https://artivismo.org/


Project Art Works (Hastings, Vereinigtes Königreich)
Project Art Works ist ein britisches Kollektiv von Künstler*innen und Produzent*innen, das von radikalen Zugängen zu Neurodiversität, Rechten und Repräsentationen ausgehende Kunst produziert und vermittelt. Ihr Programm entwickelt sich aus der Unterstützung von Künstler*innen in ihrer Studiopraxis heraus und verzweigt sich zu Kollaborationen, Ausstellungen, Auftragsarbeiten, Filmen, Publikationen und digitalem Output. Für jedes Projekt werden personalisierte und holistische Umgebungen geschaffen. Das Studio wird dabei als Ort mit flachen Hierarchien verstanden, an dem Veranstaltungen und Happenings entstehen, die von der Lebensrealität und dem kreativen Potential aller Beteiligten erzählen (https://vimeo.com/161897285).


Project Art Works untersucht und fördert kreative und nachhaltige Modelle von künstlerischer Entfaltung und Betreuung durch praxisbasierte Forschung, Produktionen und Partnerschaften. Neurodiverse Künstler*innen und Produzent*innen arbeiten zielgerichtet zusammen und nutzen dabei verschiedenste Kommunikationsformen wie Sprache, Gestik, Klang, Gebärden und Empathie. Künstlerische Arbeiten werden über Social Media, digitale Plattformen sowie nationale und internationale Kollaborationen verbreitet. Durch die zielgerichtete Planung, kostenlose Schulungen und Interessensvertretung erhalten Familien und Care-Arbeiter*innen die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu nutzen, um sich im Gesundheits- und Pflegewesen besser zurechtzufinden und Zugang zu individuellen Pflegemodellen zu erhalten, die ihr Leben verbessern.
https://projectartworks.org


Wajukuu Art Project (Nairobi, Kenia)
Das Wajukuu Art Project (Wajukuu) ist eine gemeinschaftliche Organisation aus Lunga-Lunga, einem Teil des Mukuru-Slums im kenianischen Nairobi. Eine Gruppe von Künstler*innen initiierte das Projekt 2004 mit dem gemeinsamen Ziel, Mukuru zu einem Ort zu machen, an dem Kinder sich entfalten können, und durch die Produktion und den Verkauf von qualitativ hochwertiger Kunst Arbeitsplätze zu schaffen.


Der Mukuru-Slum befindet sich an einem Abhang unterhalb der Fabriken des Industriegebiets Nairobis. Eine nahegelegene Mülldeponie zieht die Jugendlichen aus dem Slum an. Da sie in den Fabriken, die ihr Viertel verseuchen, kaum Arbeit finden, bildet das Durchkämmen des Abfalls nach verkäuflichen Gegenständen ihre einzige Lebensgrundlage. Viele treibt die Armut in Kriminalität und Drogenhandel. Gewalt und sexueller Missbrauch sind allgegenwärtig und gefährden die Gesundheit und häufig auch das Leben ihrer jungen Opfer. Das vor diesem Hintergrund entstandene Wajukuu Art Project erzählt von Widerstandsfähigkeit und der menschlichen Fähigkeit, Leid in Schönheit zu verwandeln.


„Kunst bildet das Rückgrat von Wajukuu. Für uns ist Kunst nicht nur eine Praxis, sondern eine Lebenseinstellung. Mit Hilfe von Kunstunterricht empowert Wajukuu Kinder und Jugendliche, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, Herausforderungen zu Hause und in der Community zu bewältigen, sich gegen widerfahrenes Unrecht zu wehren und sich eine andere Zukunft vorzustellen. Unsere öffentliche Bibliothek, die erste Mukurus, bietet Schüler*innen und Erwachsenen einen Safe Space zum Lernen. Mit Filmvorführungen und Wandmalerei sprechen wir verschiedenste Themen an, unter anderem Konfliktlösung, Verbrechensprävention, kulturelle Praxis, Gleichberechtigung, Gesundheit, Teenagerschwangerschaft und verantwortungsvolles Handeln. Auf diese Weise schaffen wir eine Plattform, die es der Community erlaubt, über Dinge mitzubestimmen, die sie betreffen“, so Wajukuu Art Project über ihre Arbeit.
https://wajukuuarts.wordpress.com/


Download der Pressemappe
Übersicht der lumbung-member

13. Januar 2021

Die documenta fifteen soll weiterhin planmäßig im Zeitraum von 18. Juni bis 25. September 2022 stattfinden.

Dies erklärte die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, und bestätigte damit die dpa-Meldung vom 5. Januar 2021. Mehr

Dies erklärte die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, und bestätigte damit die dpa-Meldung vom 5. Januar 2021.


„Selbstverständlich betrachten wir, gemeinsam mit der Künstlerischen Leitung und den Gremien, den Entwicklungsverlauf der Corona-Pandemie sehr genau“, sagte Schormann. „Die Vorbereitungen der documenta fifteen laufen weiter auf Kurs und das gesamte Team ist hoch motiviert. Wie bereits im Dezember kommuniziert, ist es letztlich nur verantwortungsvoll, die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie genau zu betrachten, um dann im Sommer über die weiteren Schritte auf dem Weg zur documenta fifteen zu entscheiden. Aktuell sind wir zuversichtlich, dass nicht zuletzt durch die Schutzimpfungen eine Rückkehr in ein möglichst normales Leben in absehbarer Zeit gelingt.“


Über die Fortentwicklung des Vorbereitungsprozesses der documenta fifteen werde weiterhin aktuell berichtet.

15. Dezember 2020

documenta fifteen präsentiert Erscheinungsbild

Bildmaterial zum Download


Das Erscheinungsbild wird bei jeder documenta Ausstellung mit Spannung erwartet, ist es doch Ausdruck des jeweiligen kuratorischen Ansatzes. Am 15. Dezember 2020 stellt die documenta fifteen (18. Juni bis 25. September 2022) ihr visuelles Erscheinungsbild der Öffentlichkeit vor. Das gemeinsam mit Studierenden entwickelte Design ist inspiriert vom lumbung-Konzept der documenta.


Das aus dem Gestaltungsentwurf des Studierendenkollektivs Studio 4oo2 aus Jakarta gemeinsam weiterentwickelte Erscheinungsbild der documenta fifteen verweist mit dem Symbol der Hände auf das lumbung-Prinzip, das ruangrupa seiner documenta zugrunde gelegt hat, und dessen Kernthemen kollektive Praktiken des Teilens, Solidarität und Freundschaft sind.
lumbung ist eine aus den ländlichen Gebieten Indonesiens stammende Praxis, bei der die überschüssige Ernte zum zukünftigen Wohl der Gemeinschft in einer gemeinsamen Reisscheune gelagert und nach kollektiv bestimmten Mechanismen verteilt wird. Indem die documenta fifteen lumbung nicht nur als Thema, sondern vielmehr als zugrundeliegende Praxis begreift, zielt sie auf neue Wege, internationale künstlerische Praktiken mit einem gemeinschaftlich ausgerichteten Modell der Ressourcennutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen – nachhaltig zu machen. Grundsätze wie Kollektivität und gemeinschaftliches Arbeiten, Ressourcenaufbau und gerechte Verteilung stehen dabei im Vordergrund.
Die Hände und die in ihren Umrissen visualisierten Seile als Kernelement des visuellen Erscheinungsbildes der documenta fifteen stehen für eine unbegrenzte Gemeinschaft, die eine nachhaltige Zukunftsstrategie eröffnet. Sie versinnbildlichen die Haltung und Geste von lumbung. Die Farbpalette des Designs ist von natürlichen Textilfarben inspiriert, wie sie seit Generationen bei der Herstellung traditioneller textiler Produkte in Indonesiens verwendet werden. Die eingesetzten Farben stammen größtenteils aus dem Osten Indonesiens, wo lumbung noch heute aktiv praktiziert wird.


Kollektive Entwicklung mit Studierenden
ruangrupa selbst ist Mitte der 1990er Jahre aus Netzwerken von Studierenden an den Kunsthochschulen in Jakarta und Yogyakarta hervorgegangen. Für das Künstler*innen-Kollektiv ist Vielstimmigkeit und die Integration von Perspektiven der jüngeren Generation zentral. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat ruangrupa Ende 2019 Studierende in Kassel und Jakarta eingeladen, sich an der Entwicklung der visuellen Identität der documenta fifteen zu beteiligen, statt nur auf etablierte Design-Agenturen zu setzen. Unter mehr als 20 Einreichungen von Gruppen und Einzelpersonen wurden zwei Designentwürfe ausgewählt: die von Studio 4oo2 aus Jakarta und von kmmn_practice aus Kassel. Die beiden Teams haben völlig unterschiedliche Konzepte eingereicht, wobei sie ermutigt wurden, jeweils ihren eigenen Ansatz zu verfolgen.
Im Prozess wurde Studio 4oo2 das Haupterscheinungsbild der documenta fifteen übertragen, während kmmn_practice die Chance erhielt, ihren partizipatorischen Ansatz für ein Erscheinungsbild des ruruHaus umzusetzen. Im Frühsommer 2020 haben die Studierenden von Studio 4oo2 mit der Berliner Markenagentur Stan Hema und documenta Inhouse-Designer Leon Schniewind die gemeinschaftliche Arbeit aufgenommen.


Präsentation im Filmclip und im Öffentlichen Raum
Die documenta fifteen präsentiert das Erscheinungsbild anhand eines Filmclips und im öffentlichen Raum Kassels. Unter anderem wird es am ruruHaus, dem ersten Spielort der documenta fifteen sichtbar: Dort wurde es in Form eines großflächigen Murals vom Kasseler Graffiti- und Streetart-Projekt KolorCubes auf die Fassade aufgebracht. Weitere Präsenzen auf Großflächen oder Litfasssäulen sind im Stadtraum zu finden. Im Detail wird das Erscheinungsbild und dessen Entwicklung in diesem Video vorgestellt.


Am heutigen Dienstag, den 15. Dezember 2020 findet um 15 Uhr ein Fototermin mit Vertreter*innen von ruangrupa, Oberbürgermeister Christian Geselle, der Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann und dem Kommunikationsteam der documenta fifteen vor der documenta Halle statt. Es handelt sich um einen reinen Fototermin unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregelungen.
Wir bitten um Voranmeldung unter presse@documenta.de.


Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Oberbürgermeister Christian Geselle, zeigt sich erfreut über das neue Erscheinungsbild: „Nun nimmt die documenta fifteen Gestalt an. Viele ineinandergreifende Hände stehen für Zusammenhalt und ein neues Miteinander. Die großartige Umsetzung des Erscheinungsbildes in ein Mural am ruruHaus ist ein deutlicher Gruß des Kuratorenteams ruangrupa an die Stadt. Es ist eine farbenfrohe und vor allem optimistisch in die Zukunft weisende Botschaft am Ende eines für alle kräftezehrenden Jahres. Und die Vorfreude auf die nächste, mit Spannung erwartete documenta wächst.“


Studio 4oo2 über das Erscheinungsbild
„Das Konzept von lumbung wird in unserem Gestaltungsentwurf durch die Form der Hand visualisiert, einem fühlenden Teil unseres Körpers, der bei menschlichen Aktivitäten wie Halten, Geben oder Umarmen eingesetzt wird. Die Hand spielt, direkt oder auch indirekt, eine wesentliche Rolle in interaktiven Prozessen zwischen Menschen. Als Symbol ist sie unmittelbar mit dem Konzept von lumbung verbunden, einem kollektiven Aufbewahrungsort für die von einer Gemeinschaft produzierte Ernte. Diese Aktivitäten – Ernten, Zusammenhalten, nachhaltig Unterstützen – setzen allesamt die Beteiligung von Händen voraus, genauso wie der Zweck von lumbung auf die Hand referiert, die die Menschen verbindet.“, so Studio 4oo2.
Studio 4oo2 ist ein Team von vier Studierenden der Universitas Negeri Jakarta. Der Name „Studio 4oo2“ (gesprochen: „four o o two“) ist von dem Betrag abgleitet, den die Studierenden für Parkscheine (4.000 Rupiahs für zwei Motorräder) in dem Fast-Food-Restaurant aufwenden mussten, den das Team als Arbeitsplatz für die Entwicklung der Bewerbung genutzt hat, da das Lokal der einzige 24 Stunden zugängliche Ort für sie war. Das Team besteht aus Angga Reksha Ramadhan, Larasati Fildzah Kinanti, Louisiana Wattimena und Rosyid Mahfuzh.


Pressemitteilung (PDF)

26. Oktober 2020

Illuminierung des Fridericianum mit einer Filmarbeit von Trisha Baga


Trisha Baga: Hope
Dienstag, 3. November 2020, 19 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr


Trisha Baga: Hope
Dienstag, 3. November 2020, 19 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Unter dem Titel Hope wird Trisha Baga am 3. November 2020 das Fridericianum in Kassel mit einer speziell für den Anlass produzierten Filmarbeit illuminieren. Die Aktion ist als Reflexion über die gegenwärtige Weltlage und insbesondere als Kommentar zu dem zeitgleich stattfindenden US-Wahltag angelegt. Dabei pocht die 1985 in Venice, Florida, geborene und heute in New York lebende Künstlerin mit Nachdruck auf Zuversicht für das Kommende, nimmt jedoch mit geschärftem Bewusstsein auf die global vorherrschenden Herausforderungen Bezug. Denn Hope, zu Deutsch „Hoffnung“, steht nicht allein für eine freudige Erwartungshaltung. Der Titel kann ebenso als Anspielung auf die Politikberaterin Hope Hicks gedeutet werden, die im Oktober 2020 positiv auf COVID-19 getestet wurde, bevor auch bei Präsident Donald Trump und seiner Ehefrau Melania ein Nachweis der Virusinfektion erfolgte.


Der rund achtminütige Film, den Baga über eine ganze Reihe von leistungsstarken Projektoren in einer Endlosschleife auf die Fassade des Fridericianum projizieren wird, folgt keinem linearem Handlungsstrang. Ausgangspunkt bilden Sequenzen, in denen die Künstlerin bei der Gestaltung eines Tonmodells des Weißen Hauses zu sehen ist, das einer ähnlichen Architekturtradition wie das Fridericianum verpflichtet ist. Diesen Szenen stehen Aufnahmen gegenüber, die die stark deformierte Ruine des Bauwerks zeigen. Im weiteren Verlauf des Films werden diese zu einer Projektionsfläche, auf der regelmäßig verschiedene Bewegtbilder und Bildfetzen erscheinen. So leuchten in den Gebäuderesten Impressionen von Präsident Trumps Twitter-Account, Online-Nachrichten zur COVID-19-Pandemie, brennende Wälder, die Anfangspassage der US-amerikanischen Verfassung, mit Scheinwerfern ausgerüstete Höhlenforscher*innen oder Schnecken beim Liebesspiel auf. Immer wieder fährt zudem das helle Licht eines Scanners, das von den Geräuschen des Datenerfassungsgerätes begleitet wird, über die Oberfläche der Nachbildung des Amts- und Regierungssitzes.


Bagas Film ist durch ausgesprochen gegensätzliche Ereignisse, Aspekte und Stimmungen der Jetztzeit bestimmt, die sich in dem Werk zu einer neuen Einheit verbinden. Das Resultat ist eine nachwirkende Setzung, bei der, wie bei der Mehrheit der Arbeiten der Künstlerin, die Grenzen zwischen Film, Malerei, Skulptur und Architektur, zwischen Kunstwerk und Umraum, aufgehoben sind. Mit der spezifischen Präsentationsform als weithin sichtbare Illumination unterstreicht Baga die Relevanz der Themen, aus der sich ein klarer Appell zur Hoffnung wie zum Handeln ableitet.


