Arbeiten in Kassel

Der öffentliche Raum der Stadt Kassel unterscheidet sich von dem anderer Städte durch seine Besetzung mit hochkarätigen Außenobjekten aus der documenta Vergangenheit. Denn mit der schrittweisen Erschließung neuer Schauplätze hat die Ausstellungsreihe ihr städtisches Umfeld programmatisch genutzt. Ortsspezifische Kunstwerke, die kommentierend oder intervenierend in den urbanen Zusammenhang eingreifen, gehören seit 1977 zu jeder documenta.

Auf der Suche nach erweiterter sozialer Wirksamkeit reagiert nämlich die Kunst zunehmend auf ihr gesellschaftlich definiertes Umfeld, um abseits der Ausstellungsräume neue Verbindlichkeit zu gewinnen. Die Geschichte der documenta ist somit auch die Geschichte ihres Ausgreifens in den Außenraum. Obwohl alle Außenobjekte grundsätzlich temporär geplant werden, konnten bislang sechzehn prominente Installationen dauerhaft gesichert werden: Schenkungen oder Erwerbungen aus documenta 6 (1977), documenta 7 (1982), DOCUMENTA IX (1992), documenta X (1997) und dOCUMENTA (13) (2012). Ihr Verbleib ist nicht das Ergebnis einer systematischen Anschaffungspolitik, sondern ist abhängig vom Engagement der Bevölkerung sowie von Künstler- und Sponsorenaktivitäten.

Die Werke unterliegen daher unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen und Zuständigkeiten. Die documenta Außenobjekte unterscheiden sich in ihren Dimensionen und ihrer Materialität ebenso wie in ihren künstlerischen Intentionen. In jedem Fall aber sind sie repräsentativ für die Vermittlungsabsicht der jeweiligen Ausstellung. Sie spiegeln wichtige Etappen in der Geschichte der Weltkunstausstellung und sind zeitgemäße Beispiele für den künstlerischen Umgang mit städtischen oder landschaftlichen Räumen.

Mit ihrer öffentlichen Wirksamkeit stehen die Installationen stets im Mittelpunkt des Publikumsinteresses. Erstellung und Anschaffung vollziehen sich unter kritischer Kommentierung der Bürgerinnen und Bürger. In den oftmals kontroversen Reaktionen spiegeln sich auch die wechselnden Argumente bei der Diskussion um die Kunst im öffentlichen Umfeld.

Horst Baumann, Laserscape Kassel (1977)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Horst Baumann, Laserscape Kassel (1977)

Jeden Samstag nach Einbruch der Dunkelheit erstrahlt die Laserscape Kassel, von Horst H. Baumann installiert zur documenta 6 im Jahr 1977, über dem Kasseler Stadtgebiet.

Als nächtliches Wahrzeichen der documenta-Stadt verknüpft das erste permanente Laser-Licht-Kunstwerk der Welt historische Architekturen unterschiedlicher Funktion und Epochenzugehörigkeit zu einem Netz aus räumlichen und zeitlichen Bezügen. Es verbindet oktogonale Eckpunkte der Kasseler Kulturlandschaft miteinander. Gegenüber 1977 ist die Linienführung heute leicht modifiziert. Vom Turm am Museum Fridericianum ausgehend, führt ein grüner Strahl zum Herkules-Oktogon. Ein weiterer berührt zunächst den Turm des Hessischen Landesmuseums, um von dort aus den Herkules zu erreichen. Gleichzeitig zielt ein Strahl auf den Mittelbau der Orangerie, um dort dreifach gespalten den barocken Achsen der Parkanlage zu folgen. So formiert sich das farbige Lichtnetz über der Stadt zu einem immateriellen Kulturstadtplan, der zum Nachvollzug der Stadtgeschichte anregen will.


Laserscape Kassel
documenta 6, 1977
Zwehrenturm, Herkules, Hessisches Landesmuseum, Orangerie, Karlsaue, Stadtgebiet


Horst H. Baumann
geboren 1934 in Aachen
Arbeitet als Fotograf, Kommunikationsdesigner und Licht-Künstler in Düsseldorf. Entwicklung der Laser-Technologie als Kunstmittel für Installationen in Innen- und Außenräumen.
Teilnehmer documenta 6.


documenta 6: „Kunst in der Medienwelt – Medien in der Kunst“ lautet das Motto, unter dem der künstlerische Leiter Manfred Schneckenburger jene aktuellen Kunstformen dokumentiert, die ihre eigenen medialen Bedingungen untersuchen. Das „Medienkonzept“ entfaltet sich in Themenkomplexen wie Fotografie, Handzeichnungen, Utopisches Design und anderen Teilausstellungen. Neben dem Schwerpunkt „Malerei als Thema der Malerei“ wird insbesondere das neue Medium Video ausführlich berücksichtigt. Die dreidimensionale Kunst erschließt im Spannungsfeld zwischen Stadt und Naturlandschaft neue Wirkungsmöglichkeiten. Und in der Karlsaue werden die Prinzipien der „horizontalen Plastik“ demonstriert.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Anatol Herzfeld, Das Traumschiff Tante Olga (1977)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Anatol Herzfeld, Das Traumschiff Tante Olga (1977)

Das Traumschiff Tante Olga, von Anatol gebaut für die documenta 6 im Jahr 1977, ankert auf dem Freigelände der Heinrich-Schütz-Schule.

