
Gerhard Richter
Betty
Malerei 1977
© Gerhard Richter
*1932 in Dresden (DE), lebt in Köln (DE)
Das umfangreiche und komplexe uvre von Gerhard Richter zeichnet sich durch eine kontinuierliche und systematische Erforschung der Malerei als Medium und Möglichkeit aus. In den heterogenen Werkphasen finden sich gegenständliche Arbeiten genauso wie abstrakte Bilder, Stillleben, private Sujets aber auch zeitgeschichtliche, kunsthistorische und politische Motive. Seine künstlerischen Techniken umfassen neben Übermalungen, Vermalungen und Verwischungen auch Fotografie und Druckgrafik.
Gerhard Richter exponiert auf radikale Weise ein Individuum, seine Tochter Betty, in einem Frau-Kind-Status. Vorlage war ein Zeitungsfoto von Ulrike Meinhof, tot auf dem Boden liegend. Im Bild liegt die Figur auf einer Art Holzblock, den man als Schlachterblock interpretieren kann. Richter zeigt einen Moment der totalen Ausgesetztheit, der Blöße und Konfrontation zugleich zeigt. Das Gemälde ist zwar mit narrativer, zeitgeschichtlicher Gewalt aufgeladen, aber die Bildoberfläche ist schon längst unscharf, abstrakt geworden und tritt in einen Dialog mit den umgebenden Bildern von Lee Lozano.