Wir freuen uns, Ihnen im Vorhinein ein digitales Pressegespräch mit Trisha Baga anbieten zu können. Bei Interesse bitten wir um Rückmeldung bis Donnerstag, den 29. Oktober 2020.


Die Veranstaltung findet unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen statt.

23. Oktober 2020

Präsentation der neuen Außenskulpturen am Fridericianum von Alexandra Bircken


Alexandra Bircken: Top down / Bottom up
Präsentation: Samstag, 31. Oktober 2020, 15 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr


Alexandra Bircken: Top down / Bottom up
Präsentation: Samstag, 31. Oktober 2020, 15 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 29. Oktober 2020, 11.30 Uhr (in Anwesenheit der Künstlerin)
Es sprechen:
Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum


Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten um Anmeldung unter press@fridericianum.org.


Über dem Portikus des Fridericianum, zwischen den Allegorien der Architektur und Philosophie, verharrt eine grün schillernde Figur im Handstand. Es handelt sich um eine lackierte Aluminiumskulptur, die von der 1967 in Köln geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlerin Alexandra Bircken eigens für diesen Ort geschaffen wurde. In der Arbeit ist die Pose einer jungen Turnerin verewigt, die Bircken mit großer Präzision durch den Einsatz eines 3-D-Scanners festhielt, um aus dem gesammelten Datenmaterial zunächst eine Gussform und schließlich die Skulptur zu fertigen: Die ausgestreckten Arme, der in den Nacken gelegte Kopf wie auch die zusammengedrückten und in gerader Linie emporragenden Beine lassen die Körperspannung der zierlichen Akrobatin erahnen, mit der sie hoch oben der Schwerkraft trotzt. Weitere Details der Figur lassen sich auf dem Platz vor dem Fridericianum studieren, wo das Gegenstück der Dachskulptur aufgestellt ist. Wenige Meter von den Treppenstufen des Portikus entfernt steht ein zweiter, ebenfalls grün gefasster Aluminiumguss, der in der gleichen Weise wie die Höhenakrobatin realisiert wurde und mit ihr gewissermaßen identisch ist. Anders jedoch als die Plastik auf dem Gebäude steht die Figur auf dem Kopfsteinpflaster nicht auf den Händen. Hier ist die Turnerin um 180 Grad gedreht, erhebt sich also mit ihren Fußspitzen vom Boden und scheint mit ihren angewinkelten Händen das Firmament zu tragen. Top down / Bottom up lautet somit auch der Titel der beiden Skulpturen, die in fein abgestimmtem Zusammenspiel zu einer Einheit verbunden sind. Das zweiteilige Werk spricht mit und widerspricht zugleich der historischen Architektur des Fridericianum sowie den am Friedrichsplatz realisierten Außenskulpturen aus vergangenen documenta Ausstellungen. Dabei knüpft das Ensemble unmittelbar an die für Bircken typische Praxis an: einer Untersuchung physischer und psychischer Parameter von Objekten und Wesen, die sich in einer einzigartigen, intensiven und bisweilen surrealen Sprache artikuliert.


Im Rahmen der Serie Interventionen entwickeln Künstler*innen für das Fridericianum ortsspezifische Werke, durch die – jenseits der regulären Ausstellungsflächen – die bislang nicht genutzten Zwischenbereiche und Verkehrsflächen des Gebäudes eine Aktivierung, Akzentuierung oder Transformation erfahren. Bei diesen Setzungen handelt es sich um Wandmalereien, Außenskulpturen und Klanginstallationen, die über einen längeren Zeitraum oder sogar dauerhaft am Haus bleiben.


Die Pressevorbesichtigung findet unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen statt.

1. Oktober 2020

Erschließungsoffensive beginnt –
Aufbereitung des documenta archiv Bestands für internationale und interdisziplinäre Forschung

Am 1. Oktober 2020 startet das documenta archiv die umfassende Erschließung und Aufbereitung seiner Bestände. Diese „Erschließungsoffensive“ ist auf zehn Jahre angelegt. Dafür wollen das Land Hessen und die Stadt Kassel bis 2030 Fördersummen von insgesamt 5,4 Mio. Euro zur Verfügung stellen.
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Am 1. Oktober 2020 startet das documenta archiv die umfassende Erschließung und Aufbereitung seiner Bestände. Diese „Erschließungsoffensive“ ist auf zehn Jahre angelegt. Dafür wollen das Land Hessen und die Stadt Kassel bis 2030 Fördersummen von insgesamt 5,4 Mio. Euro zur Verfügung stellen.


Zeugnisse des künstlerischen und kuratorischen Schaffens rund um die documenta Ausstellungen der Jahre 1955 bis heute sollen vertieft, fachgerecht und nach archivischen und wissenschaftlichen Standards aufbereitet und systematisiert werden.


Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen:
„Das Land Hessen sieht die weltweit einzigartige Bedeutung der Kasseler documenta. Deshalb haben wir große Anstrengungen unternommen, um das documenta Institut möglich zu machen. Damit soll einer systematischen Auseinandersetzung mit dieser so wichtigen Ausstellung ein angemessener Ort gegeben werden. Das documenta archiv ist für diesen Aufbau essentiell: Es ist ein Schatz, der – gehoben und wissenschaftlich aufgearbeitet – die documenta auch institutionell zu einem Stück Kunstgeschichte macht. Wir unterstützen den wichtigen Schritt der Aufbereitung gern, um das documenta archiv der nationalen und internationalen Forschung zugänglich zu machen.“
Der Fundus des Archivs wird den Kern des entstehenden documenta Instituts bilden und die dort angestrebte exzellente Forschung ermöglichen. „Die Stadt Kassel ist stolz darauf, dass das documenta archiv neben dem Bauhaus-Archiv zu den ältesten und wichtigsten Kunstarchiven Deutschlands gehört“, so Oberbürger-meister Christian Geselle. „Es zukunftsfähig aufzustellen, ist uns ein wichtiges Anliegen“.
Die Bestände des Archivs bilden vor allem die Geschichte der documenta Ausstellungen ab. Gleichzeitig ist das documenta archiv aber auch ein Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst und kuratorisches Wirken im Allgemeinen und damit eine unschätzbar wichtige Quelle für kunst- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen und die Rezeptionsforschung.

Die Erschließung ist von maßgeblicher Bedeutung für das documenta Institut

Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zur Erschließungsoffensive: „Die einzigartigen Bestände des documenta archivs durch die Tiefen-Erschließung wissenschaftlich zugänglich und zugleich für die breite Öffentlichkeit und die Stadtgesellschaft greifbar zu machen, ist Voraussetzung für einen lebendigen Austausch zwischen Wissenschaft und Kunst, wie er auch zunehmend in den documenta Ausstellungen als Wiederannäherung zweier Disziplinen stattfindet.“
Bereits nach der Angliederung des zuvor städtischen documenta archivs an die documenta gGmbH im Jahr 2016 wurden erste Weichen für die Öffnung des Archivs gestellt: Es wurden Ausstellungskooperationen initiiert, Veranstaltungsreihen etabliert, ein Lesesaal eingerichtet und eine umfassende Website entwickelt. Nun wird mit der Erschließungsoffensive der nächste entscheidende Schritt zur Öffnung der Bestände für einen breiten Nutzerkreis getan.

Erschließungsoffensive schafft internationale Standards

Mit der Tiefenerschließung geht die Einführung einer bislang fehlenden digitalen Infrastruktur und eines professionellen Erfassungssystems einher. Dazu gehören die Aufnahme der Bestände in Archivdatenbanken, Rechteanalyse und -management sowie Maßnahmen zur Erschließung und Archivierung digitaler Unterlagen.
Der Gründungsdirektor des documenta Instituts, Prof. Dr. Heinz Bude, konstatiert: „Als interdisziplinäres Forschungsinstitut ist das documenta Institut in besonderer Weise auf eine den internationalen Standards entsprechende Erschließung der Archivbestände angewiesen. Dass diese Grundlagen nun so entschieden angegangen werden, ist grandios.“
„Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem Team die Erschließung der wertvollen Bestände anzugehen. Zukunftsgerichtet aufgestellt wird das documenta archiv an Strahlkraft gewinnen und im besten Sinne Künstler/innen, Kurator/innen, und Sammler/innen zu weiteren Vor- und Nachlässen inspirieren“, so Dr. Birgitta Coers, die am 1. Oktober 2020 den Posten als Direktorin des documenta archivs antritt.

Insgesamt werden 560 laufende Regalmeter, 50 Terabyte digitale Medien und 42.000 Medieneinheiten erschlossen

Die Erschließungsoffensive umfasst alle Abteilungen des documenta archivs: Im Aktenarchiv werden die Unterlagen der ersten documenta Ausstellung bis zur documenta 14 sowie umfangreiche Nach- und Vorlässe, wie der des documenta Gründers Arnold Bode, sowie die Sammlung von Presseausschnitten gesichtet, erfasst und tiefenerschlossen. Insgesamt werden zu 560 lfm Archivalien rund 45.000 Verzeichnungseinheiten erstellt.
In der Mediensammlung warten mehr als 50 Terabyte an digitalen Bild- und audiovisuellen Medien auf eine systematische Strukturierung und die Überführung in ein digitales Archiv. Für mehr als 65.000 Papierabzüge von Fotografien, Dias und Negative sowie mehr als 5.000 unterschiedliche Datenträger werden Findmittel erstellt. So können unter anderem die über 3.000 Fotografien der Kasseler Fotografin Monika Nikolic erschlossen werden, die die documenta Ausstellungen 7 bis 14 umfassend dokumentieren.
In der Bibliothek sind noch etwa 40 Prozent des Gesamtbestands (ca. 42.000 Medieneinheiten), hauptsächlich Monografien zu Künstlerinnen und Künstlern, bibliografisch zu erfassen. Begleitet wird dies von konservatorischen Maßnahmen.
Als Konsequenz kann beispielsweise die Beantwortung typischer Fragen an das Archivgut ermöglicht oder beschleunigt werden: Aus welchem Material besteht ein bestimmtes Kunstwerk? Wie wurde es inszeniert? Gibt es eine Ansicht von einem bestimmten Kunstwerk und wie sieht es mit den Nutzungsrechten aus? Schrift-wechsel zwischen Kurator/innen und Künstler/innen, Skizzen und Anleitungen, Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen und Dokumentationen von Ausstellungssituationen geben Auskunft über die vergangenen Ausstellungen und die Abläufe „hinter den Kulissen“.

Außerdem können laufende künstlerische und gesellschaftliche Diskussionen befördert und auf ihre historische Dimension hin betrachtet werden.

Weiterführende Informationen zur Geschichte des documenta archivs und zur Erschließungsoffensive (auf Deutsch) finden Sie hier.

Bildmaterial zum Download finden Sie hier.

22. September 2020

Presseeinladung: Tarek Atoui im Fridericianum

Waters’ Witness
3. Oktober 2020 – 17. Januar 2021
Eröffnungswochenende: Samstag, 3. Oktober 2020, 11–19 Uhr und Sonntag, 4. Oktober 2020, 11–18 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
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Waters’ Witness
3. Oktober 2020 – 17. Januar 2021
Eröffnungswochenende: Samstag, 3. Oktober 2020, 11–19 Uhr und Sonntag, 4. Oktober 2020, 11–18 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 1. Oktober 2020, 11.30 Uhr (in Anwesenheit des Künstlers)
Es sprechen:
Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum


Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten um Anmeldung unter press@fridericianum.org.


Tarek Atoui schöpft das Potenzial der Klangkunst, die im Zentrum seiner Praxis steht, umfassend aus. Ihn interessiert nicht allein, wie Schallereignisse oder Geräusche eine akustische Wirkung entfalten. Ebenso wichtig ist für ihn, wie diese Phänomene mit anderen Sinnesorganen als dem Ohr wahrgenommen werden können, wie sie als Katalysator für menschliche Interaktion fungieren und wie sie mit gesellschaftlichen, historischen oder räumlichen Parametern in Beziehung stehen. Ausgangspunkt seiner Werke sind zumeist umfassende anthropologische, ethnologische, musikwissenschaftliche oder technische Recherchen, die in der Realisierung von Instrumenten, Hörräumen, Performances oder Workshops münden und damit ein ausgesprochen facettenreiches Œuvre begründen.


Mit Waters’ Witness stellt das Fridericianum das Schaffen Tarek Atouis, der 1980 in Beirut geboren wurde und heute in Paris lebt, erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung vor. Die Präsentation basiert auf dem fortlaufenden Projekt I/E, in dessen Rahmen Atoui seit 2015 Klänge von Hafenanlagen in Athen, Abu Dhabi, Singapur, Porto und Beirut aufzeichnet, erforscht, bearbeitet und in Werke transferiert. In Kassel werden bislang separat genutzte Bestandteile dieser künstlerischen Unternehmung zusammengeführt: Die Tonaufnahmen werden mit ortsspezifischen Materialien und Objekten – Marmorblöcken und Stahlträgern – sowie den architektonischen Bedingungen der Ausstellungssäle zu einer installativen Einheit verbunden. So werden Raum, Klang und Objekte körperlich wie auch sinnlich erfahrbar, sodass sich eine Grundlage für vielschichtige Assoziationen, Erinnerungen und (Selbst)-Reflexionen ergibt.


Ergänzt wird die Installation durch das 2020 entstandene und nun erstmals öffentlich präsentierte Werk The Tables of Contents, das Atouis zentrale Themen der Teilhabe, der Bildung und Vermittlung wie auch des Experiments direkt nachvollziehbar macht. Dabei handelt es sich um zwei Apparaturen, die – wie der Titel bereits andeutet – die Form von Tischen aufweisen. Diese sind mit verschiedenen bedienbaren Objekten ausgestattet, zu denen Töpferscheiben, Metallstifte und Sprungfedern ebenso zählen wie eigens konstruierte Instrumentarien. Unter fachkundiger Anleitung können Besucher*innen mit diesen Gegenständen aktiv neue Töne generieren und bestehende modifizieren. Diese Klänge fließen anschließend in die Ausstellung ein, avancieren zum Bestandteil der Komposition und beflügeln neue Beiträge oder Interventionen.


Atouis Laufbahn als Künstler, der von 2000 bis 2003 zeitgenössische Musik am Conservatoire national français in Reims studierte, ist eng mit der Stadt Kassel verbunden. So war er bereits 2012 an der dOCUMENTA (13) beteiligt, bei der er im innerstädtischen Bereich die Performance Metastable Circuit 1 realisierte und in der Orangerie mit La Lutherie einen Raum für künstlerisch-musikalische Experimente etablierte. Seit dieser Zeit war Atoui an zahlreichen internationalen Präsentationen und Projekten, etwa in der Tate Modern in London (2016), in der Fundação de Serralves in Porto (2018), im Solomon R. Guggenheim Museum in New York (2019) oder auf der 58. Biennale von Venedig (2019), beteiligt. Vor dem Hintergrund der unlängst erfolgten Auszeichnung Atouis mit dem Suzanne Deal Booth / FLAG Art Foundation Prize richtet die Sharjah Art Foundation parallel zur Schau im Fridericianum ebenfalls eine Einzelausstellung zu Ehren des Künstlers aus.