Wie ein von Kindern gefaltetes Papierschiffchen sieht das Fantasie-Gefährt aus, das auf der Wiese gestrandet ist. In ihm reiste Anatol, von einem Schleppkahn gezogen, in einwöchiger Fahrt vom Nordseebad Dangast über den Jadebusen, die Weser und die Fulda zur Eröffnung der documenta 6 nach Kassel. Mit dem Boot wollte der Botschafter der Künstlergemeinschaft „Freie Akademie Oldenburg“ die Träume von Kindern in die documenta-Stadt bringen. Gewidmet ist es Olga Tapken, der Kurhaus-Wirtin von Dangast, auf deren Gelände sich Anatols „Freie Akademie“ kreativ entfaltete. Während der Ausstellung wurde das Traumschiff mitten auf der Karlswiese vor der Orangerie präsentiert. Nach Schenkung an die Heinrich-Schütz-Schule landete es an seinem jetzigen Standort.


Das Traumschiff Tante Olga
documenta 6, 1977
Polyester, Holz, Draht. 12 x 3 x 3 m
Heinrich-Schütz-Schule, Freiherr-vom-Stein-Straße 11, Freigelände Graf-Bernadotte-Platz


Anatol geboren 1931 als Karl-Heinz Herzfeld in Insterburg Schmied, Polizist und 1975 Mitgründer der Künstlergemeinschaft „Freie Akademie Oldenburg“ in Anlehnung an Joseph Beuys’ „Freie Internationale Universität (FIU)“. Arbeitet hauptsächlich auf der Museumsinsel Hombroich. Teilnehmer documenta 5, 6 und 7.


documenta 6: „Kunst in der Medienwelt – Medien in der Kunst“ lautet das Motto, unter dem der künstlerische Leiter Manfred Schneckenburger jene aktuellen Kunstformen dokumentiert, die ihre eigenen medialen Bedingungen untersuchen. Das „Medienkonzept“ entfaltet sich in Themenkomplexen wie Fotografie, Handzeichnungen, Utopisches Design und anderen Teilausstellungen. Neben dem Schwerpunkt „Malerei als Thema der Malerei“ wird insbesondere das neue Medium Video ausführlich berücksichtigt. Die dreidimensionale Kunst erschließt im Spannungsfeld zwischen Stadt und Naturlandschaft neue Wirkungsmöglichkeiten. Und in der Karlsaue werden die Prinzipien der „horizontalen Plastik“ demonstriert.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Haus-Rucker-Co, Rahmenbau (1977)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Haus-Rucker-Co, Rahmenbau (1977)

Der Rahmenbau, von Haus-Rucker-Co errichtet zur documenta 6 im Jahr 1977, öffnet sich zum Staatspark Karlsaue. Die begehbare Plastik aus der Werkgruppe der „Provisorischen Architektur” dient als Vorrichtung zur Blicklenkung. Sie zeigt den Vorgang des selektiven Sehens und die Funktion des Bilderrahmens. An der Hangkante des Friedrichsplatzes ist einer leicht geneigten Rahmenkonstruktion eine kleinere an einem Arm vorgehängt. Der Rahmen schneidet einen Teil der Wirklichkeit aus und lässt ihn zu einem Landschaftsbild werden. Im aktiven Umgang mit der Installation können die Betrachtenden zu Objekten der Betrachtung werden. Denn wer die Bühnensituation über einen seitlichen Steg umgeht, findet sich nun selbst im Bild wieder. Dort wiederholt sich das Rahmungserlebnis in Richtung Orangerie. Gleichzeitig öffnet sich in Gegenrichtung ein Bild zur Innenstadt. Das wahrnehmungstheoretische Demonstrationsobjekt steht in Bezug zu Observatorien, Kalenderbauten und anderen historischen Architekturen zur Einbindung des Individuums in kosmische Zusammenhänge.


Rahmenbau
documenta 6, 1977
Stahl, Stahlgitter. 14 x 16,5 x 31 m
Friedrichsplatz / Gustav-Mahler-Treppe


Haus-Rucker-Co: Die 1967 in Wien von Laurids Ortner, Günter Zamp Kelp, Klaus Pinter und (ab 1971) Manfred Ortner gegründete Architekten-, Designer- und Künstlergruppe arbeitet bis 1992 an architekturkritischen und umweltbezogenen Projekten. 1970 unterhält die Gruppe ein Studio in Düsseldorf, 1971–1977 auch in New York. Teilnehmer documenta 5, 6, 8.


documenta 6: „Kunst in der Medienwelt – Medien in der Kunst“ lautet das Motto, unter dem der künstlerische Leiter Manfred Schneckenburger jene aktuellen Kunstformen dokumentiert, die ihre eigenen medialen Bedingungen untersuchen. Das „Medienkonzept“ entfaltet sich in Themenkomplexen wie Fotografie, Handzeichnungen, Utopisches Design und anderen Teilausstellungen. Neben dem Schwerpunkt „Malerei als Thema der Malerei“ wird insbesondere das neue Medium Video ausführlich berücksichtigt. Die dreidimensionale Kunst erschließt im Spannungsfeld zwischen Stadt und Naturlandschaft neue Wirkungsmöglichkeiten. Und in der Karlsaue werden die Prinzipien der „horizontalen Plastik“ demonstriert.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Walter de Maria, Der Vertikale Erdkilometer (1977)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Walter de Maria, Der Vertikale Erdkilometer (1977)

Der vertikale Erdkilometer wurde von Walter De Maria zur documenta 6 im Jahr 1977 auf dem Friedrichsplatz erstellt.

Finanziert von der US-amerikanischen Dia Art Foundation, lässt Walter De Maria zwischen Fridericianum und Landgrafendenkmal einen Messingstab von einem Kilometer Länge vertikal in Richtung Erdmittelpunkt senken. Auf Platzniveau ist nur das obere Ende – die Kreisfläche des Stabdurchmessers – sichtbar, eingebettet in eine quadratische Sandsteinplatte. Das Werk ist somit der Wahrnehmung entzogen und in die Vorstellung des Publikums verlagert. In seiner radikalen Unanschaulichkeit soll der verborgene Stab Anlass bieten, über die Erde und ihren Ort im Universum nachzudenken. Zugleich kann er als symbolischer Akt der Rückgabe des hochwertigen Metalls an die ausgebeutete Erde gedeutet werden. Im Überschneidungsbereich von Minimal-, Conceptual- und Land-Art hat das unsichtbare Objekt Anteil an drei wesentlichen künstlerischen Strategien der Zeit. Seine vielfältigen ästhetischen, ökologischen, historischen und kosmischen Aspekte machen den vertikalen Erdkilometer zu einem der bedeutendsten Kunstwerke der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Der vertikale Erdkilometer
documenta 6, 1977
Messing. Länge 1 km, Durchmesser 2 Zoll. Einfassung: Sandstein. 2 x 2 m
Friedrichsplatz


Walter De Maria
geboren 1935 in Albany, Kalifornien, USA, gestorben 2013 in Los Angeles
Bedeutender Vertreter der Minimal- und Land-Art sowie der Konzeptkunst.
Teilnehmer documenta 4, 5 und 6.


documenta 6: „Kunst in der Medienwelt – Medien in der Kunst“ lautet das Motto, unter dem der künstlerische Leiter Manfred Schneckenburger jene aktuellen Kunstformen dokumentiert, die ihre eigenen medialen Bedingungen untersuchen. Das „Medienkonzept“ entfaltet sich in Themenkomplexen wie Fotografie, Handzeichnungen, Utopisches Design und anderen Teilausstellungen. Neben dem Schwerpunkt „Malerei als Thema der Malerei“ wird insbesondere das neue Medium Video ausführlich berücksichtigt. Die dreidimensionale Kunst erschließt im Spannungsfeld zwischen Stadt und Naturlandschaft neue Wirkungsmöglichkeiten. Und in der Karlsaue werden die Prinzipien der „horizontalen Plastik“ demonstriert.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Claes Oldenburg, Spitzhacke (1982)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Claes Oldenburg, Spitzhacke (1982)

Am Fulda-Ufer ragt das Kunstwerk die Spitzhacke von Claes Oldenburg, installiert für die documenta 7, imposant empor.

Zu den bekanntesten künstlerischen Verfahren Claes Oldenburgs gehört die Verfremdung von Alltagsgegenständen durch Maßstabvergrößerung und Materialveränderung. Als daher der Künstler während der Vorbereitungen zur documenta 7 an einer Baustelle eine Spitzhacke entdeckte, regte ihn das Gerät zur Überdimensionierung an: ein inzwischen fast archaisches Handwerkszeug mit engerem Bezug zur Wiederaufbauzeit Kassels als zur aktuellen technisierten Arbeitswelt. In dieser ironisch-pathetischen Großgeste wird die ursprünglich auf Provokation angelegte Pop Art erzählerisch. Die Plastik schreibt sich mit Anekdotischem in Stadtgeschichte und -topografie ein: Der idyllische, wie zufällig wirkende Standort am Fluss markiert den Punkt, an dem die verlängerte Achse der Wilhelmshöher Allee auf das Fulda-Ufer trifft. Und so verbreitet der Künstler den Mythos, das monumentale Werkzeug könnte von Herkules, dem arbeitsamen antiken Halbgott, anstelle seiner Keule aus der Höhe des Bergparks über die Stadt geschleudert und dort, auf ihn selbst zurückweisend, steckengeblieben sein.


Spitzhacke
documenta 7, 1982
Stahl. Höhe 12 m
Fulda-Ufer


Claes Oldenburg
geboren 1928 in Stockholm, Schweden
Einer der prominentesten Objektkünstler der Pop Art in Auseinandersetzung mit der Konsumwelt. Lebt in New York. Teilnehmer documenta 4 bis 7.


documenta 7: Der niederländische Museumsdirektor Rudi Fuchs inszeniert seine documenta als den Versuch, die zeitgenössische Kunst von gesellschaftlichen Ansprüchen zu entlasten. Ihr soll erneut mit Würde und Respekt begegnet werden. Die Ausstellung feiert das Museum als den zeitgemäßen Rückzugsort einer autonom begriffenen Kunst. Ohne theoretischen Begründungsaufwand werden aktuelle Tendenzen, dominiert von der Malerei, nach dem Dialogprinzip arrangiert. Es setzt die Exponate in wechselnde formale Beziehungen zueinander. Obwohl sie mit ihrer musealen Grundtendenz nur spärlich auf den öffentlichen Raum eingeht, hinterlässt die 7. documenta dort intensive Spuren.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Joseph Beuys, 7000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (1982-1987)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Joseph Beuys, 7000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (1982-1987)

Das Kunstwerk 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, von Joseph Beuys zur documenta 7 begonnen, verteilt sich im gesamten Stadtgebiet.

Fünf Jahre dauerte es, bis das keilförmig aufgeschüttete Steinlager auf dem Friedrichsplatz abgetragen und die soziale Plastik verwirklicht war. Das Geschenk des Künstlers an die documenta-Stadt hatte zur Bedingung, dass 7000 Bäume, begleitet von je einer Basaltstele, auf 7000 Standorte im gesamten Stadtgebiet zu verteilen waren. Der gewachsene und weiter wachsende ästhetische Organismus greift – wie kein anders Kunstwerk weltweit – auf unmittelbar verständliche Weise radikal und nachhaltig in die visuelle, ökologische und soziale Struktur des urbanen Lebensraums ein. Realisiert wurde die Stadtverwaldung im konstruktiven Zusammenwirken von Künstlereinsatz, Kommunalpolitik und bürgerschaftlichem Engagement. Die erste und die letzte Pflanzung erfolgten vor dem Museum Fridericianum. Seit 2002 wird das empfindliche, permanente Pflege fordernde Werk betreut von der Stiftung „7000 Eichen“. Es steht seit 2004 unter Denkmalschutz.