Die Kasseler Ausstellung wird großzügig von der Hessischen Kulturstiftung gefördert: „Natürliche und künstliche Laute dringen tagtäglich an unser Ohr. Der Künstler Tarek Atoui macht die Ursprünge dieser vielfältigen, differenzierten Klangwelt erfahrbar. Besucher*innen der Ausstellung im Fridericianum gewinnen einen Eindruck von dem beziehungsreichen Geflecht der Töne als Ausdruck von sozialen Normen, Individuen, gestalteter und natürlicher Umwelt. Mit seinen Klanginstallationen und Instrumenten bringt der Künstler uns die Ergebnisse seiner musikalischen Experimente zu Gehör, prüft aber auch die anderen Sinne auf ihre akustische Gestimmtheit.“ Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung


Darüber hinaus unterstützten das Bureau des arts plastiques des Institut français und das französische Kulturministerium die Präsentation im Fridericianum.

12. August 2020

Unabhängiges Forschungsinstitut für Ausstellungsstudien in Kassel:
Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Institus berufen


Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht. Mehr


Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht.


Bude steht für eine zeitdiagnostisch aufgeschlossene Wissenschaft und ist mit Beiträgen zu den Problematiken sozialer Spaltung, regionaler Verödung und weltgesellschaftlicher Verwerfung hervorgetreten. Er wurde 2016 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie ausgezeichnet. Seit 2000 lehrt er Makrosoziologie an der Universität Kassel.


Prof. Dr. Heinz Bude betonte bei seiner Vorstellung in Kassel: „Die einmalige Chance des documenta Instituts besteht darin, dass es die documenta als ein Modell der Ausstellung von Gegenwartskunst versteht und damit das weltgesellschaftliche Phänomen der Biennalisierung des Kunstfelds in den Griff bekommt. Im Zusammenspiel von Archiv, Forschung und stadtgesellschaftlicher Partizipation wird ein Labor der Erforschung von Zeitgenossenschaft durch die Präsentation von Gegenwartskunst entstehen.“


Oberbürgermeister Christian Geselle: „Mit Prof. Dr. Heinz Bude konnten wir einen der profiliertesten Soziologen Deutschlands als Gründungsdirektor für das documenta Institut gewinnen. Dieses ist für die Weltkunstausstellung und unsere Kunst- und Kulturstadt Kassel von großer Bedeutung. Wir freuen uns, dass er unserer Stadt durch seine Lehrtätigkeit seit 20 Jahren verbunden ist und bleibt. Ich bin gespannt, welche Impulse Prof. Bude dem werdenden Institut verleihen wird.“


Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn: „Dass Prof. Dr. Heinz Bude sich bereit erklärt hat, die Leitung des documenta Instituts in seiner Aufbauphase zu übernehmen, freut mich außerordentlich. Mit ihm an der Spitze kann das Institut zu einem Ort werden, an dem ein Archiv auf seine Kunst trifft, an dem Forschung als Teil des gesellschaftlichen Diskurses gedacht und gemacht wird. Ich bin gespannt auf produktive Auseinandersetzungen und – gemeinsam mit den anderen Partnern – neugierig auf das Profil, das der neue Gründungsdirektor dem Institut im Werden geben wird.“


Präsident der Universität Kassel Prof. Dr. Reiner Finkeldey: „Vor kurzem haben wir den Rahmen für das documenta Institut abgesteckt, nun bekommt das Institut auch ein Gesicht. Ich freue mich außerordentlich, dass Prof. Bude diese Aufgabe übernimmt. Er gehört deutschlandweit und international zu den scharfsinnigsten und treffsichersten Analytikern des Zeitgeschehens, der Entwicklung der globalen Gesellschaft und ihrer Ausdruckformen. Mit ihm bekommt das Institut einen Gründungsdirektor, der den Aufbau als interdisziplinäres Forschungsinstitut mit internationaler Ausstrahlung kraftvoll vorantreiben wird. Für das Institut, für die Universität und für die Stadt ist diese Personalie ein enormer Gewinn.“


Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH Dr. Sabine Schormann: „Prof. Dr. Heinz Bude bringt exzellente Erfahrungen sowohl in inhaltlicher als auch in struktureller Hinsicht mit, um gemeinsam mit allen Partnern das Institut aufzubauen und in die Zukunft auszurichten. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und bedanke mich an dieser Stelle auch herzlich bei der Universität Kassel, die ermöglicht, dass Herr Prof. Bude dem documenta Institut für die Gründungsphase zur Verfügung steht.“


Bildmaterial, Vita und Publikationsliste von Prof. Dr. Heinz Bude sowie seinen Redebeitrag finden Sie hier zum Download. Ab ca. 16 Uhr steht darunter zusätzlich Bildmaterial von der Veranstaltung zur Verfügung. Den Livestream der Veranstaltung können Sie auch nachträglich hier abrufen.


Über das documenta Institut
Das documenta Institut entsteht in Kooperation zwischen dem Land Hessen, der Stadt Kassel, der documenta und Museum Fridericianum gGmbH sowie der Universität Kassel mit der Kunsthochschule unter finanzieller Beteiligung für das Bauvorhaben durch die Beauftragte für Kultur und Medien beim Bund.


Ausgangspunkt für das documenta Institut sind die Bestände des documenta archivs, das zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt wird. Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode ins Leben gerufen und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst, insbesondere zu den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen. Neben den documenta Unterlagen sind umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes.


Das documenta Institut wird zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH gegründet und soll die auf die documenta und das internationale Ausstellungswesen bezogene Forschung transdisziplinär anregen, betreiben, fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen.

4. August 2020

Presseeinladung: Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen


Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht. Mehr


Das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Universität und Kunsthochschule Kassel sowie die documenta und Museum Fridericianum gGmbH haben den renommierten Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude zum Gründungsdirektor des documenta Instituts berufen. Zu Budes ersten Aufgaben gehören die Konkretisierung der inhaltlichen Programmatik sowie der Aufbau der internen und externen Organisationstrukturen des documenta Instituts, das gegründet von den vier Partnern als unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung entsteht.


Bude steht für eine zeitdiagnostisch aufgeschlossene Wissenschaft und ist mit Beiträgen zu den Problematiken sozialer Spaltung, regionaler Verödung und weltgesellschaftlicher Verwerfung hervorgetreten. Er wurde 2016 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie ausgezeichnet. Seit 2000 lehrt er Makrosoziologie an der Universität Kassel.


Unter Einhaltung der gegebenen Hygiene- und Abstandsregelungen laden wir herzlich zur Vorstellung von Prof. Dr. Heinz Bude ein:


Mittwoch, 12. August 2020, 10 Uhr
Rotunde des Fridericianum
Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Die Veranstaltung wird live über den Youtube-Kanal des documenta Instituts sowie über die Webseite www.documenta.de übertragen: www.documenta.de/de/news#


Es sprechen:
Oberbürgermeister Christian Geselle
Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn
Präsident der Universität Kassel Prof. Dr. Reiner Finkeldey
Generaldirektorin der documenta gGmbH Dr. Sabine Schormann
Prof. Dr. Heinz Bude


Zudem wird auch Frau Dr. Birgitta Coers, die am 1. Oktober die Stelle als Direktorin des documenta archivs antritt, anwesend sein.
Im Anschluss gibt es einen Fototermin.


Bitte beachten Sie, dass wir mit Blick auf die pandemiebedingten Einschränkungen die Teilnahme begrenzen und um Voranmeldung bitten müssen. Bitte registrieren Sie sich hierfür unter presse@documenta.de und warten die Teilnahmebestätigung ab.


Ein Porträt von Prof. Dr. Heinz Bude finden Sie hier zum Download. Foto: Dawin Meckel.


Über das documenta Institut
Das documenta Institut entsteht in Kooperation zwischen dem Land Hessen, der Stadt Kassel, der documenta und Museum Fridericianum gGmbH sowie der Universität Kassel mit der Kunsthochschule unter finanzieller Beteiligung für das Bauvorhaben durch die Beauftragte für Kultur und Medien beim Bund.


Ausgangspunkt für das documenta Institut sind die Bestände des documenta archivs, das zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt wird. Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode ins Leben gerufen und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst, insbesondere zu den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen. Neben den documenta Unterlagen sind umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes.


Das documenta Institut wird zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH gegründet und soll die auf die documenta und das internationale Ausstellungswesen bezogene Forschung transdisziplinär anregen, betreiben, fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen.

27. Juli 2020

Wechsel an der Spitze des documenta archivs


Dr. Birgitta Coers übernimmt ab dem 1. Oktober 2020 die Leitung des documenta archivs.Mehr


Dr. Birgitta Coers übernimmt ab dem 1. Oktober 2020 die Leitung des documenta archivs.


Die Kunsthistorikerin Birgitta Coers (geb. 1970) leitet ab dem 1. Oktober 2020 das documenta archiv. Im Anschluss an ihre Universitätslaufbahn in Marburg und Tübingen spezialisierte sie sich in den letzten Jahren auf das physische und digitale Management von Künstler*innennachlässen. Nach einer ersten Station im Fachreferat Kunst der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden entwickelte sie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ein Datenmodell für künstlerische Objekt- und Schriftvorlässe und koordinierte im Landratsamt Rottweil den Aufbau des Archivs Margot Fürst / HAP Grieshaber. Zuletzt erarbeitete sie als wissenschaftliche Archivarin im Landesarchiv Baden-Württemberg Rechercheinstrumente für die Provenienzforschung.


Coers’ wissenschaftliche Schwerpunkte liegen in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, auf kulturellen und politischen Netzwerken zwischen Ost und West nach 1945, Ausstellungs- und Institutionengeschichte. Ein besonderes Interesse gilt darüber hinaus webbasierten Publikationsstrategien und digitalen Forschungsinfrastrukturen aus bibliothekarischer und archivarischer Sicht.


Unter der neuen Leitung ist das documenta archiv nach Votum der Findungskommission aus archivfachlicher wie kunstwissenschaftlicher Perspektive zukunftsgerichtet aufgestellt: „Als Direktorin des documenta archivs ist es mir ein Anliegen, die außergewöhnlichen Bestände mit Blick auf die digitalen Herausforderungen wissenschaftlich aufzubereiten und international sichtbar zu machen. Ich freue mich darauf, das Archiv zu einem lebendigen Wissensort innerhalb des geplanten documenta Instituts zu gestalten“, so Birgitta Coers.


Birgitta Coers ersetzt Nadine Oberste-Hetbleck, die die Stelle als Direktorin des documenta archivs nicht wie geplant zum 1. August 2020 antritt. Aus familiären Gründen entschied sie sich für einen Verbleib in Köln und wird dort zukünftig das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK an der Universität zu Köln leiten, dem sie seit Jahren eng verbunden ist. „Ich hatte mich bereits sehr auf die Tätigkeit in Kassel für das im globalen Kreis der Kunstarchive herausragende documenta archiv gefreut, welches auch mit Blick auf das geplante documenta Institut große Potentiale besitzt. Meine zukünftige Position in Köln und die bereits bestehende fachliche Verbundenheit ermöglichen aber vielfältige Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und einen intensiven Austausch“, so Nadine Oberste-Hetbleck.


Bis zum Antritt von Birgitta Coers verbleibt die kommissarische Leitung des documenta archivs bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh.


Über das documenta archiv
Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode ins Leben gerufen und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst, insbesondere zu den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen. Neben den documenta Unterlagen sind umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes. Trägerin des documenta archivs ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen. Das documenta archiv wird – in Kooperation mit der Universität und Kunsthochschule Kassel – zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt. Das documenta Institut soll die auf die documenta bezogene Forschung anregen, betreiben, fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen. Ein Neubau ist in Planung.


Ein Porträt von Dr. Birgitta Coers in druckfähiger Auflösung finden Sie hier zum Download. Foto: Fotofabrik Stuttgart

18. Juni 2020

documenta fifteen und lumbung-Praxis. Vorstellung der ersten lumbung-member

ruangrupa: lumbung drawing, image: Iswanto Hartono, 2020

lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. ruangrupa hat der documenta fifteen die Werte und Ideen von lumbung zugrunde gelegt. lumbung als Konzept ist der Ausgangspunkt für die documenta fifteen: Iumbung wird die konkrete Praxis auf dem Weg zur documenta fifteen im Jahr 2022 und danach sein.Mehr

lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. ruangrupa hat der documenta fifteen die Werte und Ideen von lumbung zugrunde gelegt. lumbung als Konzept ist der Ausgangspunkt für die documenta fifteen: Iumbung wird die konkrete Praxis auf dem Weg zur documenta fifteen im Jahr 2022 und danach sein.


Auf www.documenta.de/de/documenta-fifteen gibt ruangrupa einen tieferen Einblick, was sie unter lumbung verstehen und wie es in ihrer kuratorischen Praxis umgesetzt wird. Auch die ersten lumbung-member und das Artistic Team stellen sich individuell vor, indem sie Geschichten über ihre jeweiligen Arbeitsweisen und ihre Verbindung zum Gesamtprojekt teilen.

29. April 2020

documenta gGmbH gewinnt Dr. Nadine Oberste-Hetbleck als neue Direktorin des documenta archivs

Dr. Nadine Oberste-Hetbleck wird zum 1. August 2020 Direktorin des documenta archivs. Sie folgt damit auf Dr. Birgit Jooss, die das erst Anfang 2016 aus der Obhut der Stadt Kassel in die Verantwortung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH übergebene Archiv seit Sommer 2016 leitete. In ihrer Funktion wird Oberste-Hetbleck nun auch den Aufbau des documenta Instituts mitgestalten, das zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kooperation mit dem Bund, dem Land Hessen, der Stadt Kassel und der Universität Kassel entsteht.Mehr

Dr. Nadine Oberste-Hetbleck wird zum 1. August 2020 Direktorin des documenta archivs. Sie folgt damit auf Dr. Birgit Jooss, die das erst Anfang 2016 aus der Obhut der Stadt Kassel in die Verantwortung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH übergebene Archiv seit Sommer 2016 leitete. In ihrer Funktion wird Oberste-Hetbleck nun auch den Aufbau des documenta Instituts mitgestalten, das zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kooperation mit dem Bund, dem Land Hessen, der Stadt Kassel und der Universität Kassel entsteht.


Seit 2015 bekleidet Dr. Nadine Oberste-Hetbleck (geb. 1978) die Juniorprofessur für „Kunstgeschichte und Kunstmarkt“ am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln. Darüber hinaus hatte sie von universitärer Seite die wissenschaftliche Leitung des An-Instituts Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK bis zu dessen Überführung (2020) in die Universität zu Köln inne. Im Rahmen ihrer bisherigen Forschungen und Aktivitäten befasst sich Oberste-Hetbleck insbesondere mit historischen und gegenwärtigen Kunstmarktstrukturen sowie dem zeitgenössischen Ausstellungswesen. Sie bringt damit einschlägige Erfahrungen für die Leitung des documenta archivs und die Weiterentwicklung des Archivs zum Forschungsinstitut mit. In ihrer Lehrtätigkeit am Kunsthistorischen Institut verantwortete Dr. Nadine Oberste-Hetbleck den Master-Schwerpunkt Kunstmarkt und entwickelte Formate, die die Vermittlung von Archivthemen in den Mittelpunkt stellten. Auch die documenta und ihre Geschichte standen dabei immer wieder im Fokus.