7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung
documenta 7, 1982 – documenta 8, 1987
7000 Bäume, 7000 Basaltstelen
Stadtgebiet


Joseph Beuys geboren 1921 in Krefeld, gestorben 1986 in Düsseldorf
Entwicklung des „erweiterten Kunstbegriffs“ und der Theorie der „sozialen Plastik“. Internationale Geltung als bedeutendster und folgenreichster deutscher Gegenwartskünstler. Teilnehmer documenta 3 bis DOCUMENTA IX.


documenta 7: Der niederländische Museumsdirektor Rudi Fuchs inszeniert seine documenta als den Versuch, die zeitgenössische Kunst von gesellschaftlichen Ansprüchen zu entlasten. Ihr soll erneut mit Würde und Respekt begegnet werden. Die Ausstellung feiert das Museum als den zeitgemäßen Rückzugsort einer autonom begriffenen Kunst. Ohne theoretischen Begründungsaufwand werden aktuelle Tendenzen, dominiert von der Malerei, nach dem Dialogprinzip arrangiert. Es setzt die Exponate in wechselnde formale Beziehungen zueinander. Obwohl sie mit ihrer musealen Grundtendenz nur spärlich auf den öffentlichen Raum eingeht, hinterlässt die 7. documenta dort intensive Spuren.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Ulrich Rückriem, Ein Granitblock… (1982)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Ulrich Rückriem, Ein Granitblock… (1982)

Das Kunstwerk Ein Granitblock (330 x 180 x 100 cm) in 3 Teile gespalten / Der mittlere Teil in 4 Teile geschnitten / Alle Teile zur ursprünglichen Blockform zusammengefügt / Der untere Teil als Fundament in die Erde eingelassen, von Ulrich Rückriem aufgestellt zur documenta 7 im Jahr 1982, steht auf dem Freigelände des Museums Neue Galerie.

Ein geschlossener Block von überschaubarer Klarheit besetzt die Achse der Schönen Aussicht zwischen Friedrichsplatz und klassizistischem „Frühstückspavillon“. Der Werktitel benennt lapidar, welche Arbeitsschritte der Bildhauer am Stein vorgenommen hat. Der minimalistische Kubus fordert dazu auf, die genannten Bearbeitungsweisen nachzuvollziehen und die Vorgänge der Verletzung mitsamt dem Prozess des Rückgängigmachens zu begreifen. Denn die elementaren Techniken des Spaltens und Schneidens sind in Form von Bohrlöchern, Bruchkanten und Schnittlinien an den ansonsten unbearbeiteten Oberflächen als Narben sichtbar geblieben. Rückriems Umgang mit seinem Granitblock repräsentiert eine Bildhauerei, die ihr Material nicht zerstört, indem sie ihm den Willen des Künstlers aufzwingt. Sie will ihm stattdessen auf der Suche nach der verlorenen Ganzheit respektvoll zu eigener Ausdruckswirkung verhelfen.


Ein Granitblock (330 x 180 x 100 cm) in 3 Teile gespalten / Der mittlere Teil in 4 Teile geschnitten / Alle Teile zur ursprünglichen Blockform zusammengefügt / Der untere Teil als Fundament in die Erde eingelassen
documenta 7, 1982
Museumslandschaft Hessen Kassel, Neue Galerie, Freigelände


Ulrich Rückriem
geboren 1938 in Düsseldorf
Entwicklung eines minimalistischen, prozessual orientierten Werkbegriffs für Skulpturen im öffentlichen Raum.
Teilnehmer documenta 5, 7, 8 und DOCUMENTA IX.


documenta 7: Der niederländische Museumsdirektor Rudi Fuchs inszeniert seine documenta als den Versuch, die zeitgenössische Kunst von gesellschaftlichen Ansprüchen zu entlasten. Ihr soll erneut mit Würde und Respekt begegnet werden. Die Ausstellung feiert das Museum als den zeitgemäßen Rückzugsort einer autonom begriffenen Kunst. Ohne theoretischen Begründungsaufwand werden aktuelle Tendenzen, dominiert von der Malerei, nach dem Dialogprinzip arrangiert. Es setzt die Exponate in wechselnde formale Beziehungen zueinander. Obwohl sie mit ihrer musealen Grundtendenz nur spärlich auf den öffentlichen Raum eingeht, hinterlässt die 7. documenta dort intensive Spuren.


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Max Neuhaus, Three to one (1992)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Max Neuhaus, Three to one (1992)

Die Klanginstallation Three to One von Max Neuhaus, angelegt zur DOCUMENTA IX im Jahr 1992, ist im Treppenhaus der AOK Hessen – Beratungscenter Kassel-City zu hören.

Das markante Treppenhaus mit seinen gläsernen Außenwänden in einer der frühesten Architekturen des Kasseler Nachkriegswiederaufbaus galt Jan Hoet als das Rückgrat seiner Ausstellungstopografie. Max Neuhaus füllte diesen zentralen Ort mit einer elektronisch erzeugten Klanginstallation. Sie entwickelt sich in leichten Modifikationen über drei Etagen. Jeder Ebene ist ein eigener Dauerton zugewiesen, jede ist charakterisiert durch eine individuelle Klangfarbe. Ohne sichtbare Elemente entfaltet das „Sound Work“ eine Klangstruktur, die sich an der Grenze der Wahrnehmbarkeit abspielt. Indem ihr Pegel nur wenig über der Geräuschkulisse der Außenwelt liegt, verlangt sie eine Schärfung der Wahrnehmung und Sensibilität für das akustische Angebot. Bei genauem Hinhören erweitern sich die Verkehrsflächen zu einem meditativen Raumerlebnis in einer der Zeit enthobenen Sphäre.


Three to One
DOCUMENTA IX, 1992
Klanginstallation
AOK Hessen – Beratungscenter Kassel-City, Friedrichsplatz 14, Treppenhaus


Max Neuhaus
geboren 1939 in Beaumont, Texas, USA, gestorben 2009 in Maratea, Italien
Zunächst experimenteller Musiker, später Pionier der Klangkunst mit ortsspezifischen Installationen.
Teilnehmer documenta 6 und DOCUMENTA IX.


DOCUMENTA IX: Erstmals verzichtet eine documenta auf die Wahrnehmung ihres Auftrags zur objektiven Spiegelung des zeitgenössischen Kunstgeschehens. Der belgische Kurator Jan Hoet setzt dem traditionellen documenta-Selbstverständnis seine intuitive Sicht auf die aktuelle Situation entgegen. Die Werkauswahl kommt ohne theoretische Kriterien und thematische Begründungszusammenhänge aus. Sie befasst sich unter dem Motto „Vom Körper zum Körper zu den Körpern“ hauptsächlich mit Körperlichkeit und Körperfunktionen, mit individueller Körpererfahrung und körperbezogener Wirklichkeitserfahrung. Statt künstlicher Ordnung ist kreatives Chaos die Leitvorstellung dieser betont subjektiven documenta.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Per Kirkeby, Raumskulptur (1992)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Per Kirkeby, Raumskulptur (1992)

Die Raumskulptur von Per Kirkeby, erbaut zur documenta 9 im Jahr, 1992 steht am Ende der documenta-Halle in der Du-Ry-Straße.

1977 ließ Per Kirkeby zur documenta 7 hinter der Orangerie eine Backsteinskulptur errichten, die trotz ihrer großen Publikumsakzeptanz aus statischen Gründen entfernt werden musste. Als Ersatz entstand zwei Ausstellungen später am äußersten Ende der documenta-Halle eine Raumskulptur, die vergleichbaren Formprinzipen unterliegt. Ihr anonymes Klinkermauerwerk ohne individuelle Herstellungsspuren macht sie einem technischen Funktionsbau ähnlich und setzt sie in Kontrast zu den Materialverwendungen der documenta-Halle. Im mäandrierenden Wandverlauf der skulpturalen Architektur verschleifen sich Innen und Außen zu einem Raumkonzept, das beim Durchschreiten als Wechsel von Kompaktheit und Transparenz, von Öffnung und Schließung erlebt werden kann.


Raumskulptur
DOCUMENTA IX, 1992
Ziegelmauerwerk. 8,75 x 10,74 x 3,99 m
documenta-Halle, Du-Ry-Straße / An der Karlsaue


Per Kirkeby geboren 1939 in Kopenhagen, Dänemark
Als Geologe ausgebildet, arbeitet der Künstler seit den 1960er Jahren als Maler, Bildhauer und Architekt.
Teilnehmer documenta 7 und DOCUMENTA IX.


DOCUMENTA IX: Erstmals verzichtet eine documenta auf die Wahrnehmung ihres Auftrags zur objektiven Spiegelung des zeitgenössischen Kunstgeschehens. Der belgische Kurator Jan Hoet setzt dem traditionellen documenta-Selbstverständnis seine intuitive Sicht auf die aktuelle Situation entgegen. Die Werkauswahl kommt ohne theoretische Kriterien und thematische Begründungszusammenhänge aus. Sie befasst sich unter dem Motto „Vom Körper zum Körper zu den Körpern“ hauptsächlich mit Körperlichkeit und Körperfunktionen, mit individueller Körpererfahrung und körperbezogener Wirklichkeitserfahrung. Statt künstlicher Ordnung ist kreatives Chaos die Leitvorstellung dieser betont subjektiven documenta.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Thomas Schütte, Die Fremden (1992)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Thomas Schütte, Die Fremden (1992)

Auf dem Portikus des Modehauses SinnLeffers am Friedrichsplatz stehen Die Fremden von Thomas Schütte seit der DOCUMENTA IX im Jahr 1992.

Auf dem Säulenportal des ehemaligen Roten Palais ist eine Gruppe von Menschen in folkloristisch bunter Bekleidung mitsamt ihren improvisierten Gepäckstücken angekommen: ratlos wirkende Figuren von sichtlich unterschiedlicher ethnischer und geografischer Herkunft. Die in scheinbar naiver Darstellung schematisierten Fremden verkörpern Ausgrenzung und fehlende soziale Integration. Als gesellschaftliche Randfiguren blicken sie in ihrer prekären Lage mit niedergeschlagenen Augen auf den Betrieb des Platzes unter ihnen, ohne am städtischen Leben teilhaben zu können. Durch das weltweite Flucht- und Migrationsgeschehen hat Schüttes Skulpturengruppe seit ihrer Aufstellung zunehmend an gesellschaftspolitischer Aktualität gewonnen. Das ursprünglich zwölfteilige Arrangement kann darüber hinaus als zeitgemäßes Gegenstück zu den sechs klassizistischen Portikus-Allegorien des benachbarten Museums Fridericianum gesehen werden.

Die Fremden
DOCUMENTA IX, 1992
9 Objekte. Keramik, glasiert. Verschiedene Größen
Portikus Modehaus SinnLeffers, Friedrichsplatz


Thomas Schütte geboren 1954 in Oldenburg Im Bestreben, sich der Festlegung durch ein Markenzeichen zu entziehen, entwickelt sich Schütte mit Druckgrafik, Zeichnung und Skulpturen zu einem der medial vielfältigsten Künstler der Gegenwart. Teilnehmer documenta 8, DOCUMENTA IX und documenta X.