Ihre Tätigkeit ist durch fächerübergreifende Forschung, innovative Zugänge und internationale Vernetzung geprägt: „Interdisziplinarität, Digitalisierung und Kooperation sind mir immer ein großes Anliegen gewesen. Ich freue mich sehr darauf, diesen Fokus in die zukünftige Gestaltung des documenta archivs einzubringen. Mit seinen einzigartigen Beständen zu den Weltkunstausstellungen wird das Archiv den Nukleus des neu entstehenden documenta Instituts bilden. Auf dem Weg dahin, gilt es intensiv mit den Beständen zu arbeiten, diese zu erschließen und sie für die Vermittlung und Erforschung aktiv zu nutzen“, so Nadine Oberste-Hetbleck.


Die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, die Stadt Kassel und das Land Hessen, begrüßen die Wahl der Findungskommission. Aufsichtsratsvorsitzender der documenta gGmbH Oberbürgermeister Christian Geselle konstatiert: „Mit Dr. Nadine Oberste-Hetbleck gewinnt Kassel eine starke Archivleiterin und Kunsthistorikerin. Ich bin überzeugt davon, dass sie das documenta archiv mit ihren Fachkenntnissen gerade beim Aufbau des documenta Instituts weiterentwickeln und prägen kann.“


Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, ist sich sicher: „Dr. Nadine Oberste-Hetbleck wird ihre Kompetenzen im Bereich der Wissenschafts- und Archivvermittlung einsetzen, um die Bestände des einzigartigen documenta archivs überregional und international sichtbar und für das documenta Institut fruchtbar zu machen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“.


Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, betont: „Die Findungskommission konnte aus einem sehr guten Bewerber*innenfeld wählen. Ausschlaggebend für die einstimmige Entscheidung war letztlich, dass Dr. Nadine Oberste-Hetbleck auf weitreichende Erfahrung in den unterschiedlichen Anforderungsbereichen dieses spezifischen Archivs und seinen anstehenden Entwicklungsherausforderungen zurückblicken kann.“ Nadine Oberste-Hetbleck wird ihren Posten zum 1. August 2020 antreten. Bis dahin verbleibt die kommissarische Leitung bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh.


Über das documenta archiv
Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode ins Leben gerufen und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst, insbesondere zu den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen. Neben den documenta Unterlagen sind umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes. Trägerin des documenta archivs ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen. Das documenta archiv wird – in Kooperation mit der Universität und Kunsthochschule Kassel – zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt. Das documenta Institut soll die auf die documenta bezogene Forschung anregen, betreiben, fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen. Ein Neubau ist in Planung.


Ein Porträt von Dr. Nadine Oberste-Hetbleck in druckfähiger Auflösung finden Sie hier zum Download. Foto: Helmar Mildner.

6. Februar 2020

documenta archiv erhält Vorlass von Bazon Brock
Hubert Burda finanziert Erschließung

Das documenta archiv erhält als Schenkung den bedeutenden Vorlass des renommierten Denkers, Kunstvermittlers, Kunstkritikers, Künstlers und Professors Bazon Brock. Bazon Brock hat u.a. die „Besucherschulen“ der documenta begründet und damit die Vermittlung zeitgenössischer Kunst als kritische eigenständige Praxis mit übergeordneten kulturellen Zielen etabliert.Mehr

Das documenta archiv erhält als Schenkung den bedeutenden Vorlass des renommierten Denkers, Kunstvermittlers, Kunstkritikers, Künstlers und Professors Bazon Brock. Bazon Brock hat u.a. die „Besucherschulen“ der documenta begründet und damit die Vermittlung zeitgenössischer Kunst als kritische eigenständige Praxis mit übergeordneten kulturellen Zielen etabliert.

Der nun übergebene umfangreiche Vorlass ist das Zeugnis jahrzehntelanger Arbeit Bazon Brocks in der „Denkerei“ in Berlin und dem Studio in Wuppertal. Er umfasst u.a. Siebdrucke, Korrespondenzen, Dias, Fotos, Lehrmaterialien, Bild- und Tonmaterial, Publikationen, Presseausschnitte, Kunstobjekte, digitale Daten sowie 2.000 Titel seiner Bibliothek mit Anmerkungen und Verweisen, die Einblick in seine Arbeitsweise ermöglichen.

Für das zur documenta und Museum Fridericianum gGmbH gehörende documenta archiv bedeutet die Übernahme des umfassenden Konvoluts einen wertvollen Zugewinn in seinem Kernbestand und in Hinblick auf das entstehende documenta Institut. Zusammen mit dem Nachlass von Arnold Bode bildet der Vorlass auch das Fundament des weiter auszubauenden Kurator*innen Zentrums.

Flankiert wird die Schenkung durch eine großzügige Spende von Dr. Hubert Burda. Sein Engagement ermöglicht die Erschließung des Konvoluts, die die Grundlage für eine öffentliche Nutzung und wissenschaftliche Auseinandersetzung bildet. Hubert Burda – der dieser Tage seinen 80. Geburtstag feiert – und Bazon Brock verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft, die u.a. auf dem gemeinsamen kritischen Denken und einer produktiven Streitkultur fußt. Hubert Burda vor diesem Hintergrund: „Eine meiner größten Leistungen ist es vielleicht, dass ich es über 50 Jahre mit ihm ausgehalten habe.“ Dass sein Archiv und Teile seiner Sammlung an das documenta archiv übergeben und dort entsprechend als „geordneter Vorlass“ aufbereitet werden können, ist für Bazon Brock von großer Wichtigkeit: „Es bedeutet mir viel, einen so passenden Ort für mein Lebenswerk gefunden zu haben, an dem es der Öffentlichkeit zugänglich sein kann.“

Christian Geselle, Oberbürgermeister der Stadt Kassel und Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, freut sich über die Schenkung: „Dies ist ein großer Gewinn für die documenta Stadt Kassel. Dass ein so zentraler Vorlass für Kassel gewonnen werden konnte, zeigt, welch riesiges Potenzial das erst vor gut drei Jahren aus der Obhut der Stadt an die documenta und Museum Fridericianum gGmbH übergebene documenta archiv für die Geschichtsschreibung der documenta und auch der Entwicklung der zeitgenössischen Kunst und Kunstvermittlung hat.“ Auch das Land Hessen begrüßt den Zugewinn. Die hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn: „Die documenta rückt Hessen regelmäßig in den internationalen Fokus und begeistert alle, die sich für Kunst interessieren. Neben der großen kulturellen Strahlkraft geht es aber auch darum, die Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen und ihnen die documenta erlebbar zu machen. Für die Kulturvermittlung hat Bazon Brock entscheidende Arbeit geleistet. Ich freue mich sehr, dass er dem documenta archiv als Gedächtnis der Weltkunstausstellung sein bedeutendes Lebenswerk überlässt. Es in Hessen zu wissen, wird das Land weiter als ein Zentrum dieser Kunstvermittlung stärken.“

Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, betont die Bedeutung der Schenkung: „So breit das Wirken Bazon Brocks als Universalpoet, Lehrer der Ästhetik, Autor, Redner und Schöpfer der Besucher- und Bürgerschulen war und ist, so vielfältig, universalistisch und kontrastreich ist der Vorlass, den wir jetzt als Schenkung für das documenta archiv erhalten haben. Dass Hubert Burda sich zudem entschlossen hat, uns eine so großzügige Spende für die Arbeit mit dem Vorlass zukommen zu lassen, ermöglicht erst die adäquate Erschließung. Wir sind Bazon Brock und ihm zu großem Dank verpflichtet. Auch die scheidende Direktorin des documenta archivs, Dr. Birgit Jooss und ihr Team haben mit jahrelangem Einsatz und professioneller Arbeit dafür gesorgt, dass der Vorlass für Kassel gesichert werden konnte.“ Die Übernahme des vollständigen Vorlasses wird nach baulicher Fertigstellung des derzeit in Gründung befindlichen documenta Instituts erfolgen. Die Erschließungsarbeit beginnt zuvor.


Bildmaterial zum Download finden Sie hier.


Bazon Brock
Prof. Dr. Bazon Brock (1936 als Jürgen Johannes Hermann Brock geboren) studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaften. Er war Schüler Adornos, Lyriker, Dramaturg, Künstler und Professor für Ästhetik und wird als Vertreter der Fluxus-Bewegung betrachtet. Er ist der Begründer der „Besucherschule“, die zu den documenta Ausstellungen 4, 5, 6 und 7 durchgeführt und auch zur documenta 8 und 9 prägend blieb. Das Konzept trat 1968 für eine neuartige Kunstvermittlung an, die das Publikum visuell alphabetisieren wollte: Ziel sollte es sein, ein in der Breite qualifiziertes, mündiges Kunstpublikum auszubilden. Bekannt wurde das Konzept insbesondere auch mit dem „audiovisuellen Vorwort“ der documenta 5.


documenta archiv

Das documenta archiv ist Teil der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Es verwahrt die schriftlichen, bildlichen und elektronischen Dokumente, die im Zusammenhang mit den documenta Ausstellungen entstehen. Mit seinen einzigartigen Beständen des Aktenarchivs, der Mediensammlung und der Bibliothek bildet das documenta archiv auch den Nukleus des zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kooperation mit dem Bund, dem Land Hessen, der Stadt Kassel und der Universität Kassel entstehenden documenta Instituts. Das Institut wird die auf die documenta bezogene Forschung anregen, betreiben und fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen.

31. Januar 2020

Presseeinladung: Forrest Bess im Fridericianum


Ausstellung: Forrest Bess
15. Februar – 6. September 2020 (verlängert)
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr


Ausstellung: Forrest Bess
15. Februar – 6. September 2020 (verlängert)
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Ausstellungseröffnung: Freitag, 14. Februar 2020, 19 Uhr
Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 13. Februar 2020, 11 Uhr
Es sprechen:
Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und bitten um Anmeldung unter press@fridericianum.org.


Das Fridericianum zeigt die erste Ausstellung zum Schaffen des US-amerikanischen Malers Forrest Bess in Deutschland seit über 30 Jahren


Die Ausstellung im Fridericianum stellt das bemerkenswerte und ungewöhnliche Schaffen von Forrest Bess erstmals seit 1989 einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland vor. Durch die Präsentation von mehr als 70 Werken aus institutionellen und privaten Sammlungen wird der künstlerische Wandel von konventionelleren, gegenständlichen Formulierungen hin zu den sogenannten „visionären“ Malereien – den biomorphen Abstraktionen – dargestellt, die sein Hauptwerk bilden. Zudem wird durch die Integration ausgewählter Korrespondenzen sowie weiterer archivalischer Quellen die Biografie von Bess behutsam nachgezeichnet und zugleich Hintergrundinformationen zu seinen kunsttheoretischen Ansätzen, dem Umgang mit seiner Homosexualität oder seinen Theorien zum Hermaphroditismus geliefert. Dabei verdeutlicht die Beleuchtung von Leben und Werk, welche nicht zuletzt auch durch zeitgenössische Künstler*innen wie Tomma Abts, James Benning, Robert Gober, Richard Hawkins, Henrik Olesen oder Amy Sillman stark rezipiert wurden, die Relevanz, die Bess für die Gegenwart hat.


Forrest Bess: Leben und Werk


Der Maler Forrest Bess, 1911 in Bay City, Texas, geboren und 1977 ebendort verstorben, gilt als herausragende und schwer zu greifende Persönlichkeit der amerikanischen Nachkriegskunst. Sowohl sein Werk als auch seine Lebensführung entsprachen nur bedingt den damaligen Konventionen. So führte Bess ab der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre ein recht isoliertes Leben in der Bucht von Chinquapin bei Bay City, Texas, wo er sich als Fänger und Verkäufer von Fischködern betätigte. In dieser Zeit begann er systematisch, kleinformatige Bilder anzufertigen, anhand derer er seine Visionen festhielt, die er an der Schwelle zwischen Wachzustand und Schlaf erlebte. Diese Arbeiten, die er ab 1951 in einer gewissen Regelmäßigkeit ausstellte, zeigen Symbole, Formen und Räume, die sich nicht eindeutig dechiffrieren lassen und die im Bereich der biomorphen Abstraktionen verortet werden können. Für Bess manifestierten sich in den Bildwelten unterbewusste Erfahrungen und Erinnerungen der Menschheit. Dementsprechend betrieb er seine Auseinandersetzung mit ihnen wie eine intensive Forschungsarbeit. Er studierte Texte zur Mythologie, Kunstgeschichte, Psychologie und Sexualwissenschaft, die er in unzähligen Niederschriften und Korrespondenzen verarbeitete, ohne die Rätselhaftigkeit seines Schaffens jemals aufzulösen. Dabei gelangte er im Laufe der Zeit zu der Überzeugung, dass er durch die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen Unsterblichkeit erlangen könnte. Während der 1950er-Jahre mündete sein Glaube schließlich in medizinischen Eingriffen an seinen Genitalien, durch die er versuchte, zu einem „Pseudo-Hermaphroditen“ zu werden. Für Bess stand das künstlerische Werk in enger Beziehung zum Leben, welches in der umschriebenen Intensität und der spezifischen Eigenart als Unterscheidungsmerkmal zu Künstlern wie Barnett Newman, Jackson Pollock, Mark Rothko oder Clyfford Still angesehen werden kann, die wie er in der legendären Betty Parsons Gallery ausstellten. Aber nicht nur hinsichtlich dieses Gesichtspunktes lässt sich eine Differenz zu den heutzutage als Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus geltenden Künstlern ausmachen. Auch das intime Format von Bess’ Werken steht der Monumentalität der Gemälde seiner Kollegen gegenüber. Zudem sind die Arbeiten von Bess weder durch einen wiedererkennbaren Stil noch durch eine stringente Entwicklung geprägt. Wenngleich die Werke von Bess als Abstraktionen durchaus in den zeitgeschichtlichen Kontext passen, beschritt er mit seinen „visionären“ Bildern doch ganz eigene Wege. Dies hatte einen erheblichen Anteil daran, dass er für Generationen von nachfolgenden Kunstschaffenden als Referenzpunkt einzuordnen ist.

Nach seinem Tod erfuhr Bess insofern Würdigungen durch verschiedene institutionelle Einzelausstellungen. Den Anfang markierte 1981 eine Schau im Whitney Museum of American Art in New York, an die 1988 eine Wanderausstellung mit Stationen im Museum of Contemporary Art in Chicago sowie im San José Museum of Artin San José anschloss, die 1989 ihren Abschluss im Museum Ludwig in Köln fand. 2013 und 2014 folgte die Ausstellungstournee Seeing Things Invisible, die in The Menil Collection in Houston, im Hammer Museum in Los Angeles, im Neuberger Museum of Art in Purchase sowie im Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive in Berkeley Halt machte. Zusammen mit der von Robert Gober initiierten Gegenüberstellung von Bess’ Texten und Werken im Rahmen der Whitney Biennial 2012 bildete diese Tournee den vorläufigen Höhepunkt der Rezeption dieses visionären Malers. Die Ausstellung im Fridericianum knüpft an die genannten Präsentationen an und aktualisiert erstmals seit 1989 die Rezeption des Werkes von Forrest Bess im deutschen Kontext.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

20. Januar 2020

Dr. Birgit Jooss mit neuer Aufgabe

Die Direktorin des documenta archivs, Dr. Birgit Jooss, scheidet zu Februar 2020 aus, um sich aus familiären Gründen nach über dreieinhalb Jahren in dieser Position wieder in Richtung ihrer Heimatstadt München zu orientieren. Mehr

Die Direktorin des documenta archivs, Dr. Birgit Jooss, scheidet zu Februar 2020 aus, um sich aus familiären Gründen nach über dreieinhalb Jahren in dieser Position wieder in Richtung ihrer Heimatstadt München zu orientieren.