DOCUMENTA IX: Erstmals verzichtet eine documenta auf die Wahrnehmung ihres Auftrags zur objektiven Spiegelung des zeitgenössischen Kunstgeschehens. Der belgische Kurator Jan Hoet setzt dem traditionellen documenta-Selbstverständnis seine intuitive Sicht auf die aktuelle Situation entgegen. Die Werkauswahl kommt ohne theoretische Kriterien und thematische Begründungszusammenhänge aus. Sie befasst sich unter dem Motto „Vom Körper zum Körper zu den Körpern“ hauptsächlich mit Körperlichkeit und Körperfunktionen, mit individueller Körpererfahrung und körperbezogener Wirklichkeitserfahrung. Statt künstlicher Ordnung ist kreatives Chaos die Leitvorstellung dieser betont subjektiven documenta.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Jonathan Borofsky, Man Walking To The Sky (1992)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Jonathan Borofsky, Man Walking To The Sky (1992)

Auf dem Vorplatz des Kulturbahnhofs erhebt sich das Kunstwerk Man Walking to the Sky, von Jonathan Borofsky errichtet zur DOCUMENTA IX im Jahr 1992.

Im Gegensatz zu anderen documenta-Außenobjekten stößt Jonathan Borofskys aufwärts weisende Installation auf breite Zustimmung. Zur DOCUMENTA IX unmittelbar vor dem Museum Fridericianum platziert, erhielt sie nach dem Ankauf durch Bürgerbeteiligung und Sponsoreneinsatz 1995 ihren heutigen Standort. Trotz ihrer kritischen Position zwischen Aufstieg und Absturz, das Ende des Weges vor Augen, konnte sich die auf schlankem Rohr emporeilende Figur zum Hoffnungssymbol der Region entwickeln. Dabei ist die geradlinig von der Erde wegstrebenden Gestalt auch als eine Verkörperung existentieller Gefährdung gemeint. In blindem Fortschrittsoptimismus strebt der Mann gen Himmel, ohne sich um die Umstände seines Vorwärtsstürmens zu kümmern. Dessen ungeachtet aber wird das populäre Werk für Firmen- und Veranstaltungslogos in Anspruch genommen und intensiv eingesetzt als Lieblingsmotiv von Tourismus-, Produkt- und Dienstleistungswerbung.


Man Walking to the Sky
DOCUMENTA IX, 1992
Stahl. Höhe 25 m. Durchmesser 50 cm. Neigungswinkel 63°. Figur: Fiberglas, bemalt
Kulturbahnhof, Vorplatz


Jonathan Borofsky geboren 1942 in Boston, USA Hauptsächlich Großskulpturen im öffentlichen Raum. Lebt in Ongunquit, USA. Teilnehmer documenta 7, 8 und DOCUMENTA IX.


DOCUMENTA IX: Erstmals verzichtet eine documenta auf die Wahrnehmung ihres Auftrags zur objektiven Spiegelung des zeitgenössischen Kunstgeschehens. Der belgische Kurator Jan Hoet setzt dem traditionellen documenta-Selbstverständnis seine intuitive Sicht auf die aktuelle Situation entgegen. Die Werkauswahl kommt ohne theoretische Kriterien und thematische Begründungszusammenhänge aus. Sie befasst sich unter dem Motto „Vom Körper zum Körper zu den Körpern“ hauptsächlich mit Körperlichkeit und Körperfunktionen, mit individueller Körpererfahrung und körperbezogener Wirklichkeitserfahrung. Statt künstlicher Ordnung ist kreatives Chaos die Leitvorstellung dieser betont subjektiven documenta.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Lois Weinberger, Das über die Planzen/ist eins mit Ihnen (1997)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Lois Weinberger, Das über die Planzen/ist eins mit Ihnen (1997)

Im Gleis 1 des Kulturbahnhofs verläuft das Kunstwerk Das über Pflanzen ist eins mit ihnen von Lois Weinberger, gepflanzt zur documenta X im Jahr 1997.

Wie ein vernachlässigtes Areal des Kulturbahnhofs wirkt Lois Weinbergers documenta-Biotop. Im Schotterbett des stillgelegten Gleises 1 durchmischte der Künstler die einheimische Vegetation mit Neophyten. Die aus Süd- und Südosteuropa eingewanderten schnell wachsenden Pflanzen verbreiten sich rasch großflächig und verdrängen die ursprünglich dort vorkommende Flora. Diesen botanischen Prozess, der noch immer andauert, sieht Weinberger als Metapher sozialer Vorgänge. Hier wird das weltweite Migrationsgeschehen zum Thema eins ökologischen Kunstwerks. In einer natürlichen Entwicklung, die künstlich herbeigeführt wurde, problematisiert der Künstler am Beispiel der Pflanzenwelt das konfliktreiche Verhältnis von fremd und einheimisch. Das Verstehen von Natur soll das Verstehen der Gesellschaft ermöglichen. Der Umgang einer Gesellschaft mit Pflanzen ist für Weinberger ein Spiegelbild ihrer selbst.


Das über Pflanzen ist eins mit ihnen
documenta X, 1997
Bahngleis mit einheimischer Vegetation und Neophyten. Länge 100 m
Kulturbahnhof, Gleis 1


Lois Weinberger
geboren 1947 in Stams, Österreich
Lebt in Wien. Objekte, Installationen, Zeichnungen, ortsbezogene Interventionen zu ökologischen Problemen der Gegenwart.
Teilnehmer documenta X.


documenta X: Die französische Kuratorin Catherine David, die erste Frau in der künstlerischen Leitung, erweitert ihre documenta von einer Ausstellung zur „kulturellen Manifestation“. Mit der Absicht, gesellschaftliche Grundfragen der Gegenwart zu thematisieren, verlagert sie den Schwerpunkt auf die Theorie und auf diskursive Formen. Durch eine konsequente Politisierung wird die documenta zum Arbeitsplatz und Lernort, der spektakuläre Tendenzen zu vermeiden sucht. Die theoretische Strenge des Konzepts spiegelt sich auch in der geradlinigen Parcours-Struktur, zu der sich die Ereignisorte zwischen Kulturbahnhof und Fulda-Ufer ordnen. Als „Retroperspektive“ am Ende des Jahrhunderts werden in punktuellen Rückblicken auch künstlerische Positionen vergangener Jahrzehnte auf ihre Aktualität überprüft.


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Giuseppe Penone, Idee di pietra (2003/2008/2010)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Giuseppe Penone, Idee di pietra (2003/2008/2010)

In den Staatspark Karlsaue fügt sich das Kunstwerk Idee di Pietra ein, von Giuseppe Penone errichtet zur dOCUMENTA (13) im Jahr 2012.

Auf den ersten Blick ein Baum, bei näherer Hinsicht der Bronzeabguss eines Haselnussbaums. Er trägt einen großen Granitfindling im gekappten Geäst: Zwei Jahre vor documenta-Eröffnung wurde zur Sommersonnenwende, am 21. Juni 2010, dem längsten Tag des Jahres, um 12:00 Uhr mittags das erste Ausstellungsobjekt platziert. Der Arte-Povera-Künstler, dessen zentrales Motiv der Baum ist, verbindet mit der Bronze-Stein-Kombination eine komplexe Theorie zum Verhältnis von Malerei und Plastik in Abhängigkeit von den umgebenden Naturkräften. Malerei sei – so Penone – ein Verfahren der Bedeckung, während die Skulptur darauf aus sei, ans Licht zu bringen. Die fließende Farbe unterliege, wie die flüssige Bronze, der Schwerkraft, die Skulptur drücke die ihr entgegengesetzte Kraft aus. Und auch die Pflanzenwelt, der wachsende Baum, entfliehe der Erdenschwere mithilfe des Lichts, dem Gewicht des Steins zum Trotz. In Bronze gegossen, wird hier ein Moment der Naturgeschichte dauerhaft festgehalten.

Idee di Pietra
2003 / 2010
Bronze, Granit. Höhe 8,30 m
dOCUMENTA (13), 2012
Karlsaue


Giuseppe Penone geboren 1947 in Garessio, Italien Einer der Hauptkünstler der Arte Povera. Lebt in Turin und Paris. Teilnehmer documenta 5, 7, 8 und dOCUMENTA (13).


dOCUMENTA (13): Über das Begriffspaar „Zusammenbruch und Neubeginn“ verankert Carolyn Christov-Bakargiev ihre Ausstellung gleichzeitig in der Geschichte Kassels und in der Geschichte der documenta. Aus der Perspektive eines ganzheitlichen, nicht anthropozentrischen Weltbildes werden aktuelle politische, wissenschaftliche, ökologische und ökonomische Problemfelder angesprochen. Allseits grenzüberschreitend, erweitert sich der bisherige Zuständigkeitsradius der Ausstellungsreihe auch auf nichtkünstlerische Wissensbereiche. Mit der Grundhaltung des philosophischen Skeptizismus vermeidet der „Ort der Inszenierung von Subjektivität“ verbindliche Aussagen über die Kunst und die Welt, in der sie stattfindet.


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Lawrence Weiner, DIE MITTE VON DIE MITTE VON DIE MITTE VON (2012)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Lawrence Weiner, DIE MITTE VON DIE MITTE VON DIE MITTE VON (2012)

Die Wandgestaltung THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF / DIE MITTE VON DIE MITTE VON DIE MITTE VON kreierte Lawrence Weiner für die dOCUMENTA (13) im Jahr 2012 am Hugenottenhaus in der Friedrichsstraße 25.

So flächendeckend breitete sich die 13. documenta über das Stadtgebiet aus, dass sie weder ein Zentrum noch einen ausgewiesenen Schwerpunkt besaß. Programmgemäß vermied sie die Behauptung einer Mitte. Vor diesem Hintergrund eines enthierarchisierten Ausstellungsgeschehens thematisierte Lawrence Weiner mit dem farbigen Wandtext das Problem eben dieser Mitte. Er verbalisierte den Versuch der Eingrenzung eines konkreten Standpunktes, der ein konzentrisches, geschlossenes Gebilde voraussetzt. In beschwörender Wiederholung stellt seine Schablonenschrift die Frage nach denen, die bestimmen, was und wo der Mittelpunkt von etwas ist. Und diese Frage ist zugleich die Frage nach der Definitionsmacht über Kunst. Kritisch angesprochen wird also auch jene Aufgabe, deren verbindliche Erledigung sich die documenta jahrzehntelang selbst zum Anliegen gemacht hatte.


THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF / DIE MITTE VON DIE MITTE VON DIE MITTE VON
dOCUMENTA (13), 2012
Wandgestaltung
Hugenottenhaus, Friedrichsstraße 25


Lawrence Weiner geboren 1942 in New York City Hauptvertreter der Konzeptkunst, international tätig überwiegend mit sprachbasierten Text-Arbeiten im öffentlichen Raum. Teilnehmer documenta 5, 6, 7 und dOCUMENTA (13).


dOCUMENTA (13): Über das Begriffspaar „Zusammenbruch und Neubeginn“ verankert Carolyn Christov-Bakargiev ihre Ausstellung gleichzeitig in der Geschichte Kassels und in der Geschichte der documenta. Aus der Perspektive eines ganzheitlichen, nicht anthropozentrischen Weltbildes werden aktuelle politische, wissenschaftliche, ökologische und ökonomische Problemfelder angesprochen. Allseits grenzüberschreitend, erweitert sich der bisherige Zuständigkeitsradius der Ausstellungsreihe auch auf nichtkünstlerische Wissensbereiche. Mit der Grundhaltung des philosophischen Skeptizismus vermeidet der „Ort der Inszenierung von Subjektivität“ verbindliche Aussagen über die Kunst und die Welt, in der sie stattfindet.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Jimmy Durham, Arkansas Black Apple Tree (2012)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Jimmy Durham, Arkansas Black Apple Tree (2012)

Im Kirschgarten des Staatsparks Karlsaue wurde der Arkansas Black Apple von Jimmie Durham zur dOCUMENTA (13) im Jahr 2012 gepflanzt.