Die Kunsthistorikerin und Archivarin wechselt gleichzeitig zum renommierten Zentralinstitut für Kunstgeschichte, wo sie die wissenschaftliche Aufarbeitung eines für die Provenienzforschung bedeutenden Kunsthändlerarchivs verantworten wird. Dr. Birgit Jooss leitete das documenta archiv seit Juli 2016. Sie steuerte erfolgreich die Neuaufstellung des erst ein halbes Jahr zuvor aus städtischer Obhut in die documenta und Museum Fridericianum gGmbH übergebenen Archivs. Unter ihrer Leitung öffnete sich das documenta archiv für die Bevölkerung, indem beispielweise der öffentliche Lesesaal sowie regelmäßige Veranstaltungs- und Vortragsreihen etabliert wurden. Ein neues Corporate Design und eine neue Website geben dem documenta archiv ein zeitgemäßes Gesicht nach außen.

Mit ihrem Team entwickelte und begleitete Dr. Birgit Jooss außerdem Symposien und Ausstellungen von überregionaler Strahlkraft. Die zusammen mit der Universität Kassel und der Museumslandschaft Hessen Kassel gestaltete Schau zum Bauhaus-Jubiläum „bauhaus I documenta“ zog 2019 über 10.000 Besucher*innen in die Neue Galerie. Mit „about: documenta“ richtete das documenta archiv in Kooperation mit der Museumslandschaft Hessen Kassel die erste Dauerausstellung zur documenta ein. Weitere Kooperationen, z. B. mit dem Deutschen Historischen Museum in Berlin, sind angelaufen.

„Trotz großem Verständnis für die familiäre Situation bedauern wir ihren Weggang sehr, denn Birgit Jooss hat nicht zuletzt auch die Erweiterung der Archivbestände und deren Erschließung ebenso wie die Entwicklung zum documenta Institut deutlich vorangebracht“, so die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann: „Damit hat sie wesentlich dazu beigetragen, das documenta archiv zukunftsorientiert zu gestalten.“

Die kommissarische Direktion des documenta archivs wird – wie schon vor dem Antritt von Frau Dr. Jooss – der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh, übernehmen. Eine Findungskommission wird den Prozess der Neubesetzung begleiten.

Über das documenta archiv
Das documenta archiv ist Teil der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Es verwahrt die schriftlichen, bildlichen und elektronischen Dokumente, die im Zusammenhang mit den documenta Ausstellungen entstehen. Mit seinen einzigartigen Beständen des Aktenarchivs, der Mediensammlung und der Bibliothek bildet das documenta archiv auch den Nukleus des zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kooperation dem Bund, dem Land Hessen, der Stadt Kassel und der Universität Kassel entstehenden documenta Institut. Das Institut soll die auf die documenta bezogene Forschung anregen, betreiben und fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen.

22. Oktober 2019

Presseeinladung: Rachel Rose

Ausstellung: Rachel Rose
26. Oktober 2019 – 12. Januar 2020
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 KasselMehr

Ausstellung: Rachel Rose
26. Oktober 2019 – 12. Januar 2020
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Pressevorbesichtigung: Freitag, 25. Oktober 2019, 11.30 Uhr (die Künstlerin wird anwesend sein).
Eröffnung: Freitag, 25. Oktober 2019, 19 Uhr
Wir freuen uns über Anmeldung unter: press@fridericianum.org


In Rachel Roses erster großer Einzelausstellung in Deutschland präsentiert die Künstlerin (geb. 1986 in New York) im Fridericianum in Kassel ausgewählte Videoinstallationen und eine Reihe neuer Skulpturen. Rose sorgte in den letzten Jahren mit fesselnden Videoinstallationen und Filmen auf internationaler Eben für Aufsehen. Die Schau bietet mit einer Auswahl von fünf filmischen Arbeiten einen Überblick über ihr Schaffen: Sitting Feeding Sleeping (2013), Everything and More (2015), Lake Valley (2016), Autoscopic Egg (2017) und Wil-o-Wisp (2018). Diese Werke werden im Fridericianum zusammen mit einer Gruppe neuer Skulpturen gezeigt, so dass es sich bei der Zusammenstellung um die bislang größte Einzelausstellung der Künstlerin handelt.
Als charakteristische Beispiele für Roses künstlerische Herangehensweise bilden diese Arbeiten je eigene Antworten auf Fragestellungen, denen ihr besonderes Interesse gilt. Trotz der Vielfalt der Motive zeichnet sich die untrennbare Verbindung zwischen unserem Verhältnis zur Landschaft, dem Geschichten-Erzählen und Glaubenssystemen als großes Thema ihres Werks ab. Im Glauben an übernatürliche Kräfte in der Neuzeit (Wil-o-Wisp) und in Zukunftsvisionen, wie sie die heutige Wissenschaft zeichnet (Sitting Feeding Sleeping), zeigt die Künstlerin Ähnlichkeiten in der Auffassung von Sterblichkeit auf. Arbeiten wie Lake Valley und Everything and More wiederum malen ungewöhnliche Erlebnisse und Sinneserfahrungen aus – von Kindern, die in Märchen von ihren Eltern verlassen werden, bis zur Schwerelosigkeit im Weltall –, aus denen wir etwas darüber lernen können, was es heißt, ein Mensch zu sein. So zeichnet die Ausstellung nach, wie Rose grundlegende existenzielle Fragen in Bilder fasst und im Rückgriff auf die Vergangenheit untersucht, wie gegenwärtige Verhältnisse unser Verständnis von Vergänglichkeit prägen.


Mit dem Einsatz und der Weiterentwicklung vielfältiger filmischer Techniken wie der Collage existierenden Materials oder – in ihren jüngsten Arbeiten – erzählenden Formen, schreibt Roses Werk sich in die lange Geschichte innovativer Filmpraxis ein. Bei aller Verschiedenheit der Herangehensweisen hat die Künstlerin zugleich eine charakteristische Form der Projektion und Installation entwickelt, die die Zuschauer in eine körperlich und psychologisch bewegende Erfahrungswelt aus Filmbildern und Klängen eintauchen lässt. Neben ihren Videoinstallationen wird im Fridericianum auch eine Reihe neuer skulpturaler Objekte aus Glas und diversen Mineralien zu sehen sein, denen die Eiform zugrunde liegt; sie scheint in Roses Werk oft auf, zuletzt in materieller Gestalt in Autoscopic Egg und den mundgeblasenen Linsen Optical Eggs (2018–19), die Teil der Installation des Videos Wil-o-Wisp sind. Aus der Serie mit dem Übertitel Born (2019–) werden neun eigens gefertigte Arbeiten in einem speziell für die Ausstellung entworfenen ovalen Raum gezeigt. Trotz der Anklänge an die verbreitete Symbolik des Eis als Zeichen für Fruchtbarkeit, Fortpflanzung und Verwandlung stehen diese Skulpturen zugleich beispielhaft für Roses jüngere künstlerische Praxis, von der sie verschiedene wesentliche Aspekte aufnehmen: die Geschichte des Glases, Topografie und das Collagieren von Materialien – Themen und Techniken, die sie immer wieder aufgreift.

8. August 2019

Presseeinladung: Launch der Virtuellen Ausstellung
„Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche“
Donnerstag, 15.8.2019, 18:30 Uhr


Liebe Medienvertreter/innen,
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Liebe Medienvertreter/innen,

zum Launch der Virtuellen Ausstellung „Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche“ laden wir Sie sehr herzlich ein.


Donnerstag, 15.8.2019, 18:30 Uhr Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Es handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der Sie als Medienvertreter/innen herzlich willkommen sind.


Über Ihre Voranmeldung an presse@documenta.de freuen wir uns.


Ablauf

Grußwort: Eva Claudia Scholtz, Hessische Kulturstiftung

Einführung: Dr. Birgit Jooss, Direktorin des documenta archivs und Kuratorin

Inhaltliche Vorstellung im Kurzgespräch mit Verena Bornmann, Laura Diermann, Martin Groh, Harald Kimpel und Andrea Linnenkohl

Diskussion

ab 20 Uhr Gespräche und Umtrunk


Zur Virtuellen Ausstellung

„Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche“

Die erste Virtuelle Ausstellung des documenta archivs geht der Frage nach, auf welche Weise sich Bauhaus-Konzepte in die documenta Idee eingeschrieben haben. Sie ist ab 15.8.2019 unter www.documenta-bauhaus.de online. Die Spurensuche verfolgt in einer kunsthistorischen Herangehensweise, inwieweit die ersten vier documenta Ausstellungen auf das Bauhaus Bezug genommen haben oder von ihm beeinflusst wurden. Betrachtet werden die wichtigsten Akteure,   die involvierten Institutionen, die ausgestellten Werke, das Kunstverständnis sowie das visuelle Erscheinungsbild der documenta. Neben einer anschaulichen Bebilderung werden zahlreiche effektvolle Features, Querverweise und Hintergrundinformationen die Narrative bereichern. Mit fast 300 Werken waren siebzehn Bauhausmeister und -schüler auf den ersten documenta Ausstellungen vertreten. Auch das visuelle Erscheinungsbild der documenta weist in den ersten Jahrzehnten Parallelen zur Bauhausgrafik auf. Die Virtuelle Ausstellung dokumentiert diese Bezüge und stellt in kurzweiligen Stories und Close-ups involvierte Personen, Institutionen und Kunstwerke vor. Die verantwortliche Kuratorin, Dr. Birgit Jooss, Direktorin des documenta archivs, betont: „Wir verstehen unsere erste Virtuelle Ausstellung als eine kuratierte Präsentation im Internet, die von einem relevanten Thema ausgeht, formal konsequent in genau diesem Medium umgesetzt und in sich abgeschlossen ist. Wichtig ist es uns dabei, nicht nur die Menschen vor Ort, sondern alle Menschen weltweit erreichen zu können.“ Gefördert wurde das Vorhaben großzügig von der Hessischen Kulturstiftung. Die Geschäftsführerin Eva Claudia Scholtz betont: „Dank einer interdisziplinären Kooperation rund um das documenta archiv in Kassel gewinnen wir einen Eindruck von der ambivalenten Bedeutung des Bauhauses als historischem Horizont für die ersten documenta Ausstellungen. Ich freue mich, dass in seinem Jubiläumsjahr die Beziehungen der großen Kasseler Kunstschau zum Bauhaus und seinen Künstlern kritisch gewürdigt werden.“


Die Narrative der Virtuellen Ausstellung
Die Virtuelle Ausstellung präsentiert insgesamt neun längere Stories und vierzehn kürzere Close-ups


Stories

Arnold Bodes erster Plan zur documenta: Kunst über Länder- und Gattungsgrenzen hinweg

Bauhaus-Künstler auf der ersten documenta, 1955

b + d – Ein Vergleich des Erscheinungsbildes

Bauhaus-Künstler auf der zweiten documenta, 1959

Erfahrungen und Grundsätze des Bauhauses für die neue Kasseler Werkakademie der Nachkriegszeit

Kassel in den 1920er-Jahren – Kontakte zum Bauhaus

Angewandte Kunst und Design – Die ersten drei documenta Ausstellungen und ihr Bezug zu Bauhaus-Ideen

Arnold Bodes Kontakte im Berlin der frühen 1930er-Jahre

Bauhaus-Künstler auf der dritten documenta, 1964


Close-ups
Werner Haftmann, die graue Eminenz der documenta

„Ein Pantheon von überlegenen Männern“: Bauhaus-Künstler in Fotoportraits

„Quintessenz“ des Neuen Bauens: Bauhaus-Architekturen in Fotoportraits

Ludwig Grote und seine Bauhaus-Ausstellung in München 1950 – ein Vorbild?

Fritz Winter – vom Bauhaus zur documenta

Hans Soeder und die Reformierung der Kasseler Kunstakademie der 1920er-Jahre

Die göppinger galerie in Frankfurt

Arnold Bode als Gestalter

Die Tapetenfabrik Rasch – eine Zusammenarbeit mit dem Bauhaus und Arnold Bode

Das städtische Werklehrer-Seminar in Berlin

Die Krolloper in Berlin – Verbindungen nach Kassel und Dessau (1927–1933)

„Müssen deutsche Formgeber grimmig sein?“ – Der Fall Wagenfeld

Primärfarben und -formen beim Bauhaus

Brian Jungens „Dog Run“ auf der documenta 13

28. Mai 2019

Fridericianum startet Ausstellungsprogramm mit Lucas Arruda und Ron Nagle


Ausstellungen
Lucas Arruda Deserto-Modelo
Ron Nagle Euphoric Recall
6. Juni bis 8. September 2019
Eröffnung: Mittwoch, 5. Juni 2019, um 19 Uhr (BBQ ab 18 Uhr)Mehr


Ausstellungen
Lucas Arruda Deserto-Modelo
Ron Nagle Euphoric Recall
6. Juni bis 8. September 2019
Eröffnung: Mittwoch, 5. Juni 2019, um 19 Uhr (BBQ ab 18 Uhr)


Pressevorbesichtigung: Dienstag, 4. Juni 2019, 11.30 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel


Es sprechen:
Begrüßung: Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Einführung: Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum
Rundgang durch die Ausstellungen mit Moritz Wesseler


Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.
Um Anmeldung wird gebeten unter press@fridericianum.org


Zu den Ausstellungen:


Die Ausstellungen Deserto-Modelo von Lucas Arruda und Euphoric Recall von Ron Nagle markieren den Programmbeginn des neuen Fridericianum-Direktors Moritz Wesseler.


Mit Lucas Arruda und Ron Nagle werden zwei Künstler vorgestellt, die für sehr unterschiedliche Aspekte der gegenwärtigen Kunstproduktion stehen und sich zugleich in verschiedenen Phasen innerhalb der Entwicklung ihrer künstlerisch-gedanklichen Sprache befinden. Während Arruda als Maler arbeitet, aus Südamerika stammt und mit Mitte dreißig bereits ein bemerkenswert klares Werk formuliert hat, das aktuell am Beginn der internationalen Wahrnehmung steht, betätigt sich Nagle als Plastiker, hat seine Wurzeln in Nordamerika und kann mit einem sechs Jahrzehnte umspannenden und konsistenten Werk als Meister seines Metiers angesehen werden. Dabei ist beiden Künstlern die leidenschaftlich-obsessive Konzentration auf ihre Themenfelder und Werkbereiche gemein, die die Basis für die Singularität ihres Schaffens bildet.


Auf die Präsentationen von Arruda und Nagle folgen im Oktober 2019 eine umfangreiche Werkschau der 1986 geborenen, mit zeitbasierten Medien und Skulptur arbeitenden Künstlerin Rachel Rose sowie im Februar 2020 die seit über dreißig Jahren größte europäische Ausstellung über das Schaffen des 1977 verstorbenen Malers Forrest Bess. Somit rückt Moritz Wesseler im Rahmen seiner Programmatik für das Fridericianum zum einen Künstlerinnen und Künstler in den Fokus, denen in Deutschland institutionell bislang noch keine Plattform geboten wurde, und bietet zum anderen die Möglichkeit, historische Positionen wiederzuentdecken, die lange Zeit keine Sichtbarkeit hatten, obwohl sie für die aktuellen Diskurse eine große Relevanz aufweisen.


Lucas Arruda Deserto-Modelo
Unter dem Titel Deserto-Modelo präsentiert das Fridericianum die erste größere institutionelle Einzelausstellung des 1983 in São Paulo geborenen Künstlers Lucas Arruda. Sein Schaffen umfasst Gemälde, Grafiken, Lichtinstallationen, Diaprojektionen und Filme. Es reflektiert die hingebungsvolle und intensive Auseinandersetzung mit einem breiten Themenspektrum, das vom konzeptuellen Rahmenwerk der Gattung Malerei bis hin zu den existenzialistischen Bedingungen des Lebens reicht. Besonderes Augenmerk legt Arruda auf die Darstellung von Landschaften und Seestücken, wobei er in seinen Werken nie auf konkrete Orte Bezug nimmt. Es geht ihm vielmehr um das Festhalten der imaginären Bilder, die durch Gedanken und Erinnerungen an sie hervorgerufen werden, sowie um die Erforschung der damit verbundenen Lichtverhältnisse, Atmosphären und Emotionen. Dabei sind viele seiner Arbeiten von einer derartigen Abstraktion geprägt, dass der Landschaftsbezug lediglich durch die unterschiedlich präsenten Horizontlinien suggeriert wird.


Unabhängig vom Grad ihrer Lesbarkeit bewirken seine visuellen Formulierungen einen Moment der Entschleunigung und Konzentration, der in den immer schneller werdenden Zeiten überrascht und mit eindringlicher, aber stiller Kraft auch die Frage aufwirft, welchen Rhythmen das Leben in einer globalisierten Welt folgt.


Ron Nagle Euphoric Recall
Seit mehr als sechs Jahrzehnten fertigt Ron Nagle Werke, die sich dadurch charakterisieren lassen, dass sie eine maximale Höhe von 20 cm aufweisen. Trotz ihrer geringen Größe haben die u. a. aus Keramik, Kunststoff, Glasurmitteln und Autolack gefertigten Arbeiten eine Präsenz und Wirkung, die beeindruckender kaum sein könnte. Sie begründet die einmalige Stellung von Nagles Schaffen innerhalb der Gattung Skulptur und ist das Resultat eines Zusammenspiels von ungewöhnlichen Formen, mannigfaltigen Farben und taktilen Oberflächen. So treffen organisch anmutende Volumina auf architektonische Elemente, stehen sich hell-leuchtende und dezent zurückgenommene Farben gegenüber und kontrastieren porös-raue und hochglänzende Oberflächen. Die Werke sind nicht nur ungemein frisch, gefühlvoll und raffiniert, sondern ebenso mysteriös und bisweilen surreal. Zudem verleiht Nagle seinen Arbeiten weitere Bedeutungsebenen, indem er ihnen ausgeklügelte Titel zuschreibt, die zumeist von Wortwitz und Humor durchdrungen sind.


Die Ausstellung von Nagle im Fridericianum ist die erste Einzelpräsentation des 1939 in San Francisco geborenen Künstlers in Deutschland. Anlässlich der Schau, die in Kooperation mit der Wiener Secession realisiert wird, erscheint ein Künstlerbuch.

18. April 2019

Sabine Schormann, Generaldirektorin documenta und Museum Fridericianum gGmbH zur Wiederaufstellung des „Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“ von Olu Oguibe

Dr. Sabine Schormann: „Ich bedauere sehr, dass ich heute nicht vor Ort in Kassel sein kann. Mir bedeutet es viel, dass dieses wichtige documenta 14 Kunstwerk nun dauerhaft zurück in Kassels Mitte ist. Dass der Wiederaufbau am Standort Treppenstraße möglich wurde, ist nicht zuletzt den Kasseler Bürgern zu verdanken, die sich für den Erhalt eingesetzt haben. Ihnen gilt mein großes Dankeschön genauso wie allen Verantwortlichen und dem Künstler, Olu Oguibe. Die Stadtgesellschaft ist nun eingeladen, den Obelisken bei einem Bürgerfest an seinem neuen Standort zu begrüßen. Dazu lädt die Treppe 4 am Samstag den 11. Mai 2019.“Mehr

Dr. Sabine Schormann: „Ich bedauere sehr, dass ich heute nicht vor Ort in Kassel sein kann. Mir bedeutet es viel, dass dieses wichtige documenta 14 Kunstwerk nun dauerhaft zurück in Kassels Mitte ist. Dass der Wiederaufbau am Standort Treppenstraße möglich wurde, ist nicht zuletzt den Kasseler Bürgern zu verdanken, die sich für den Erhalt eingesetzt haben. Ihnen gilt mein großes Dankeschön genauso wie allen Verantwortlichen und dem Künstler, Olu Oguibe. Die Stadtgesellschaft ist nun eingeladen, den Obelisken bei einem Bürgerfest an seinem neuen Standort zu begrüßen. Dazu lädt die Treppe 4 am Samstag den 11. Mai 2019.“

22. Februar 2019

ruangrupa übernimmt Künstlerische Leitung der documenta 15. Erstmals kuratiert ein Künstler*innenkollektiv die Weltkunstausstellung

ruangrupa, ein im Kern zehnköpfiges Kollektiv aus Künstler*innen und Kreativen aus dem indonesischen Jakarta wurde von der internationalen Findungskommission einstimmig zur Künstlerischen Leitung der documenta 15 ausgewählt und vom Aufsichtsrat berufen. Dies gab die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, am heutigen Freitag in Kassel bekannt. Die documenta wird in ihrer fünfzehnten Ausgabe damit erstmals von einem Künstler*innenkollektiv ausgerichtet. Sie findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt.Mehr

ruangrupa, ein im Kern zehnköpfiges Kollektiv aus Künstler*innen und Kreativen aus dem indonesischen Jakarta wurde von der internationalen Findungskommission einstimmig zur Künstlerischen Leitung der documenta 15 ausgewählt und vom Aufsichtsrat berufen. Dies gab die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, am heutigen Freitag in Kassel bekannt. Die documenta wird in ihrer fünfzehnten Ausgabe damit erstmals von einem Künstler*innenkollektiv ausgerichtet. Sie findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt.

Für die achtköpfige Findungskommission begründeten Elvira Dyangani Ose (Direktorin von The Showroom, London) und Philippe Pirotte (Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, und Direktor Portikus, Frankfurt am Main) die einstimmige Wahl wie folgt: „Wir ernennen ruangrupa, weil sie nachweislich in der Lage sind, vielfältige Zielgruppen – auch solche, die über ein reines Kunstpublikum hinausgehen – anzusprechen und lokales Engagement und Beteiligung herauszufordern. Ihr kuratorischer Ansatz fußt auf ein internationales Netzwerk von lokalen Community-basierten Kunstorganisationen. Wir sind gespannt, wie ruangrupa ein konkretes Projekt für und aus Kassel heraus entwickeln wird. In einer Zeit, in der innovative Kraft insbesondere von unabhängigen, gemeinschaftlich agierenden Organisationen ausgeht, erscheint es folgerichtig, diesem kollektiven Ansatz mit der documenta eine Plattform zu bieten.“ ruangrupa kann aus dem Indonesischen mit „Raum der Kunst“, oder auch „Raum-Form“ übersetzt werden. Ein Spannungsfeld, indem sich der zentrale kuratorische Ansatz des Kollektivs bereits andeutet. Farid Rakun und Ade Darmawan, die ruangrupa heute in Kassel vertraten, formulieren ihren dezidiert partizipativen kuratorischen Anspruch für die Weltkunstausstellung 2022: „Wir wollen eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der documenta 15 hinaus wirksam bleibt. Unser kuratorischer Ansatz zielt auf ein anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcennutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen. Wenn die documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten. Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben. Diesen möchten wir partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen, die eine andere Sicht auf die Weltermöglichen.“ 


Das Kollektiv gründete sich im Jahr 2000 in Jakarta, Indonesien. ruangrupa betreibt einen Kunstraum in South Jakarta und realisiert Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Rundfunkformate. Das Kollektiv war an vielen Kooperations- und Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter an Ausstellungen wie der Gwangju Biennale (2002 und 2018), der Istanbul Biennale (2005), der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), der Singapore Biennale (2011), der São Paulo Biennale (2014), der Aichi Triennale (Nagoya, 2016) und Cosmopolis im Centre Pompidou (Paris, 2017). Im Jahr 2016 kuratierte ruangrupa TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnheim, Niederlande. Im Jahr 2018 gründeten die Akteure GUDSKUL, ein Bildungs- und Vernetzungsprojekt für Kreative, das auf kooperativer Arbeit basiert. Bei der documenta 14 war ruangrupa mit ihrem Internetradio als Partner des dezentralen Radioprojekts Every Time a Ear di Soun beteiligt, das vom 8. April bis zum 17. September 2017 acht Radiosender weltweit vernetzte. ruangrupa ist eine gemeinnützige Organisation. Mindestens ein Mitglied der Organisation wird für die Vorbereitung der documenta 15 seinen Lebensmittelpunkt nach Kassel verlegen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta und Museum Fridericianum gGmbH Oberbürgermeister Christian Geselle begrüßt die Wahl der Findungskommission: „Für ruangrupa ist das Prinzip des Netzwerkens zentral. Von Kassel ausgehend werden interdisziplinäre künstlerische Interventionen initiiert: sie lassen die documenta Stadt international sichtbar werden und holen gleichermaßen die (Kunst-) Welt nach Kassel. Unsere Stadt kann dabei nur gewinnen. Nun freue ich mich, dass die documenta auf solch spannende Weise den Blick in die Zukunft richtet.“

Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn betont: „Ich freue mich schon heute darauf, dass in drei Jahren mit der documenta 15 in Kassel wieder die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst stattfinden wird. Das Land Hessen ist stolz darauf, diese Plattform für die Diskussion um Positionen der Kultur von heute und Perspektiven für die Zukunft zu ermöglichen. Mit dem Ausbau des documenta archivs zu einem unabhängigen Forschungsinstitut werden wir die zeitgenössische Kunst in Kassel weiter stärken. Ich beglückwünsche die Findungskommission, die das indonesische Künstlerkollektiv ‚ruangrupa‘ für die künstlerische Leitung der nächsten documenta vorgeschlagen hat und freue mich, dass der Aufsichtsrat diesem Vorschlag gefolgt ist. Die documenta gibt damit bewusst den außereuropäischen Blick auf die Kunstwelt Raum und bringt auf ganz neue Art die Welt nach Hessen. Ruangrupa nutzt Kunst in ihrer Heimat, um öffentliche Angelegenheiten und Probleme zum Thema zu machen. Ich bin gespannt, wie sie diese Idee in die documenta 15 einfließen lassen.“

Hortensia Völckers, Leiterin der Kulturstiftung des Bundes blickt gespannt auf die weitere Entwicklung des Konzeptes: „Als Kulturstiftung des Bundes haben wir uns sehr über den erfolgreichen Verlauf des Findungsprozesses für die Künstlerische Leitung der documenta 15 gefreut und beglückwünschen alle Beteiligten zu einem Ergebnis, das eine interessante und anregende documenta erwarten lässt. Wir freuen uns, Teil dieses Prozesses zu sein und unsere Expertise für ein so renommiertes Ausstellungsprojekt einzubringen.“

Sabine Schormann würdigt den großen Einsatz aller Mitglieder der Internationalen Findungskommission: „Mein Dank gilt der Internationalen Findungskommission für einen engagierten und intensiven Auswahlprozess, der mit der Präsentation von ruangrupa als Künstlerischer Leitung ein starkes Signal für eine lebendige und nachhaltig wirkende documenta 15 sendet. Nun freue mich darauf zu erleben, wie die partizipativen Ansätze im Prozess konkretisiert werden.“ 
 Die Findungskommission der documenta 15 setzt sich aus folgenden Expert*innen zusammen: Ute Meta Bauer, Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art Singapore, Charles Esche, Direktor Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlande; Amar Kanwar, Künstler, Dokumentarfilmer, Neu-Delhi, Indien; Frances Morris, Direktorin Tate Modern London, Großbritannien; Gabi Ngcobo, Kuratorin 10. Berlin Biennale 2018, Deutschland (Südafrika); Elvira Dyangani Ose, Direktorin The Showroom London, England; Philippe Pirotte, Rektor Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Deutschland (Belgien); Jochen Volz Direktor Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien

Bildmaterial zum Download finden Sie hier.

Die Pressekonferenz in voller Länge sehen Sie hier

16. Januar 2019

"Bauhaus | documenta. Vision und Marke", 24.5.–8.9.2019, Neue Galerie, Kassel

Die Ausstellung „Bauhaus | documenta. Vision und Marke“ reflektiert erstmals die beiden Institutionen Bauhaus und documenta im Vergleich. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum 2019 bietet den Anlass, die Entwicklung beider zu Kulturmarken gewordenen Institutionen zu betrachten und damit zugleich kritisch zu hinterfragen: Wo bleiben sich die Marken treu als Verpflichtung zu Innovation und Fortschritt, wo sind sie Teil einer interessensgeleiteten Vereinnahmung? So bietet die Ausstellung zugleich den Blick auf die Rolle und Funktion, die Kunst und Kultur in einer Gesellschaft heute einnehmen können.

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Die Ausstellung „Bauhaus | documenta. Vision und Marke“ reflektiert erstmals die beiden Institutionen Bauhaus und documenta im Vergleich. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum 2019 bietet den Anlass, die Entwicklung beider zu Kulturmarken gewordenen Institutionen zu betrachten und damit zugleich kritisch zu hinterfragen: Wo bleiben sich die Marken treu als Verpflichtung zu Innovation und Fortschritt, wo sind sie Teil einer interessensgeleiteten Vereinnahmung? So bietet die Ausstellung zugleich den Blick auf die Rolle und Funktion, die Kunst und Kultur in einer Gesellschaft heute einnehmen können.

Anhand von Installationen, dokumentarischen Objekten, statistischem Material und einigen hochkarätigen Originalkunstwerken kreiert die Ausstellung einen Parcours über sieben Themenräume, der von der Entstehung und den ersten Visionen beider Kulturinstitutionen bis hin zur heutigen Rezeption reicht. Ausgestellte Künstler/innen sind u.a.: Marianne Brandt, Marcel Breuer, Bazon Brock, Hans Haacke, Wassily Kandinsky, Barbara Klemm, Aleksandr Ptuschko und Gilles Raynaldy.

Flankiert wird die Ausstellung von einer Virtuellen Ausstellung zum Thema „Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche“ sowie einer Publikation, die alle Projektbestandteile umfasst und zur Eröffnung der Ausstellung bei Spector Books erscheint. Zudem wird es ein hochkarätig besetztes Symposium in der Kunsthochschule Kassel (14.–15. Juni 2019) geben, das der Frage nachgeht: „Sind wir wirklich nie modern gewesen? Bauhaus und documenta in Wahlverwandtschaft“.