Bäumepflanzen ist im Rahmen der documenta eine vertraute Tätigkeit. Nach der „Stadtverwaldung“ durch Beuys und Penones Bronzebaum pflanzten Carolyn Christov-Bargargiev und Jimmie Durham, unterstützt von Gartendenkmalpfleger Michael Boßdorf, am 25. Oktober 2011 zwei Apfelbäume im ehemaligen Obstgarten-Bereich der Karlsaue. „KZ3“, der „Korbiniansapfel“, erinnerte an Pfarrer Korbinian Aigner, der diese und andere Sorten als Häftling im Konzentrationslager Dachau gezüchtet hatte. Der Baum wurde 2015 von Unbekannten zerstört. Verblieben ist der „Arkansas Black Apple Tree“. Dessen seltene Früchte von nahezu schwarzer Schale erinnerten Jimmie Durham an seine Kindheit in den USA. Der Apfelbaum, Teil der ökologischen Dimension der dOCUMENTA (13, galt der künstlerischen Leiterin als Symbol ihrer Ausstellung: Sinnbild für einen lebendigen Organismus, der im Zusammenwirken kreativer Energien allmählich Gestalt gewinnt.


Arkansas Black Apple
Baumpflanzung
2011
dOCUMENTA (13), 2012
Karlsaue, Kirschgarten


Jimmie Durham geboren 1940 in Washington, Arkansas, USA Multimedial arbeitender Künstler und politischer Aktivist für die Rechte indigener Völker. Teilnehmer DOCUMENTA IX und dOCUMENTA (13).


dOCUMENTA (13): Über das Begriffspaar „Zusammenbruch und Neubeginn“ verankert Carolyn Christov-Bakargiev ihre Ausstellung gleichzeitig in der Geschichte Kassels und in der Geschichte der documenta. Aus der Perspektive eines ganzheitlichen, nicht anthropozentrischen Weltbildes werden aktuelle politische, wissenschaftliche, ökologische und ökonomische Problemfelder angesprochen. Allseits grenzüberschreitend, erweitert sich der bisherige Zuständigkeitsradius der Ausstellungsreihe auch auf nichtkünstlerische Wissensbereiche. Mit der Grundhaltung des philosophischen Skeptizismus vermeidet der „Ort der Inszenierung von Subjektivität“ verbindliche Aussagen über die Kunst und die Welt, in der sie stattfindet.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

Janet Cardiff und Georges Bures Miller, Alter Bahnhof Video Walk (2012)

Kunstwerkfotos © Nils Klinger

Janet Cardiff und Georges Bures Miller, Alter Bahnhof Video Walk (2012)

Alter Bahnhof Video Walk, von Janet Cardiff & George Bures Miller produziert zur dOCUMENTA (13) im Jahr 2012, kann im „Offenen Kanal“ des Kulturbahnhofs ausgeliehen werden.

Mit dem Alter Bahnhof Video Walk hat das Künstlerpaar ein originelles Medium der Geschichtsvermittlung entwickelt. Angeboten wird ein Spaziergang über das Gelände des Kasseler Kulturbahnhofs mit einem tragbaren Mediaplayer, der dort zusammen mit einem Kopfhörer ausgeliehen werden kann. Auf dem Bildschirm ist ein Video zu sehen, das die Geschichte des früheren Hauptbahnhofs in Bild und Ton präsent werden lässt. Historische Aufnahmen, zuvor gefilmte Szenen, Kommentare, Geräusche und Musik machen die Vergangenheit des Areals anschaulich. Wenn die Spaziergänger dem Bewegungsangebot des Videos folgen, sehen sie denselben Ort auf dem Bildschirm, an dem sie sich real gerade befinden. Beim Versuch, im Gehen die abgebildeten Ereignisse mit der Wirklichkeit in Deckung zu bringen, entsteht ein eigenartiges Gefühl der Verunsicherung und Irritation: eine leicht unheimliche Atmosphäre der Gleichzeitigkeit, bei der sich die Realitätsebenen durchdringen und Vergangenheit und Gegenwart überlagern.


Alter Bahnhof Video Walk
26 Minuten
dOCUMENTA (13), 2012
Kulturbahnhof


Janet Cardiff geboren 1957 in Brussels, Ontario, Kanada George Bures Miller Geboren 1960 Vegreville, Alberta, Kanada Als Künstlerpaar Zusammenarbeit an multimedialen Projekten in Europa und Kanada. Teilnehmer dOCUMENTA (13).


dOCUMENTA (13): Über das Begriffspaar „Zusammenbruch und Neubeginn“ verankert Carolyn Christov-Bakargiev ihre Ausstellung gleichzeitig in der Geschichte Kassels und in der Geschichte der documenta. Aus der Perspektive eines ganzheitlichen, nicht anthropozentrischen Weltbildes werden aktuelle politische, wissenschaftliche, ökologische und ökonomische Problemfelder angesprochen. Allseits grenzüberschreitend, erweitert sich der bisherige Zuständigkeitsradius der Ausstellungsreihe auch auf nichtkünstlerische Wissensbereiche. Mit der Grundhaltung des philosophischen Skeptizismus vermeidet der „Ort der Inszenierung von Subjektivität“ verbindliche Aussagen über die Kunst und die Welt, in der sie stattfindet.


Weitere Informationen: www.documenta-historie.de

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