Zum theoretischen Diskurs Zwei Kultur-Marken und ihre Entwicklung. Die konzeptionellen Überlegungen zur Ausstellung und ihren InhaltenBauhaus und documenta sind zwei global erfolgreiche kulturelle Marken, die für ein weltoffenes, innovatives und modernes Deutschland stehen. Entstanden sind beide vor dem Hintergrund von Zivilisationsbrüchen – beide stehen exemplarisch für die Idee der emanzipativen Kraft von Kunst und Kultur, die das Leben des Einzelnen bereichern, das soziale Zusammenleben reflektieren und den gesellschaftlichen Fortschritt befördern. Während das Bauhaus der Krise der Industrialisierung und den Versehrungen des Ersten Weltkrieges durch angewandte Gestaltung von Dingen, Räumen und Gebäuden begegnen wollte, knüpfte die documenta an die romantische Idee der Auseinandersetzung mit der freien Kunst an, durch die die Menschen wieder zu verantwortlichen Bürgern werden sollten.

Während das Bauhaus neben wie auch als Ergebnis der künstlerischen Auseinandersetzung mit Produkten in die Zukunft unserer öffentlichen wie privaten Lebenswelten „eingreifen“ wollte und schnell sich selbst als Marke mit vielen Untermarken ausbildete, musste sich die documenta immer wieder aufs Neue und bis heute an ihrer Bedeutung als Marke – an der Schnittstelle zur Vermarktung und den Ansprüchen einer erfolgreichen eigenen „Wirtschaftlichkeit“ „abarbeiten“ und ihre eigene Autonomie schützen. Obschon beide in ihren unterschiedlichen Entwicklungen vielfältigem Wandel unterworfen waren und sind, haben sich ihre Ansprüche erhalten und prägen bis heute die Wahrnehmung und das Selbstverständnis beider Marken – in ihren Motiven, ihren Strategien und ihren Erfolgen.

Ein Projekt des documenta archivs und der Universität Kassel in Kooperation mit der Museumslandschaft Hessen Kassel

Projektleitung Birgit Jooss, Philipp Oswalt

Kuratoren der Ausstellung Philipp Oswalt, Daniel Tyradellis

Kuratorin der Virtuellen Ausstellung Birgit Jooss

Konzeption des Symposiums Heinz Bude

www.documenta-archiv.de/bauhaus-documenta

29. November 2018

Weichen für documenta 15 gestellt
Jahresabschluss documenta 14 festgestellt

In ihrer Sitzung am gestrigen Mittwoch, den 28. November 2018, haben die Gremien der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zentrale Weichen für die Zukunft der documenta gestellt.Mehr

In ihrer Sitzung am gestrigen Mittwoch, den 28. November 2018, haben die Gremien der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zentrale Weichen für die Zukunft der documenta gestellt.

Zum einen wurde der Wirtschaftsplan für das Jahr 2019 beschlossen, zum anderen die Eckwerte des 5-Jahresplans bis zum Jahr 2023 erörtert mit dem Ziel, die Planungen und die Umsetzung der documenta 15 abzusichern, die vom 18. Juni 2022 bis zum 25. September 2022 stattfinden wird.

Die Budgetplanung für die documenta 15 soll mit Blick auf künstlerische Erfordernisse sowie allgemeine Kostensteigerungen, höhere Anforderungen an Sicherheit, Nachhaltigkeit und Besucherservice eine angemessene Erhöhung vorsehen.

Im Vorfeld wurden in 2018 bereits erste Strukturveränderungen der documenta und Museum Fridericianum gGmbH initiiert, um eine kontinuierliche Qualität und Grundstruktur sicherzustellen, auf die die künftigen künstlerischen Teams aufsetzen können. Dazu gehört u. a. der Aufbau eines Controllings sowie die Einrichtung einer Stabsstelle Kommunikation und Marketing.

Mit der Feststellung des nun vorliegenden Jahresabschlusses 2017 übernehmen die Gesellschafter Land Hessen und Stadt Kassel je zur Hälfte außerdem die zunächst auf 5,4 Millionen Euro bezifferte Finanzierungslücke von nunmehr – nach Abschluss aller Prüfungen – 7,6 Mio. Euro der documenta 14, die u. a. aufgrund der Umsetzung der ausgewählten Konzeption einer documenta Ausstellung an zwei Standorten entstanden war.

„Jetzt können die konkreten Planungen für die documenta 15 beginnen“, freut sich Christian Geselle, Oberbürgermeister der Stadt Kassel und Vorsitzender des Aufsichts¬rats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. „Die Findungskommission ist mitten im Auswahlprozess, die ergänzte Mannschaft rund um die Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann ist seit November an Bord, auch der neue Leiter des Fridericianum, Moritz Wesseler, hat im November begonnen – alles in allem nimmt das Schiff also nach einer kurzen Phase zwischen rauer See und Flaute, wie sie in der Seefahrt vorkommt, wieder an Fahrt auf. Der Dank für diese positive Entwicklung geht an den Interims-Geschäftsführer Wolfgang Orthmayr und die Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann, die in den letzten Monaten intensiv Hand in Hand an diesen Themen gearbeitet haben.“

„Weitere debattenreiche Zeiten werden sicher folgen, das liegt quasi in der DNA einer der weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst“, so Boris Rhein, hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. „Die documenta erfindet sich jedes Mal neu, sie geht Risiken ein, künstlerisch und kuratorisch, und bezieht gesellschaftlich und politisch Stellung. Entsprechende Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Mit den Beschlüssen des Aufsichtsrats und den genannten Strukturveränderungen haben wir nun eine solide Grundlage für die Zukunft der documenta geschaffen.“

„Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das der Aufsichtsrat und die Gesellschafter in die documenta und ihre Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung setzen, und werden mit dem hochmotivierten und kompetenten Team weiter intensiv an der Zukunft der documenta bauen“, so die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann.

31. Oktober 2018

Neue Stabsstelle Kommunikation:
Johanna Köhler verstärkt documenta und Museum Fridericianum Team in Kassel

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH etabliert zum 1. November 2018 eine Stabsstelle Kommunikation. Dadurch sollen Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und PR der Institutionen documenta, Museum Fridericianum und documenta Archiv gestärkt und gebündelt werden.Mehr

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH etabliert zum 1. November 2018 eine Stabsstelle Kommunikation. Dadurch sollen Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und PR der Institutionen documenta, Museum Fridericianum und documenta Archiv gestärkt und gebündelt werden.

„Ich freue mich, dass wir mit Johanna Köhler Erfahrung in der Neugestaltung der Kommunikation und Markenpositionierung im Kunst- und Museumsbereich gewinnen konnten“, sagt die neue Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann. So steuerte Köhler die Öffentlichkeitsarbeit und den Markenrelaunch der Bremer Museen Böttcherstraße, bevor sie 2015 die Leitung Marketing und PR des Museums Barberini in Potsdam übernahm, das 2017 unter großem öffentlichen Interesse eröffnete. Hier zeichnete sich Köhler u. a. verantwortlich für den Abteilungsaufbau, die Entwicklung der internationalen Pressearbeit, die Websiteerstellung und die Einführung der Social-Media-Kommunikation.

10. September 2018

Moritz Wesseler ab November 2018 neuer Direktor des Fridericianum in Kassel

Der Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH hat Moritz Wesseler ab 1. November 2018 als neuen Direktor des Fridericianum in Kassel berufen. Dem Auswahlgremium gehörten an: Krist Gruijthuijsen, Direktor KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Bettina Steinbrügge, Direktorin Hamburger Kunstverein, René Zechlin, Direktor Wilhelm-Hack- Museum Ludwigshafen, und Dr. Sabine Schormann, designierte Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

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Der Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH hat Moritz Wesseler ab 1. November 2018 als neuen Direktor des Fridericianum in Kassel berufen. Dem Auswahlgremium gehörten an: Krist Gruijthuijsen, Direktor KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Bettina Steinbrügge, Direktorin Hamburger Kunstverein, René Zechlin, Direktor Wilhelm-Hack- Museum Ludwigshafen, und Dr. Sabine Schormann, designierte Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

Der 37-jährige Kunsthistoriker und Kurator Moritz Wesseler arbeitete zuvor als Direktor des Kölnischen Kunstvereins, an dem er Ausstellungen mit internationalen Künstlern wie Pietro Roccasalva, Nathalie Djurberg & Hans Berg, Andra Ursuta, Annette Kelm, Darren Bader, Petrit Halilaj, João Maria Gusmão + Pedro Paiva, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Stephen G. Rhodes, Uri Aran, Andro Wekua, Christiana Soulou, Avery Singer, Danny McDonald, Talia Chetrit, Adriano Costa, Cameron Jamie, Alex Da Corte und Walter Price realisierte. Parallel zur Ausrichtung dieser Präsentationen lag ein besonderer Schwerpunkt seiner Programmatik auf der Vermittlungsarbeit sowie auf der Öffnung des Kölnischen Kunstvereins in Richtung eines breiteren Publikums. So wurden in der Institution in regelmäßigem Turnus Vorträge, Gespräche, Konzerte und Performances ausgerichtet, während sie durch die Einführung der sog. Vereinsgabe, einer kostenlosen Editionsserie, die von den prominenten Künstlerinnen und Künstlern Rosemarie Trockel, Lawrence Weiner, Kai Althoff, Isa Genzken sowie Luc Tuymans gestaltet wurde, eine große Beitrittswelle erlebte. Moritz Wesseler ist Nachfolger von Susanne Pfeffer, die Anfang 2018 nach Frankfurt zum Museum für Moderne Kunst wechselte.

Christian Geselle, Oberbürgermeister der Stadt Kassel und Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, begrüßt die Entscheidung: „Mit Moritz Wesseler haben wir einen vielversprechenden jungen Direktor gewinnen können, dessen Anliegen es ist, die große Tradition des Fridericianum als Ort der Begegnung und des Austausches mit zeitgenössischer Kunst in die Zukunft zu führen und das Haus auch mit regionalen wie überregionalen Akteuren zu vernetzen.“

Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sieht mit dem neuen Direktor des Fridericianum eine große Chance, das Haus auch weiterhin als zentralen Ort für Gegenwartskunst zu positionieren und damit Anklang bei Besucherinnen und Besuchern zu erhalten: „Moritz Wesseler hat in Köln gezeigt, dass seine anspruchsvollen Ausstellungen auch Akzeptanz bei einem breiten Publikum finden. Wir sind überzeugt davon, dass er diesen Brückenschlag auch in Kassel fortsetzt.“

„Das Fridericianum ist ein herausragendes Ausstellungshaus und hat einen wichtigen Anteil daran, dass Kassel in der ganzen Welt bekannt ist. Ich freue mich darauf, in die documenta-Stadt zu ziehen und an die gute Tradition meiner Vorgängerinnen und Vorgänger anzuschließen,“ sagt Moritz Wesseler. „Dabei ist es mein Ziel, zentralen Akteuren der Gegenwartskunst eine Plattform zu bieten, die in Deutschland noch weitestgehend unbekannt sind. Zudem soll ein Augenmerk meiner Arbeit auf die weitere Einbindung der Institution in die Stadt bzw. in die Region gelegt werden.“

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Moritz Wesseler“, so Dr. Sabine Schormann, designierte Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. „Unser gemeinsames Ziel ist es, das Fridericianum als lebendigen Ort der zeitgenössischen Kunst weiterzuführen“.

Über Moritz Wesseler

Moritz Wesseler, geboren 1980 in Bremerhaven, studierte Betriebswirtschaftslehre und Kunstgeschichte in Mainz und Paris. Bereits parallel zu seinem Studium begann er, mit Künstlern wie Cathy Wilkes, Martin Boyce, Ceal Floyer und Manfred Pernice Ausstellungen zu organisieren. Zudem gab er zeitgleich Künstlerbücher sowie Kataloge von Gregor Schneider, Luc Tuymans und Anri Sala heraus und begann mit dem Aufbau des Archivs des Kabinetts für aktuelle Kunst in Bremerhaven. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete er an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, begleitete die Ausstellungsreihe Double am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und konzipierte die Initiative Fürstenberg Zeitgenössisch in Donaueschingen und Heiligenberg, die u.a. ein Stipendiaten- und Wechselausstellungsprogramm umfasst. Neben seiner Tätigkeit als Kurator publiziert er regelmäßig Bücher und Texte zur Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zur Gegenwart und beteiligt sich an nationalen sowie internationalen Fachjurys. Seit September 2017 ist er Kurator von Neue Kunst in Hamburg.

Über das Fridericianum

1779 eröffnete mit dem Museum Fridericianum der weltweit erste als öffentliches Museum konzipierte Bau. Im Sinne der Aufklärung erdacht und vom hugenottischen Architekten Simon Louis du Ry erbaut, durchlief das Fridericianum in der Folgezeit eine von Brüchen gezeichnete Geschichte und blieb Austragungsort von Historie.

Seit 1988 ist das Fridericianum ein zentraler Ort der Gegenwartskunst. Signifikante Positionen und Strömungen der Kunst wie gesellschaftlich relevante Fragestellungen werden hier aufgegriffen, präsentiert und verhandelt. Gezeigt werden Einzelausstellungen junger internationaler Künstler, die oft raumgreifende Aspekte betonen. Auch Retrospektiven gehören zum Programm. Inhaltlich stehen zeit- und gesellschaftskritische Stellungnahmen von Künstlern im Vordergrund. Screenings und Performances, Konferenzen und Symposien runden das Programm ab und zeigen das Spektrum aktueller Kunst und Diskurse auf.

13. Juli 2018

Findungskommission für documenta 15

Die Vorbereitungen für die documenta 15, die vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel stattfinden wird, gehen weiter voran: Die Findungskommission für die d 15 steht. Per Umlaufbeschluss, der aktuell den Mitgliedern des Aufsichtsrates der documenta und Museum Fridericianum gGmbH vorliegt, werden zur Auswahl der künstlerischen Leitung für die documenta 15 berufen:

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Die Vorbereitungen für die documenta 15, die vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel stattfinden wird, gehen weiter voran: Die Findungskommission für die d 15 steht. Per Umlaufbeschluss, der aktuell den Mitgliedern des Aufsichtsrates der documenta und Museum Fridericianum gGmbH vorliegt, werden zur Auswahl der künstlerischen Leitung für die documenta 15 berufen:

• Ute Meta Bauer, Gründungsdirektorin Centre for Contemporary Art, Singapur,
• Charles Esche, Direktor Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlande
• Amar Kanwar, Künstler, Neu Delhi, Indien
• Frances Morris, Direktorin Tate Modern London, Großbritannien
• Gabi Ngcobo, Kuratorin 10. Berlin Biennale 2018, Südafrika
• Elvira Dyangani Ose, Kuratorin Creative Time, New York, USA (ab September 2018 Direktorin The Showroom, London, Großbritannien)
• Philippe Pirotte, Rektor Staatl. Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Deutschland (Belgien)
• Jochen Volz, Direktor Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien

Aufgabe der auf Vorschlag der designierten Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann besetzten Findungskommission wird es nun sein, bis Anfang 2019 eine künstlerische Leitung für die 15. Ausgabe der documenta zu benennen, die als weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst gilt.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, zeigte sich erfreut, dass die documenta 15 nun Fahrt aufnehmen wird: „Die documenta ist als globales Forum der Gegenwartskunst unverzichtbar und als Vermächtnis Arnold Bodes gleichzeitig ein imageprägender Schatz für Kassel. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, für die Suche nach der künstlerischen Leitung der documenta 15 eine hochkarätig besetzte, internationale Findungskommission zu gewinnen. Noch dazu liegen wir voll im Zeitplan. Mein besonderer Dank gilt Dr. Sabine Schormann, die ganz maßgeblich die Berufung der Findungskommission vorbereitet hat, obwohl sie ihre Tätigkeit als Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH erst zum 1. November 2018 in Kassel aufnimmt.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein schließt sich dem Dank an Frau Dr. Sabine Schormann an, schon vor Beginn ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin maßgeblich die Berufung der Findungskommission vorzubereiten. „Dass sich die documenta in Kassel als eine der bedeutendsten und international bekanntesten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit Anerkennung erworben hat, können wir mit Stolz feststellen. Für die Stadt Kassel und das Land Hessen ist dieser hohe Anspruch zugleich Verpflichtung, auch in Zukunft dafür Sorge zu tragen, dass eine solche ambitionierte Ausstellung gelingen kann, dass Voraussetzungen geschaffen werden, dass der von der Findungskommission ausgewählte künstlerische Leiter dieses auch realisieren kann. Dieser Anspruch ist aber auch Verpflichtung und Ansporn insbesondere für die zukünftige künstlerische Leitung. Die documenta ist ideal geeignet, um aus der Kenntnis der Geschichte mutig in die Zukunft zu blicken.“

„Die große Expertise, breite Vernetzung in den Kosmos der zeitgenössischen Kunst und die unterschiedlichen künstlerischen und kuratorischen Haltungen der Mitglieder stimmen mich zuversichtlich, dass es gelingen wird, bis Anfang nächsten Jahres eine überzeugende Kuratorenpersönlichkeit berufen zu können“, sagte Dr. Sabine Schormann. „Ich persönlich bin sehr gespannt, wohin die Reise gehen wird, und ob im Zentrum der d 15 eher Fragen der Teilhabe und Partizipation, der interkulturellen Vernetzung, der Performanz und des Diskurses, der digitalen Medien oder des Umgangs mit dem öffentlichen Raum stehen werden, um nur einige denkbare Ausrichtungen zu nennen.“

Kurzbiografien der Mitglieder der Findungskommission:

• Ute Meta Bauer
1958 in Stuttgart geboren. Seit 2013 ist Ute Meta Bauer als internationale Kuratorin, Professorin für zeitgenössische Kunst und Gründungsdirektorin des Centre for Contemporary Art (CCA) in Singapore tätig. Bauer studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Zwischen 1990 und 1994 war sie Künstlerische Direktorin des Künstlerhauses Stuttgart. Seit 1985 arbeitet sie als selbstständige Kuratorin und hatte verschiedene Lehraufträge: Von 2005 bis 2012 als Associate Professor for Visual Arts am Massachusetts Institute of Technology (MIT), 2012 und 2013 als Dekanin der Fine Arts des Royal College of Art, London. Dazu war sie Professorin für Theorie und Praxis zeitgenössischer Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Sie war 2002 bis 2005 Gründungsdirektorin des Office for Contemporary Art, Norwegen, 2004 Künstlerische Direktorin der 3. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 2005-2009 Direktorin des MIT Visual Arts Programme sowie 2009-2012 Gründungsdirektorin des Programms für Kunst, Kultur und Technologie (ACT). Als Co-Kuratorin war sie u.a. beim World Biennial Forum No. 1, Gwangju, Süd Korea, in 2012 oder für die documenta 11 tätig. Ute Meta Bauer ist Vorsitzende des Beirats für Bildende Kunst der Goethe–Institute und ist im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Bauhaus Dessau, Deutschland.

• Charles Esche
1963 in England geboren. Er ist Museumsdirektor und Kunstkurator und lebt in Edinburgh und Eindhoven. Seit 2004 ist Esche Direktor des Van Abbemuseum, Eindhoven, Niederlande. Zwischen 2000 und 2004 war er Direktor des Rooseum Center for Contemporary Art in Malmö, Schweden. Zuvor war er bei Tramway, Glasgow (1993 bis 1997) und gründete 1997 die proto-academy am Edinburgh College of Art. Im Jahr 2012 gründete Esche gemeinsam mit sechs anderen europäischen Museen die L'Internationale confederation als Europäische Institution der Moderne und der Zeitgenössischen Kunst. Er kuratierte zahlreiche internationale Biennalen. Esche ist Professor of Curating and Contemporary Art at the University of the Arts London und ist co-editorial director des Afterall Journals und Afterall Books mit Mark Lewis.

• Amar Kanwar
1964 in Neu-Delhi geboren, indischer Dokumentarfilmer und Künstler. Kanwar lebt und arbeitet in Neu-Delhi. Thematisch beschäftigt sich Kanwar mit der Gegenwart und Geschichte des indischen Subkontinents, insbesondere der Indisch-Pakistanischen Kriege. Er realisierte bisher mehr als 40 Videoinstallationen und Filme, die auf diversen Ausstellungen und in internationalen Museen gezeigt wurden, u.a. auf der Biennale of Sydney 2006, auf den documenta Ausstellungen 11, 12, 13 und 14, bei kw-Berlin, im Contemporary Museum, Baltimore, sowie im Stedelijik Museum, Amsterdam oder im Haus der Kunst in München Auszeichnungen erhielt Kanwar u.a. auf den Filmfestivals San Francisco, Mumbai und Turin und wurde 2005 von einer Stiftung des norwegischen Kulturministeriums mit dem Award for Contemporary Art geehrt.

• Frances Morris
1959 in London geboren, spielt Frances Morris eine Hauptrolle in der Entwicklung der Tate Galerien: Ab 1987 war sie Kuratorin, ab 2000 Head of Displays in der Tate Modern, von 2006-2016 Director of Collection, International Art, und seit 2016 Direktorin der Tate Modern in London. Morris kuratierte bahnbrechende Ausstellungen, insbesondere große Retrospektiven von Künstlerinnen, einige davon als breit angelegte internationale Kooperationen. Morris hat einen BA in Kunstgeschichte von der Cambridge Universität und einen MA in Kunstgeschichte vom Courtauld Institute of Art, London. Sie ist Mitglied des Gremiums der Fruitmarket Gallery, Edinburgh, Mitglied von CIMAM sowie Mitglied des Advisory Committee des Serralves Museum of Contemporary Art, Porto.

• Gabi Ngcobo
1974 in Südafrika geboren. Gabi Ngcobo ist eine in Johannesburg ansässige Künstlerin, unabhängige Kuratorin und Vermittlerin. Sie studierte am Center for Curatorial Studies, Bard College, New York, und ist seit 2011 Fakultätsmitglied an der Wits University School of Arts in Johannesburg. 2010 gründete Ngcobo das Center for Historical Reenactments in Johannesburg, dessen Direktorin sie derzeit auch ist. 2018 kuratierte sie die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst.

• Elvira Dyangani Ose
1974 in Spanien geboren, seit 2017 Kuratorin bei Creative Time in New York. Ab September 2018 übernimmt sie die Leitung des Showroom in London. Dyangani Ose studierte Kunstgeschichte an der Universität Autònoma de Barcelona sowie Geschichte und Theorie der Architektur an der Universität Politècnica de Catalunya. Sie promovierte an der Cornell University in New York in Kunstgeschichte und Visual Studies. Von 2004 bis 2006 war Dyangasi Ose Kuratorin beim Centro Atlántico de Arte Moderno (CAAM) auf Gran Canaria, von 2006 bis 2008 im andalusischen Zentrum für zeitgenössische Kunst, dem CENTRO ANDALUZ DE ARTE CONTEMPORANEO, von 2009 bis 2010 arbeitete sie als Kuratorin für das Arte Invisible Programm, im Rahmen der ARCOmadrid. Zwischen 2011 und 2014 war sie als Kuratorin für internationale Kunst bei der Tate Modern in London tätig und dort u.a. auch für die Entwicklung der Bestände von Kunst aus Afrika und dessen Diaspora verantwortlich. Dyangasi Ose ist seit 2014 Dozentin an der Goldsmiths University of London für Visual Studies. 2015 kuratierte sie die achte Ausgabe der International Biennal for Contemporary Art (GIBCA) in Göteborg.

• Philippe Pirotte
1972 in Antwerpen, Belgien, geboren, lebt Philippe Pirotte in Frankfurt und arbeitet dort als Rektor an der staatlichen Hochschule für bildende Künste - Städelschule sowie als Direktor der Kunsthalle Portikus. Parallel ist er Außerordentlicher Hauptkurator an der University of California Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive. Zudem berät er die Kadist Art Foundation (Paris/San Francisco). 1999 war Pirotte einer der Mitbegründer des Contemporary Art Center Objectif Exhibitions in Antwerpen, Belgien, wo er bis 2005 auch als Künstlerischer Leiter tätig war. 2004-2013 war Pirotte Senior Advisor an der Rijksakademie for Visual Arts in Amsterdam, 2005-2011 Direktor der Kunsthalle Bern in der Schweiz. Als freischaffender Kurator war Pirotte u.a. für folgende Ausstellungsort als Co-Kurator und Organisator tätig: Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (2014), Belgischer Pavillon auf der Venedig Biennale (2001), Weltkulturenmuseum Frankfurt (2015), TOP contemporary Art Space Shanghai, Shanghai Biennale, Contemporary Image Collective in Kairo und die Fundación Celarg in Caracas, Venezuela. Zudem war er beratender Programmdirektor beim Sifang Art Museum in Nanjing, kuratierte 2016 La Biennale de Montréal und war 2017 Mitglied des kuratorischen Teams der Jakarta Biennale. Philippe Pirotte hat zahlreiche Essays über zeitgenössische Kunst und Künstler verfasst.


• Jochen Volz
1971 in Braunschweig geboren. Er ist Kunsthistoriker und Ausstellungskurator. Mai 2017 wurde Volz zum Direktor der Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien, ernannt. Volz studierte von 1993 bis 1999 Kunstgeschichte, Kommunikationswissenschaften und Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und an der Humboldt-Universität Berlin. Zwischen 2001 und 2004 war Volz Kurator an der Ausstellungshalle Portikus in Frankfurt am Main, von 2012 bis 2015 Head of Programmes an den Serpentine Galleries in London und 2016 Kurator der 32. Biennale von São Paulo. 2017 kuratierte Volz den brasilianischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig.

25. April 2018

Mit neuer Stärke zur documenta 15

Nach spannungsreichen Monaten bricht die documenta und Museum Fridericianum gGmbH in eine vielversprechende Zukunft auf: Dr. Sabine Schormann, derzeit zuständig für zwei große Kulturstiftungen in Norddeutschland, wird als Generaldirektorin die Schlüsselposition der Geschäftsführung besetzen. Die Verträge wurden am gestrigen Dienstagabend unterzeichnet.Mehr

Nach spannungsreichen Monaten bricht die documenta und Museum Fridericianum gGmbH in eine vielversprechende Zukunft auf: Dr. Sabine Schormann, derzeit zuständig für zwei große Kulturstiftungen in Norddeutschland, wird als Generaldirektorin die Schlüsselposition der Geschäftsführung besetzen. Die Verträge wurden am gestrigen Dienstagabend unterzeichnet.

Wie Kassels Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, Christian Geselle, betont, habe man mit Dr. Schormann eine kompetente Persönlichkeit gefunden, um der documenta eine solide Basis und neue Perspektive zu geben. „Es ist an der Zeit, nach vorne zu blicken. Am 18. Juni 2022 werden wir die documenta 15 in Kassel eröffnen. Zu jeder Zeit war es mein Anliegen, dass Kassel und die Welt positiv, bestärkt und mit großer Vorfreude auf unsere künftigen Weltkunstausstellungen blicken können“, so Geselle.

Mit einer Interimsbesetzung der Geschäftsführung durch Wolfgang Orthmayr wurden die laufenden Geschäfte abgesichert. Er wird in enger Abstimmung mit Dr. Sabine Schormann bis zu ihrem Wechsel nach Kassel im Herbst dieses Jahres die Gesellschaft managen. Unterstützen ließ man sich bei der Suche von einer weltweit führenden Personalberatungsagentur.

„Ich bin hoch erfreut, mit Frau Dr. Schormann eine Führungsperson mit internationaler Expertise im Kunst- und Kulturmanagement zu gewinnen", sagt Oberbürgermeister Geselle und weist auf ihre berufliche Qualifikation hin. Sie tritt die Leitung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH nach zuletzt 18 Jahren Erfahrung in der Doppelfunktion als Stiftungsdirektorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung in Hannover an. Frau Dr. Schormann entwickelte und profilierte beide Stiftungen zu ihrer heutigen Bedeutung. Mit einer Fördersumme von jährlich ca. fünf Millionen Euro stärken die beiden Stiftungen das Kulturangebot des Landes Niedersachsen, insbesondere in den Bereichen Bildende Kunst, Museen, Musik, Literatur, Denkmalpflege und historische Wissenschaften.

Zuvor etablierte Sabine Schormann den bundesweiten Tag des offenen Denkmals für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Von 1996 bis 2000 hatte sie die Ausstellungsleitung für "Planet of Visions" und "Das 21. Jahrhundert" im Themenpark der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover inne.

Die Weiterentwicklung der weltweit bedeutendsten Kunstausstellung documenta wird von Schormanns fachlicher Kompetenz, insbesondere im Kunst- und Museumsbereich, ihren innovativen Ansätzen, der Expertise im Management anspruchsvoller Institutionen und Großveranstaltungen sowie ihrer langen Erfahrung im Umgang mit künstlerischer Qualität profitieren.

„Ich verstehe meine Rolle als 'Ermöglicherin', das heißt, ich möchte der Kunst mit der documenta weiterhin größtmögliche Entfaltung und öffentliche Wahrnehmung zusichern, ohne dabei selbst künstlerisch einzugreifen“, formuliert Schormann. Hierbei hat sie vollen Rückhalt und das Vertrauen der Gesellschafter Stadt Kassel und Land Hessen. Oberbürgermeister Geselle: „Jetzt haben wir die Chance, die documenta zeitgemäß aufzustellen und sie nachhaltig zu stärken.“ „Ich freue mich, dass wir mit Dr. Sabine Schormann eine ausgewiesene Kulturexpertin für diese zentrale Position gewinnen konnten. Diese Entscheidung ist ein weiterer wichtiger Baustein, mit dem wir dafür sorgen, dass die documenta 15 wie geplant 2022 stattfinden kann, weiterhin zur ersten Adresse und Anlaufstelle für Kunstfreunde aus aller Welt zählt und auch in Zukunft auf einem soliden Fundament steht“, sagt Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst sowie stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Boris Rhein. „Die documenta ist ein großer Glücksfall und Schatz für das Kulturland Hessen, den wir bewahren müssen.“

Eine der ersten Aufgaben Sabine Schormanns wird es sein, die Suche einer künstlerischen Leitung für die documenta 15 und für die Kunsthalle Fridericianum zu initiieren und zu begleiten. Als Stiftungsdirektorin, u.a. verantwortlich für die Niedersächsischen Musiktage und das Literaturfest Niedersachsen, ist sie von einer kooperativen, auf engen Austausch bedachten Zusammenarbeit der Gesamtleitung mit der kuratorischen Leitung überzeugt: „Ich bin mir der Erwartungen und der großen Verantwortung bewusst – und freue mich auf diese anspruchsvolle Aufgabe.“

Außerdem wird Frau Dr. Schormann den Prozess der Entwicklung des documenta-Instituts aktiv begleiten. Neben diesen Verantwortlichkeiten möchte Frau Dr. Schormann weitere Akzente in Kassel setzen - auch und gerade zwischen den Ausstellungsjahren, um die documenta, die als Plattform für globalen künstlerischen Austausch steht, auch in ihrer lokalen Verantwortung und Verankerung herauszustellen.